Eibensang

Wintersport – meiner… ;-)

Gesungen hab ich nicht, oder kaum. Mehr geschrien, gesprochen, geraunt und gesingsangt. Darum ging’s mir diesmal: bei FAWM, dem „February Album Writing Month“, den ich mir zum fünften Mal in Folge gönnte. Tummelplatz für Tausende von Spontan-Songs von Tausenden Teilnehmenden aus aller Welt – und in aller Bandbreite: von beherzten AnfängerInnen bis zu hörbaren Routiniers, und alle sind lieb zueinander. Du brauchst nicht loben, was dir nicht gefällt – aber es wird nicht herumgekrittelt dort. Die Community geht davon aus, dass du selbst am besten weißt, wo die Schwachstellen deiner eiligen Uploads knirschen – da braucht’s keinen Besserwessi-Hinweis von außen.

Zu gewinnen gibt es Erfahrung, Spaß und Atmosphäre – und nichts läuft in irgendeiner Konkurrenz. Nur die Zeit ist knapp: Das Spiel gilt dem Versuch, in den 28 Tagen des kürzesten Monats möglichst viele selbstgemachte neue Titel hochzuladen – ab 14 erscheint ein dezentes „winner“-Pokalsymbölchen neben deinem Namen, aber wer weniger schafft, wird auch nicht erschossen. Und ob dein Titel nur ein Text ist oder gar keinen hat, wieviele oder welche Instrumente du wie verwendest – das alles bleibt dir überlassen. Natürlich wird Hörbares öfter angeklickt als ledigliche Lyrics zum Lesen, das ist die einzige Folge.

Ich für meinen Teil verfasse gewöhnlich zuerst den Text, den ich dann eilig vertone – und oft bin ich selber am meisten überrascht davon, was am Schluss dabei herauskommt. Für langes Abwägen ist keine Zeit – und für perfektionistisches Herumfeilen schon gar nicht: Es kommt, wie’s grad kommt – und raus damit! Das gehört zum Sinn des Sports, äh, Spiels. 😉

Hier mein Protokoll zum Reinhören!

Als erstes stampfte ich einen Blues – angelehnt an den Stil, den die alten Meister des Genres Mitte des 20. Jahrhunderts kreierten. Heute ist es ja wieder so, dass von Musizierenden vielerorts erwartet wird, dass sie umsonst spielen und singen – weil das ja Spaß mache. Ja, macht es. Ich kann allerdings auch in keinem Restaurant futtern, ohne zu zahlen – mit womöglich noch dem leicht zynischen Hinweis, dass es ja eine „gute Reklame“ für das Haus sei, wenn es mir und meinen Freunden dort schmecke… selbst wenn das Essen dort mit Liebe zubereitet wird: Arbeit für Geld. Beachten Sie die Mundharmonika (auf den Sound bin ich ein bissi stolz)! Aufgenommen mit einem simplen Handrecorder.

Noch in derselben Nacht haute mich eine jähe Grippe auf die Bretter bzw. ins Bett. Da mich die Tage darauf Fieber und Matschkopf beutelten, geriet mein „Liebeslied für gereifte Erwachsene“ 😉 etwas wackelig: Die Finger wollten mir nicht recht gehorchen, und konzentrieren konnte ich mich auch kaum. Trotzdem denke ich, ich löse zumindest meinen Anspruch ein, dass ein Liebeslied einen möglichst persönlichen Text haben sollte – ob der jetzt inhaltlich nachvollziehbar ist für „die Masse“ oder nicht: Wahre Liebe (Geschichte einer Glut).

Der dritte Titel greift eine „Challenge“ auf: „Spelling“ hieß das ausgegebene Motto (natürlich folgt mensch solchen „Challenges“ freiwillig – oder eben nicht. Sie sollen anreizen, sich etwas einfallen zu lassen…). Da ich schon öfter Lieder schrob mit diesem Merkmal – wie z.B. Singvøgels „C.U.V.“ (Abk. f. „chronisch untervögelt“) 😉 –, wollt‘ ich mir’s diesmal nicht zu leicht machen und buchstabierte im Refrain den Titel Zivilisation (Eine Bestandsaufnahme). Altmodischer Rock für (leider) moderne Zustände…

