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	<title>Eibensang</title>
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	<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 14:29:44 +0000</pubDate>
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		<title>Ans Tageslicht!</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 13:51:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[oder: Tornado im Eigenbau. Eine Selbstanleitung
&#8220;Erfolg,&#8221; sagte Winston Churchill, &#8220;besteht in der Fähigkeit, von Niederlage zu Niederlage zu gehen, ohne seinen Enthusiasmus zu verlieren.&#8221; Da muss was dran sein. Als Magiegläubiger (wie ich mich sehe bzw. nenne – könnte es aber genausogut mit dem Hinweis erklären, dass mir das kleine ABC der Seelenkunde vertraut ist) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>oder: Tornado im Eigenbau. Eine Selbstanleitung</p>
<p>&#8220;Erfolg,&#8221; sagte Winston Churchill, &#8220;besteht in der Fähigkeit, von Niederlage zu Niederlage zu gehen, ohne seinen Enthusiasmus zu verlieren.&#8221; Da muss was dran sein. Als Magiegläubiger (wie ich mich sehe bzw. nenne – könnte es aber genausogut mit dem Hinweis erklären, dass mir das kleine ABC der Seelenkunde vertraut ist) würde ich den Spruch lediglich ins Positive umformulieren: &#8220;&#8230;und dabei seinen Enthusiasmus zu erhalten&#8221;, besser noch: &#8220;&#8230;das Feuer der Begeisterung wieder <a id="more-476"></a>anzufachen und jetzt erst recht zu schüren.&#8221; Mit dem Holz der Enttäuschung, wenn´s sein muss (es brennt besser, wenn man´s nach dem Vollheulen trocknet – also die Tränen darauf auch mal wieder abwischt. In die Sonne legen ist auch nicht schlecht. Davon später mehr).</p>
<p>Nein, ich bin kein Stehaufmännchen, das sich nie unterkriegen lässt und das nichts umhaut – gar nicht. Eine meiner wesentlichen Charaktereigenschaften ist  Erschütterbarkeit. Mehr noch: Mir liegt ja sogar daran, erschüttert zu werden. Ich pierc´ mich nicht, ich ritz mich nicht - ich mach einfach nur auf. Will spüren - und spür´s.<br />
Deshalb sehe ich mir ja auch seit je lieber Filme an, wo Menschen (oder annähernd vergleichbare Geschöpfe <img src='http://www.eibensang.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ) unglaubliche Abenteuer in extremen Umgebungen bestehen, als etwa &#8220;Geschichten aus der Nachbarschaft&#8221; (wie mal eine Fernsehserie in meiner Kindheit hieß&#8230; Beide ödeten mich an: die Kindheit wie die Serie). Das Gucken vorwiegender Phantasiekiller konnte ich seither weitgehend vermeiden – durch die Kindheit allerdings musste ich durch. Und dabei hab ich mir auch ein paar schlechte Gewohnheiten eingefangen.</p>
<p>Zum Beispiel die, meine Erfolge zu missachten, gering zu schätzen, kleinzureden – gar: sie zu fliehen, oder nach Kräften zu vermeiden (und ich bin verdammtnochmal ziemlich kräftig. Kraft ist ja blöderweis´ neutral – erst ihr Einsatz, ihre Richtung, wird moralisch relevant). Ich war noch lang nicht Heide, als sich meine späteren Großen in Asgard längst die Haare rauften: &#8220;Wann kapiert der´s endlich?&#8221; Ein Silbertablett nach dem andern reichten sie mir, jedes voller glänzender Gelegenheiten – ich stieß sie um, ging dran vorbei, tat so als säh ich nix, oder als wär´s für jemand anders: traute mich nicht (traute mir nichts zu)&#8230; und selbst wenn ich das Glück mal schlürfte in einem unbedachten Moment, erbrach ich mich daran im nächsten. So ging es viele Jahre lang! Dann, trickreich, unermüdlich und zäh, wie sie halt sind (sic!), zeigten sich die Götter mir, gaben sich zu erkennen&#8230; Was schon ein echter Fortschritt war – doch weiterhin trug ich die (im Detail bzw. in der Wurzel zugegeben schwer erkennbare, weil so beständig nebenbei eingetrichterte) sittenchristliche Last klammheimlich verinnerlichten Versagensdrangs wie einen Eimer Scheiße im Gemüt: so selbstverständlich wie es mir normal erschien. Weil ich´s nicht anders kannte. Aus Gewohnheit!</p>
<p>Jetzt aber. Gehe ich geschickter um mit meinen Erschütterungen. Solche wahrzunehmen, ja geradewegs zu provozieren, gehört schließlich zu meinen Fähigkeiten. Als denkender (pardon: selber denkender <img src='http://www.eibensang.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ) Mensch nehme ich mir allerdings die Freiheit heraus, neue, eigene Schlüsse daraus zu ziehen: mir dienliche. Wer fliegen will, muss landen können. Ich brauche kein Make Up: Mich ziert der Dreck der Erfahrung.</p>
<p>Zum Beispiel Gitarre. Ich spiele nicht Gitarre, um vorzuführen, was für gelenkige Finger ich habe, sondern weil ich nachts oft im Wald war: meine nackten Zehen in die Erde grub, während ich Wasserkanister über einen rutschigen Laubhang hoch zu einer Höhle schleppte, wo wir Feuer schürten – Rauscherlebnisse aber nicht mit Drogen herbeigehext wurden, sondern durch menschliche Gemeinschaft. Von solchen Erfahrungen singt meine Gitarre. Wilde Rhythmen manchmal – die Melodien aber sind langsam und getragen, sanft meist, und klar. </p>
<p>Wenn ich noch besser spielen kann, handwerklich, will ich die Töne auch mal zwitschern lassen: so wie die Vögel, wenn sie die aufgehende Sonne begrüßen, schon eine Weile bevor sie kommt, frühmorgens im Wald. Wer diese Prozession je sah, vergisst sie nie. Es war die Ankunft der Göttin. Für die ich keine Worte finde: das zu beschreiben, soll mir die Gitarre helfen. Es ist meine wichtigste Botschaft für die Kinder der Stadt. Ich selbst bin eins! Deshalb werdet ihr alle, alle verstehen. Denn niemand, gar niemand wurde dem Beton geboren. Täuscht euch nicht, lasst euch nicht kirremachen. Die Große wird noch aufgehen, wenn das graue Labyrinth unserer Sackgassen im Schlick versinkt – Sie bescheint auch das Grauen (denn Sie ist eine Große), doch Sie scheint auch für dich. Besonders für Dich. Und ihre Botschaft ist: Steh auf. Es ist Zeit. Zeig Deine Erfolge. Bring sie ans Tageslicht. </p>
<p>Jahrhundertelang suggerierte die christliche Kunst, dass Heiligenscheine nur Auserwählten gestattet seien: so genannten Heiligen. Jeder Depp (gute Kunst ist immer für Deppen auch - Leute wie du und mich&#8230; <img src='http://www.eibensang.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ) erkennt sie an diesem Leuchtkringel überm Kopp. Unter der Sonne kann aber jede heil werden, und jeder – und einen exklusven (!) heiligen Schein verliehen bekommen, einzigartig!, in Echtzeit!, real: ohne dass erst ein Fotograf ein Gegenlicht anknipst&#8230; und die moderne Illusion strahlenden Glanzes auf einem Stück Papier verkauft, das im Album verschwindet, während dein Weiterleben glanzlos bleibt und du, je weiter die Zeit verstreicht (und das tut sie permanent), nur die Erinnerung beseufzen kannst: schööönes Bild – damals&#8230; Aber jetzt spielt die Musik! Immer nur jetzt! Lass dich bescheinen! Dafür musst du allerdings den gottverdammten Mumm aufbringen, dich selbst zu erwählen. Das ist schwer. Der Rest aber einfach. Stell dich drunter. Unter die Sonne. Reck dich! Bade im Glanz. Was willst du werden – außer ganz?</p>
<p>Ich hatte den Moment, das Gefühl, die Gewissheit, die Belohnung: vorigen Sonntag. Als alles gelang. Es funktioniert. Es war nur eine Übung. Ein erstes Recken. Auf dem richtigen Weg. &#8220;Siegen heißt, ich schaff´s!&#8221; <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/feuer-fuer-den-stamm/">Den </a>Song sangen wir gar nicht, am Sonntag. Er singt aber immer mit! Und alle haben´s gemerkt! Selbst, wer ihn nicht kannte. Noch nicht! <img src='http://www.eibensang.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Leicht gesagt? Von wegen. Ich begann zu schreiben, weil es mir an Schlagfertigkeit gebrach. Und ich schreibe noch immer, weil das die Musik meiner Seele ist: Ich teile meine Erschütterung mit – male sie aus, bis du sie wiedererkennst. Ich rüttle an den Gitterstäben deines Gemüts, weil ich meine eigenen kenne – auch wenn die Gründe oft verschieden scheinen (im Endeffekt aber is´ doch recht wurscht, weshalb man sich verhaften lässt: Knast ist Knast, oder?). In der Tiefe unserer Herzen modern und blubbern Ähnlichkeiten, die ich gern aufwühle, weil sie unser täglich Make Up überflüssig machen: dann zerläuft es, für einen Moment, und manchmal entsteht sogar jener merkwürdige Effekt, den ich &#8220;Gemütsregenbogen&#8221; nenne: wenn wir weinen und lachen mögen, gleichzeitig. Für diesen Moment leb ich, denn du trägst diese Erinnerung mit heim, und sie macht etwas mit dir. Denn auch du hast Erfahrungen: deine. Und eines Tages klappt das mit den Gittern. Ich meine: ohne.</p>