Nach diesem Text fiel mir erstmal nix mehr ein. 😀 Kollegin Karan rettete mich mit einer „Collab“ – einem Auftrag FAWMischer Zusammenarbeit: Sie habe eine Art Rap geknattert – ob ich den vielleicht vertonen könne? Aber gern! Sie hatte bei einem FAWM-Spiel mitgemacht, bei dem „Bäume verlost“ wurden – und den „Affenbrotbaum“ bekommen: Hier ist Karans B.A.O.B.A.B. (womit sie die Spelling-Challenge ihrerseits mit einbezog). Mir machte es Vergnügen, bei der Gelegenheit vorwiegend elektronisch herumzufummeln. Es lebe die Abwechslung!

Umso rockiger weiter! Ein launiger Texteinfall inspirierte mich zu einem Dröhngitarren-Knallerchen, das – bis auf den Text natürlich (und meinen mal wieder engelsgleichen Gesang, oder?) – in den 1970er Jahren Tanzflächen gefüllt haben könnte… Tut mir leid, dass ich so spät dran bin mit der Nummer – aber als Teenie hatte ich meine tolle „Flamme des Nordens“ noch nicht (diese hammergeile Gibson-Gitarre, die mir die lieben Kollegen zum letztjährigen Geburtstag schenkten)! Ich wohne nun mal Hinter der Nacht!

Getragener geriet der nächste Streich. Trotz noch brüchiger Stimme (hust, hust) wollte ich ein bisschen epischer werden – was der Refrain erahnen lässt (?), wobei mich bei den Versen eher ein Hang zum Jazz ritt (der bei mir, isch schwör‘, auf Sound beschränkt bleibt 😉 )… Am besten gefällt mir daran meine urheidnische Frage „was malt dein Volk mir aus“ – gerichtet an einen Vogelschwarm.

Naja, und wenn mir sonst nix weiter einfällt, rappe ich halt was. 😀 Auch hier kann ich ein gewisses Liebäugeln mit der Klangästhetik der 70er Jahre nicht ganz verleugnen (wobei ich jenes Jahrzehnt überhaupt nicht genoss – als Teilnehmer. Aber das ist eine andere Geschichte…)! Braucht jemand einen Handwerker? 😉

Abermals offerierte mir Karan einen Rap zum Vertonen – der eine urige Sache aufgriff: Ein FAWM-Teilnehmer hatte – ohne selbst des Deutschen mächtig zu sein – eine Anzahl eigenwilliger und beliebiger deutscher Worte zusammengestellt, aus denen einige Deutsche, darunter Karan, einen Text schmiedeten. Ich gab mir einige Mühe mit dem instrumentellen Playback – und stehe voll hinter Karans Aufforderung: Mindesthirn für alle!

Letztes Jahr war ich unversehens in eine Art depressive Phase geraten. Jetzt gelang mir eine gewisse Aufarbeitung. Es ist so schön, wenn der Schmerz vorbei ist… 😉 Ich habe versucht, den Wahnsinn auch klanglich umzusetzen – und hoffe, dennoch unterhaltsam zu bleiben: Manische Verstimmung.

Darauf musste was ganz anderes folgen – nur was? Ich ging in mich – und brabbelte einfach was zusammen. Ironischerweise bekam das Resultat das mit Abstand größte Feedback – sowohl innerhalb der FAWM-Gemeinde als auch bei meinen Facebook-Kontakten (wo ich meine aktuellen FAWM-Skizzen jeweils verlinkte). Zugegeben: Ich erzähle gern Geschichten – von weit her. Es ist – ungeachtet des Titels – ein sanfter Trip geworden: Bumm, bumm, bumm.

Ein Freund von mir – kein Musiker, sondern Buchautor -, der bei FAWM mitmachte, nahm die Challenge „Alliteration“ mehr als buchstäblich: Er schrieb einen – englischen – Nonsens-Text, der sich durchs komplette Alphabet alliterierte: inklusiv Q, X, Y… Das klang schon vom Lesen her derart nach Rock’n’Roll, dass ich es einfach vertonen musste! Wobei ich mir, da ja im Singen des Englischen denkbar ungeübt, fast die Zunge abbrach 😀 – aber der Spaß war’s wert: An Alliteration Apogee – getextet von Londo42.