<p>Erfolg ist nämlich wie eine Naht: der einzelne Stich mag banal sein, lapidar – kaum erwähnenswert. Viele kleine Stiche aber kloppen Stoff an Stoff, bis aus dem Tuch die feste Hose wird – man kann die Stiche sogar doppelt hinknallen und das Ergebnis eine Jeans nennen: so gut wie unzerreißbar, an den Nähten. Wichtig ist die Vielzahl gleichförmiger Stiche und ihre Regelmäßigkeit: richtig, das ist Rhythmus. Ich habe einst in meiner Jugend – sehr unwillig und unglücklich – lernen müssen, wie man Hosen näht. Ich meinte immer, das hätte keinen Nutzen und keinen Lerneffekt gehabt für mich. Ha! Die Götter hatten gar nie vorgehabt, aus mir ein Schneiderlein zu machen. Die Botschaft war eine spirituelle: Schaff eine Naht! Bring was zusammen! So sei es: Ich gehe jetzt eine Hose nähen – nicht aus Textilien, eher aus Wind&#8230; verschiedenen Sorten Wind. Im Namen des Sturms, der tobt, im Namen des Herzens, das schlägt, für das Gras, für die Berge, für dich und mich: eine Windhose! Sie fängt mit einem lauen Lüftchen an – das sich bewegt. Unmerklich erst: Sein Beginn ist ein Lächeln, nur ein Lächeln. Auch gute Musik – oder sagen wir´s fairer, freundlicher: die von Erwachsenen <img src='http://www.eibensang.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  – baut sich langsam auf. In jeder Hinsicht. Genau: so wie das richtige Leben.</p>
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		<title>Vom Wenden der Sonne</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 19:38:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Es hat geklappt: Die Sonne ist mal wieder gewendet. Mein Schwesterherz zelebrierte das, nach langer Zeit mal wieder im Vanahof, mit einem Schwitzhüttchen im Garten – derweil drei Singvøgel sich im Studio die Haare rauften bei einer Studiosession unter Zeitdruck, technische Ausfälle kommen bei solcher Gelegenheit gern dazu. Aber am Ende war das Lied im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es hat geklappt: Die Sonne ist mal wieder gewendet. Mein Schwesterherz zelebrierte das, nach langer Zeit mal wieder im Vanahof, mit einem Schwitzhüttchen im Garten – derweil drei Singvøgel sich im Studio die Haare rauften bei einer Studiosession unter Zeitdruck, technische Ausfälle kommen bei solcher Gelegenheit gern dazu. Aber am Ende war <a id="more-475"></a>das Lied im Kasten, und klang durchaus so, als wär viel länger dran gearbeitet worden.</p>
<p>Hab ich eine Sommersonnenwende je feierlich begangen? Biertrinken bei Gesinnungsfreunden in deren Steinkreis war glaub ich das, was dem am nächsten kam – ist aber schon wieder Ewigkeiten her (und stand eh nicht im Verdacht verschärfter Ritualistik;-). In den Jahren davor war ich meist als Schauspieler auf Tour – mehr als kurz mal unter ein paar Dorfbäumen ausspannen ging da (hochsaisonsbedingt) auch nicht.</p>
<p>Mit Jul – dem winterlichen Sonnwend-Gegenstück – ist das ganz was anderes: Da freut man sich an der Wiedergeburt der Sonne, deren Segen man ohne zusätzlichen Aufwand zu der Zeit gar nicht spürt, und versucht im kuscheligen Freundeskreis mit viel Met zu vergessen, dass die richtig klirrkalten Monde erst noch bevorstehen (und so oft nicht enden mögen, in Breiten wie diesen).</p>
<p>Im Sommer hab ich eigentlich keine Sorgen – schließlich bin ich keine Koralle oder Schildkröte im Golf von Mexiko. Ausführlichere Nachrichten von dort erscheinen hier – bezeichnenderweise – unter den Rubriken &#8220;Wirtschaft&#8221;, &#8220;Wissenschaft&#8221; oder gleich &#8220;Technik&#8221;.  Sieht fast so aus, als müsse ein schmutziger Weltkonzern ein paar schmutzige Dollars abdrücken für wirtschaftliche Schäden: Die Ökonomie kreist mal wieder um sich selbst. Was sich nicht in Zahlen fassen lässt, bleibt außerhalb bewusster Wahrnehmung. Unser Planet. Das Leben. Und der Zusammenhang dieser beiden Komponenten: die Qualität unserer Tage und Nächte auf dieser malträtierten Göttin.</p>
<p>Dem BP-Häuptling Tony Hayward möchte man einen ordentlichen Schuss Maschinenöl in die Suppe spritzen: Es ist doch so viel Suppe und so wenig Öl – das wirst du doch noch löffeln können, alter Stinkstiefel?! Nichts aber bringt die Giftschwaden aus dem Wasser, und die schwarze Milch des Todes sprudelt, sprudelt und sprudelt: Rohrbruch der Zivi´sation. Tut mir leid, Korallen. Entschuldigung, Schildkröte. Wir wollten es nur warm haben. Und ein bisschen Auto fahren. Vielleicht ein bisschen viel. Wir haben es halt gern quadratisch, glatt und glänzend. Wir können nicht mehr viel anfangen mit dem, was wächst, blüht und vergeht. Bei uns wachsen nur Neurosen. Und Metastasen. Die vergehen nicht, sondern bringen uns um. Deshalb sind wir höchstens noch für Wirtschaftswachstum. Denn das machen wir selber – auch wenn wir es genausowenig beherrschen wie irgendetwas anderes. Das Kreuchen und Fleuchen der vielen Wabbler und Wubbler, von denen wir kaum die Namen kennen, ist uns bestenfalls noch Bildschirmschoner-Deko bei der TV-Naturdoku zur Freizeitentspannung im zahlenfixierten B. Wusstsein. Wieviel Profit hast du heute? Was bist du wert auf dem Markt? Was bringt mir das, über so etwas – oder überhaupt irgendwas – nachzudenken? It´s the economy, stupid. ZÄHLT sonst irgend was?</p>
<p>Das ist der wahre Mittelaltermarkt: Es geht immer um Heller und Pfennig. Bloß was daran &#8220;global&#8221; sein soll, kapier´ ich nicht. Aber &#8220;mittelalterlich&#8221; isses weißgott. DAS kapier´ ich. Es ist ein Rückschritt in ein Finsteres Zeitalter, und wir sind längst mittendrin. Aufklärung, Menschenrechte? Schnee von gestern. Geschmolzen in den Tiegeln der Win-Wins. China, eine gigantische Diktatur, funktioniert. Sieht man doch!</p>
<p>Die Sonne ist gewendet, aber ich weiß nicht, ob es reicht. Sollten die Sinne nicht nachziehen? Sollten die sich nicht mitwenden? Ich habe meine angewiesen, sich zu drehen. Win-Win sei auf meiner Seite. Ich zähle jetzt meine Erfolge, und mehr noch: Ich trainiere jetzt das, was ich schon gut kann. Und ich lobe: das, was meine Lieben und Freunde gut können. Ich habe da was aufzuholen. Aber ich bin gut ausgestattet – von den Großen, den Göttinnen und Göttern. Da ist ja Potential – mehr als manche haben, mancher hat. Sonst wäre ich nicht so alt geworden. Jetzt bohre ICH nach Öl – dem, was die Großen mir gaben, mir zugedachten, von Anfang an. Jetzt endlich. </p>
<p>Die Sonne wenden ist leicht. Vielleicht tut sie das gar von selber (blasphemischer Gedanke – aber meine Großen erlauben auch solche, und grad)! Aber ich binde mein Ich, meine Gedanken und Gefühle an diesen Stern, diese – mir einzig bekannte und vertraute – Sonne: meiner Göttin&#8230; eine von etlichen. Und ich sing ihr ein Lied, einen Not-Not-Notwende-Sang: Wende meinen Sinn, Große, Herrliche, Wunderbare, Unersetzliche! Lass mich lernen – in einem Alter, da andere der Pension entgegenzudämmern versuchen und sonst fast nichts mehr wollen. Leih mir dein Strahlen, deine Urkraft, dein Lachen, deine Macht! Lass mich dich vertreten – vor denen, die deine Wärme nicht mehr spüren. Ich bin dein Sohn, bin ich´s nicht? Lass meine Augen leuchten – denn dies übertrifft alleweil alle Argumente! Ich borge diese Kraft von dir, und ich schwöre, ich geb sie dir zurück – denn ich bin dein Diener, dein Werkzeug, dein Krieger. Wir sind im Austausch, wir haben einen Bund, ich unterschrieb ihn mit Blut und Leben, du mit Feuer und Schicksal, Erde, Wasser und Luft – und Blumen am Wegrand, oder Korallen am Rande meines B.-Wusstseins. Meiner Wah-Nehmung.</p>
<p>Hey, Schildkröte. Es geht ja um dich. Wir sind eins. Dein Panzer, deine Falten, dein Alter, deine Bewegungen, deine Gewissheiten – alles mein Unterrichtsstoff. Du trinkst schwarze Milch grad. Die schwarze Milch der Frühe, und du trinkst und trinkst. Ich stamme von u.a. einem Menschen ab, der etwas Ähnliches mit verursachte. Bitte. Berühr mich mit deiner Flosse. Ich streichle deinen Panzer. Deinen harten Mund. Ich bin du, Mädel, du bist ich. Wir gehören einander. Ich bin als Mensch geboren, du als Schildkröte. Mir geht’s hier um die Gemeinsamkeiten. Deine Pein ist meine – deine Freude auch. Unser Sehnen unterscheidet sich nicht. Führ mich zu den Korallen. Und dort, während wir mit den letzten flüstern, küssen wir einander. Küssen ist immer gut. Ich übertrage dir meinen Intellekt, du mir deine Erfahrungen – die ich nötiger habe als alles andere. Du wirst den Korallen erklären, warum wir Menschen nicht anders konnten bzw. nicht anders taten als wir tun. Ich aber werde zurück zu den Meinigen gehen, und dort die Angelegenheiten deines Volkes vertreten. Mit einem Panzer auf dem Rücken, langsamen Bewegungen, und tiefen Falten am Hals. Die schwarze Milch aber spucken wir aus: bis sie selber drin ersaufen, die Kapitalisten. Was Kapitalisten sind? Hey, Liebe – ich kann es dir nicht erklären. Es sind Zweibeiner, die jeden Kontakt zur Mutter verloren haben&#8230; und die sich mit Zahlen panzern, bis sie sonst nichts mehr kennen. Es ist mein Volk. Zerfressen von Einsamkeit – anders als ich. Verkrebst vor Neid aufeinander – anders als wir. Baut dein Volk auch manchmal Scheiße – irgendeine? Oder ist das Menschendomäne? Danke für deine Flosse. Sie tut so gut. Hier ist meine Hand, Freundin. Schwimm mit mir. Ich bin dein Bruder. Ich komme von der Oberfläche, von den Oberflächlichen. Aber gewinne an Tiefe. Dank dir. Siehst du das Schillern, durch die wabernden Schwaden? Das sind die Korallen. Wir sind jetzt ganz nah. Dies ist für immer.</p>