Spätnachts kam mir doch noch ein Einfall für eine Challenge, die es in sich hatte: Jemand hatte Fotos „verlost“ – dazu sollte, wer wollte, sich einen Text einfallen lassen – der exakt 100 (hundert) Worte enthalten sollte. Karan bekam witzigerweise ein Foto, das zwei Badenixen am Strand zeigte – was sie mit ihrem Bekenntnis-Song beantwortete „Ich liege niemals am Strand“. Das mir zugewiesene Foto (ich zeige es hier nicht, weil ich nicht weiß, ob es lizenzfrei ist) zeigte den – irgendwie beklemmenden – Blick nach oben, aus einem engen Hinterhof heraus. Unabhängig davon wurde „epic outro“ als „Challenge der Woche“ ausgerufen. Angesichts der – für mich mageren – hundert Textworte verband ich beides zu einer Art autobiografischem Kurzhörspiel. Was tun in unwirtlicher Umgebung – als die Elemente der Natur beschwören? 😉 Wer’s bis zum Schluss durchhält, kriegt’s funky: 😀 Ein Stück vom Himmel.

Back to the roots: FAWM-Teilnehmerin Tageule, eine Vertraute von mir (deren entzückende Einfälle ich bereits hatte abmischen dürfen), ließ sich einen eher rotzigen Ausbruch als Punk vertonen: Binaercode.

Schon war wieder Karan dran – mit etwas, das sie mir als eine Art aktuellen FAWM-Insider-Gag beschrieb. Es gehe um Würmer. Aha. Diesmal eher Schauspieljob für mich: Ich sprach den Part des Professors in Karans Professor Türmer liebt Würmer.

Was soll eins daraufhin tun, als das Schicksal selbst anzuseufzen – oder zu umarmen? Bei dieser Skizze hatte ich zuerst das funkige Riff – auf das ich dann den Text schrieb und singsangte. Ob das jetzt Hörgewohnheiten entspricht oder nicht so… Hier ist mein Schicksalsgebet.

Darf man/frau scheitern? Wir alle, meine ich, tun es – immer wieder. In der einen oder anderen Hinsicht. Mir wollte ums Verrecken keine „gleitende Hawaii-Gitarre“ gelingen (schon mangels Bottleneck nicht – den hatte ich verlegt) – ihr wisst schon. Oder nicht? Egal. Der Text kommt aus dem Herzen. Ist das nun „Country“? Mir doch egal! Aus der Sonne!

Einer ging noch: ganz zum Schluss, und kurz vor Deadline am 28. Febi itself – als ich bereits damit beschäftigt war, der Liebsten einen Geburtstagskuchen für den folgenden Tag zu backen… Ich hatte meiner „Flamme“ (der Gitarre) funkelnagelneue Saiten aufgezogen – und stimmte sie ein mit „Wölkchen“, meinem Echogerät… Da kam mir jäh ein Einfall – ich schrieb ihn, keine Zeit und so, gar nicht erst groß auf, sondern raunte die Worte, so wie sie mir kamen, sofort ins Mikrofon: Ein gescheiterter Herr – oder?

Das war mein Februar. Mein Wintersport. Ich aß zwischendurch – und nur nebenbei – selbstbelegte Pizza, Bratkartoffeln mit verschmorten Zwibis, frittierten Tintenfisch alla Romana mit kubanisch angemachtem Reis, belegte Brote, Spaghetti ajo ojo und Kartoffelchips – und schlief eher wenig. Ich schob auf: meine Steuererklärung, die Lösung diverser Weltprobleme – und den ganzen Rest. Ist morgen nicht auch noch ein Tag? Ich hoffe.

Hinweis für Archäologinnen und sonstige Spätforschende: Die direkt auf FAWM.org verweisenden Links zu obigen Collabs und FAWM-Teilnehmerinnen funktionieren nur einige Monate lang (Stand: März 2015).

Eine Reaktion zu “Wintersport – meiner… ;-)”

  1. Dee

    Deine Beschreibung von Zivilisation finde ich den Hammer schlechthin und auch das Stückchen Himmel berührt mich. Wieder wirklich genial, was Dir einfiel. Das gilt im Übrigen für alles was ich hörte, auch von andern. Wirklich ein tolles und sinnvolles Event. Respekt, allen die sich trauen!

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