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		<title>Durchhalten</title>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 20:17:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Wenig erbaulich, was mir der Mai erstmal bescherte: ein verzögertes Projekt, ein abgesagtes Konzert, eine immer noch nicht fertige Platte – und einen Schwall persönlicher Depression, weil der Monat davor auch nicht hübscher geraten war als ein Satz abgenagter Hühnerknochen&#8230; Die schwarze Wolke ist nun, dank guter Freunde, endlich durchbrochen und das Gemüt wieder sonniger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenig erbaulich, was mir der Mai erstmal bescherte: ein verzögertes Projekt, ein abgesagtes Konzert, eine immer noch nicht fertige Platte – und einen Schwall persönlicher Depression, weil der Monat davor auch nicht<a id="more-473"></a> hübscher geraten war als ein Satz abgenagter Hühnerknochen&#8230; Die schwarze Wolke ist nun, dank guter Freunde, endlich durchbrochen und das Gemüt wieder sonniger – auch wenn das Wetter drumherum noch zu wünschen übrig lässt (Aschewolke? Naja, wenigstens war die Ökobilanz des rülpsenden Rumorfreundes Eyjafjallajökull immer noch deutlich besser als die der Stahlvögel gewesen wäre, die seinetwegen am Boden blieben&#8230; und war´s auch nur für ein Weilchen). Wenigstens erinnert sich mein eigener Herzensvulkan wieder seiner Macht und lässt sein Magma steigen&#8230;</p>
<p>Ein Leuchtfeuer zum Monatsausklang: das <a href="http://www.seedcamp.at/festival/musik-performance/">Seedcamp</a>, mein Lieblingsfestival im deutschsprachigen Raum – und diesmal spielen die Singvøgel dort! Wie immer das Wetter werden mag im rau-schönen Waldviertel – wir können ein geiles Konzert versprechen und freuen uns, da in Bestform (und mit etlichen neuen Lieblingsliedern ausgestattet), schon tierisch darauf: Freitag 28. Mai um 22 Uhr in Kautzen!</p>
<p>Noch etwas angeschlagen von plötzlicher Grippe, tanzte ich frohe Runen auf Schloss Limberg bei Graz – und wurde mit einer schönen menschlichen Begegnung sowie einer überaus belebenden internationalen Performance belohnt: Das Leben hat mich wieder.</p>
<p>Alles ist offen und nichts gewiss. Den Fretless Bass schnalle ich mir jetzt höher an den Leib, weil mir Musikalität inzwischen vor Aussehen geht: werde ich alt? Hoffentlich. Keine Lust jedenphalls, mich jugendlicher zu geben, als ich schon früher nicht war.in Zwischendurch auf dem Filmset einer Wiener Produktion herumgehangen: lustige Abwechslung für mich, in einem perfektionistischen Kommerzbetrieb selber für nix verantwortlich zu sein als das einem zugeteilte Röllchen. In eigenen Projekten muss man ja meist den Überblick behalten über alle möglichen Prozesse, ob man die nun durchblickt oder weniger. </p>
<p>Sonst was Neues? Nein: Dem neuen Song folgt der noch neuere, und nach Fertigstellung des ersten Romanmanuskripts beginnt man das zweite. Die Riffs werden geprobt, die Saiten ab und zu gewechselt, der eine Einfall verwirklicht sich leicht und der andere zäher,  das Gras wächst und die Hoffnung ist nicht totzukriegen, die Sonne scheint auch hinter Wolken, Räder rollen, Akkus werden aufgeladen und versorgen Bildschirme mit Leuchtkraft: meiner ist entspiegelt, ich sehe mein Gesicht nicht beim Schreiben, nur die Buchstaben, das ist ganz gut so, klickend gruppiere ich sie zu Wörtern und manchmal Worten, reihe Satz an Satz und lösche Teile und Passagen wieder, bis die Sätze sich fügen und – vielleicht – ein Bild entstehen lassen im Kopf oder, noch besser, im Herzen.</p>
<p>Dafür, dass ich Bass spiele und Gitarre und singe und mixe – sind die Zwischenergebnisse sogar passabel. Für werktags&#8230; und zumindest wenn man das Volume der Anlage aufdreht. Was man ja eh tun sollte.</p>
<p>Was bleibt zu sagen jetzt? Zu guter Letzt noch ein paar krachdienliche Hinweise für die mitlesenden Kontrollroboter: Terror, Bombe, Dschihad, Kinderporno, Raubkopie!
</p>
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		<title>Auf Katzenpfoten</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Apr 2010 23:47:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Paris: Quartier Latin, Metro, Brasserie, Chat Noir, die Seine, Straßensprachfetzen von Spanisch bis Mandarin, und ein wundervoll wurmstichiges Hotelzimmer ohne TV-Apparillo. Die Großstadt der Liebe: Fahrt nicht unverliebt dorthin, sonst verliebt ihr euch in wer weiß was oder wen. Nicht die Schuld der Franzosen, dass ein gutes Essen für mich nicht dadurch besser wird, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Paris: Quartier Latin, Metro, Brasserie, Chat Noir, die Seine, Straßensprachfetzen von Spanisch bis Mandarin, und ein wundervoll wurmstichiges Hotelzimmer ohne TV-Apparillo. Die Großstadt der Liebe: Fahrt nicht unverliebt dorthin, sonst verliebt ihr euch <a id="more-472"></a>in wer weiß was oder wen. Nicht die Schuld der Franzosen, dass ein gutes Essen für mich nicht dadurch besser wird, dass man es sahnig unterbuttert, mit drei Sorten Käse gratiniert und dann noch, besonders gut gemeint, ein Spiegelei drüberklatscht: Geschmackssache. Grande Nation ist das trotzdem (nur die Cuisine wird überschätzt:-). Europa - das alte - bläst, glänzt, schimmelt und erinnert aus allen Ecken. Ich war in keinem Museum: Die Gassen allein schon kulturelle Augenweide genug (als Deutscher bin ich da unverwöhnt). Irgendjemand in Paris trägt ein gestreiftes Jersey-Mützchen, das man nirgends zu kaufen kriegt (vielleicht in Asien?). </p>
<p>Ortswechsel: Musikmesse Frankfurt, Tage davor. Jene kleine deutsche Band, die ich letztes Jahr noch sympathisch fand, hat inzwischen ihren Manager - nachdem er Tausende Euro in ihr kleines Scheißprojekt steckte - einfach sitzengelassen: junge Leute halt. Vielleicht sollte so ein Manager lieber die Singvøgel managen. Ich sagte ihm das aus den Augenwinkeln, während wir uns über Krankenhausoperationen und Biersorten unterhielten. Augenblicke zwischen Menschen sind wichtiger als Krankensorten oder Bierhäuser. Auf einer sterbenden Messe des hybridsiechen Kapitalismus umso mehr. Die Singvøgel sind eine ältere Band. Ich zum Beispiel bin 51. Mein Mitsingrefrain lautet: &#8220;Wir überleben den Untergang.&#8221; Erfahrungssache. <img src='http://www.eibensang.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  Heute habe ich externe Peripheriegeräte an meine Aufnahmekonsole anschließen gelernt, und schon klingt alles besser (wenngleich nicht, wie der Laie oft meint, &#8220;auf Knopfdruck&#8221;: Da ist schon einige Arbeit erforderlich - die mir keiner beibringt. Aber wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, dann muss sich der Prophet halt einen schaufeln. Und dafür das Hantieren mit dem Spaten lernen. Oder so ähnlich).</p>
<p>Ein Künstler ist jemand, der sein Zeug auch dann macht, wenn es ihm bei Todesdrohung verboten wird. Manchmal besteht die Gefahr nur aus dräuenden Rechnungen oder, schlimmstenfalls, wohlmeinenden Freunden. Es sind dieselben, die gerne auch Kunstwerke bewundern. Zum Beispiel solche wie die eines van Gogh, der sich ein Ohr absäbelte aus Verzweiflung darüber, seine Gemälde zu eigenen Lebzeiten nichtmal zum Kilopreis vertickt zu bekommen. Haltet mich, Freunde, bitte am Boden fest, wenn ich demnächst Erfolg habe: Mich beflügeln bereits Winzigkeiten. Zum Beispiel ein Auftritt auf meinem Lieblingsfestival: Seedcamp Austria 2010. Ich bin Gegenwind gewohnt, Flaute in den Gemütern gegenüber und Kälte in den Knochen. Ich bin einer, der Kerzen anzündet mitten in Niflhel; einer, der Schlachtfelder aufsucht um Flugblätter gegen Waffenhandel zu verteilen; oder - zum Musikbusiness vielleicht passender - wie jemand, der Liebesbriefe verfasst und vorliest im Bordell. </p>
<p>Wisst ihr wirklich nicht, warum man so etwas tut? Ich habe es immer getan, kann nichts anderes tun. Tat es lautstark lange, aber seit Lautstärke selbst für Schlager obligatorisch wurde, schleiche ich meine Angriffe auf Katzenpfoten. Mögen die Köter kläffen: Ich raune, miaue, heule. Du triffst mich auf den Dächern der Stadt: direkt unter dem Mond. Eure Wirtschaftskrise interessiert mich nicht: Mir ging es immer schlecht, ökonomisch. Ihr nähert euch gerade meinem Niveau an, Angsthasen. Wenn ihr mal aufhört, eure illusionären &#8220;Sicherheiten&#8221; zu umklammern, könnten wir eine leiwande Party feiern. Die (mindestens) halbe Welt macht euch längst vor, wie das geht. Warum sind ausgerechnet die Privilegiertesten auf Mama Globus derart unglücklich, als hätten alle guten Geister sie verlassen? Hört auf mit dem Wahnsinn: Das Geld kann man eh nicht fressen. Und wenn man´s doch tut, wird man wie Josef Ackermann. Den mögt ihr doch nicht. Oder doch? Heimlich doch? Hey Leute: NEIDET ihr nur? Ihr Idioten!</p>
<p>Hey Joe: Gib mir ALL dein Geld, all deinen Einfluss, deine MACHT. Ich wäge das ab. Sorry: Es wiegt nicht einen einzigen Mix von mir auf. Und schon gar keinen Liebesbrief. Ich tausche nicht! No Deal! Sing mir was vor, Joe. Sing den <a href="http://www.eibensang.de/index.php/schwanenritter/">Schwanenritter</a>, oder <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/es-war-einmal/">Es war einmal</a>. Oder wenigstens &#8220;Weiße Rosen aus Athen&#8221; (oder weiß der Pleitegeier, auf was fürn Schmonz DU stehst - falls du dazu überhaupt in der Lage bist, Effizienzboy!). SING! Sing mir das Lied von der Wall Street. Ich rechne dir den Erfolg vor: den Erfolg der Singvøgel. Wir singen für berstende Herzen, und mit ihnen. Wir singen für blutende Fäuste, die - noch - in leeren Taschen stecken. Sie werden dort nicht bleiben. Nichts hält ewig, weißt du. Meine Börse sind die Lagerfeuer dieses Landes - und dort brodelt es allmählich. Wir trinken da. Für welche deiner Bilanzen hat je ein Meister einen Met gebrannt? Wer liebt dich, wer schätzt dich wirklich, wer fängt dich, wenn du strauchelst? Hast du überhaupt Freunde, Joe? Nicht mein Problem! No deal, boy. Ich habe einen anständigen Beruf. Du nicht. </p>
<p>Zeitwechsel. Im Mittelalter konnte man sich nicht vorstellen, ohne Gott zu leben. Heute nennt man dieses Zeitalter ein &#8220;finsteres&#8221;. Heute ist es normal, dass Konzerne Flüsse und Hirne vergiften, und das erbärmliche Scheitern der Klimakonferenz von Kopenhagen ist ebensowenig verwunderlich wie das Morden in Afghanistan oder im (medial weniger attraktiven) Kongo. &#8220;Geld regiert die Welt&#8221; findet man heute, und es ist ganz unvorstellbar, dass die Welt auch ganz anders sein könnte. Obwohl sie das immer wieder war, und sein wird. Die wirklichen Veränderungen kommen nicht so lautstark, wie sie nachher in den Geschichtsbüchern stehen oder von Hollywood nacherfunden werden. Es sind die vielen unbekannten Leute, die die wirklichen Veränderungen bewirken. Die vielen Leute, die die Welt ändern wollen, und die sie ändern. Sie haben keine Presse, keine Hofberichtserstatter, keine Lobby. Aber sie ändern. Alles. Sie werden immer verraten, und sind doch unaufhaltbar, denn sie sind die Mehrheit. Oder war es irgendein Imperator, ein Kaiser oder Heerführer, oder gar Bankier, der uns von den Sklavenfesseln der Antike befreite? Ich wüsste doch nicht. Du warst das, du und ich waren das. Unsere Vorfahren, Nachfahren, und Zeitgenossen: wir Unbekannten. Du und ich. With a little help from our friends. Und es ist Zeit, wieder mal!</p>
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		<title>Blut, Schweiß und Tränen</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 23:34:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Als Märzgeborener bin ich – wie man in Österreich sagt – ein &#8220;Gatsch-Kind&#8221;: Schlammwühlerchen auf gut deutsch, Matschpatscherle. Da ist was dran: Die schattenlos ausgeleuchteten Zimmer meiner Kindheit waren derart antiseptisch saubergeschrubbt, dass Schmutz beinahe jeder Art schon früh eine verheißungsvolle, ja geradezu heilsbringerische Wirkung für mich bekam. Nachdem ich mir meine Kinderfinger alltäglich 10 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Märzgeborener bin ich – wie man in Österreich sagt – ein &#8220;Gatsch-Kind&#8221;: Schlammwühlerchen auf gut deutsch, Matschpatscherle. Da ist was dran: Die schattenlos ausgeleuchteten Zimmer meiner Kindheit waren derart antiseptisch saubergeschrubbt, dass Schmutz beinahe jeder Art schon früh eine verheißungsvolle, ja geradezu heilsbringerische Wirkung für mich bekam. Nachdem ich<a id="more-464"></a> mir meine Kinderfinger alltäglich 10 vor 12 zu waschen hatte – denn um 12 gab´s Mittagessen: nicht fünf vor oder zwei nach, sondern Punkt! – geriet es für mich geradezu zur prä-initiatorischen Erfahrung, festzustellen, dass die bösen Bakterien mich durchaus nicht umbrachten, wenn ich sie mal nicht so akribisch abwusch wie mein Clean Boss, meine Mama, immer anmahnte. Und nachdem ich mir als werdender Erwachsener viel zu viele einsame Male heimlich das eigene Sperma von den Schmierfingern geschleckt hatte, tauchte ich, sobald es ging, mich umso tiefer ein in das Mondblut der Frauen, die mich nah genug an sich heranließen. Gemessen an heutigen Prüderien, darf man den Ausklang meiner Jugend ja schon als regelrecht orgiastisch bezeichnen&#8230; Heilig waren mir diese &#8220;Körpersäfte&#8221; jedenfalls schon Jahrzehnte bevor ich die merkwürdigen Paarungsregeln und -Tabus meiner Kulturhemisphäre auch nur mit dem Verstand einigermaßen nachvollzog. Mit dem Gefühl ist mir das eh nie gelungen: Euer moralischer Verachtungskanon, werte Geschlechtskollegen &#038; Dulderinnen, ist mir bis heute fremd geblieben. Und so wird es bleiben, so lange ich atme, weine, lache und spritze. Und werte! Auf meine eigene, dem Außenseiter gemäße Art.</p>
<p>Blut, Schweiß und Tränen – das Trio muss kein militärisches sein. Jeder gute Popsong hat es inne, beim Machen zumindest – und aus den Augen kann es auch rinnen vor Lachen. Ich bin ein Gatsch-Kind, ein Fahnenträger der Leidenschaft. Ich habe mehr Empathie als Moneten, und manchmal bringt mich das halb um. Aber ich stelle mir immer vor, dass die Großen – wie ich die Götter nenne – letztlich von unseren Gefühlen leben: sich von ihnen ernähren. Ich will ihnen ein guter Diener sein. Das Schicksal schert sich nicht um unsere Gefühle? Ich glaube, ohne sie gäbe es – hätten wir – gar keins. Beweist mir das Gegenteil!</p>
<p>Ich saß kürzlich bei Wissenschaftlern zu Gast, aß ihr Brot, trank ihren Wein. Wir sprachen über die Dunkle Materie, Dunkle Energie – und, etwas weniger ergiebig, über Kobolde auch. Es gelang mir nicht, die notwendigen Brücken zu schlagen: von der Welt der Rationalität hinüber zu jener der Magie – nichtmal im Gespräch. Unter Heiden geht mir das oft auch so: aus umgekehrter Richtung, aber mit vergleichbarer Ergebnislosigkeit. Und so nippe ich an meinem Glas oder Horn und spüre: Es ist alles nur eitel – niemand will die Enge des eigenen Horizonts aufgebrochen kriegen&#8230; Es könnte ja Sonne hineinstrahlen. Von der wir alle leben, unter der wir alle sind, und einzig sind – in jeder Bedeutung des Satzes. </p>
<p>Ich habe es anders gemacht. Ich ließ – obzwar nur zögernd anfangs und mit Rückfällen, aber doch – Sonne in meine enge Welt. Mehrere Frauen, manches Jahr und etliche Peinlichkeiten waren nötig – aber am Ende drehte ich mich: ohne an Identität zu verlieren. As Mother Earth does! Denn sie dreht sich noch. Ich wasche mich, ich dusche mich, und putze mir sogar die halbwracken Zähne. Ich nicht nur geborenes, sondern auch gelerntes Gatsch-Kind. Und so erfuhr ich diesen schmalen, aber tiefen Grat zwischen Können und Müssen: auf der einen Seite liegen die Wiesen der – zugegeben gefahrvollen – Freiheit. Auf der andern nur die bequemen, aber ausweglosen Abgründe jeglicher Sucht. Zwangsverhalten ist, wenn du gegen deinen eigenen Willen etwas tust oder unterlässt. Von jemandem anderen zu etwas gezwungen zu werden, ist die einfachere Variante davon. Denn sie hat einen Gegner, der außen verortbar ist.</p>
<p>Der eigene Wille ist, wie auch ich meine, eine interessante – womöglich sogar intelligente – Illusion. So hänge ich meinen an die Träume, den allnächtlichen Sumpf oder – Gatsch.  Zutiefst überzeugt bin ich davon, dass ich dieserart jeden Morgen neu geboren werde. Auch wenn ich mich der Träume nicht immer erinnere – sie bestimmen mein Handeln, meine Entscheidungen. Solange ich mich daran – wenigstens – zu erinnern verstehe, dass meine Ängste lauter Müll, meine Pläne eitler Blödsinn, meine Freunde aber wirkliche Menschen sind. Schreiend werden wir geboren, im Matsch wühlen wir, und was immer wir daraus erschaffen: Der Krokus, der die Schneedecke bricht und den Frühling kündet – der ist nicht unser Werk. Den dürfen wir bewundern – uneingeschränkt. Denn seiner Welt sind wir geboren. Dem Blühen und Gedeihen. Wir dürfen dran teilhaben. Wenn wir uns gut betragen: als Gäste. Wenn wir einander erkennen: dann sogar als Hüter. Doch das bedarf der Liebe. Sie kommt nicht von oben. Wir selbst stellen sie her. Wenn wir es nicht tun – nobody does. Meine Götter lieben nicht. Sie erwarten von uns, dass wir das tun für sie. Aber wer könnte ihrer Schöpfung widerstehen? Ist sie nicht liebenswert? Wir müssen das lernen, Leute. Es ist unsere einzige Hoffnung. Und unser aller Rettung. </p>
<p>Als ich geboren wurde, lag noch Schnee. Aber er hatte seine große Zeit hinter sich. Auch Großdeutschland war geschmolzen. Es war März, und der Kalte Krieg brach an. Das Wirtschaftswunder vergiftete die Flüsse und sorgte für ein geregeltes Leben, Freizeit brach aus. Es war nur Schlamm. Ich bin ein Gatsch-Kind, und will immer noch etwas erschaffen.</p>
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		<title>Albumschreibemonat</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 15:44:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Der kürzliche Tod meines Vaters und die begonnene Demenz meiner Mutter ließen mir den Alltag mit tausend Kleinigkeiten überschwemmen, die mir das Gemüt belasteten – da kam FAWM gerade recht. February album writing month: Wer es schafft, in den 28 Tagen und Nächten dieses kurzen Monats mindestens 14 Songs zu schreiben, hat gewonnen. Bei FAWM [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der kürzliche Tod meines Vaters und die begonnene Demenz meiner Mutter ließen mir den Alltag mit tausend Kleinigkeiten überschwemmen, die mir das Gemüt belasteten – da kam <a href="http://www.fawm.org">FAWM</a> gerade recht. February album writing month: Wer es schafft, in den 28 Tagen und Nächten dieses kurzen Monats mindestens 14 Songs zu schreiben, hat gewonnen. Bei FAWM gibt es<a id="more-450"></a> viele Gewinner: Tausende. Ich gehöre jetzt zu ihnen. </p>
<p>Wie die meisten Neulinge, brauchte ich eine Weile, bis ich begriff, was da passiert. Es kommt nicht so auf handwerkliche Finessen an – auf die Aufnahmequalität schon gar nicht. Es geht um den Prozess des Entstehens – und den Austausch darüber. &#8220;You can´t wait for inspiration&#8221; sagen die FAWMER – und lehrten mich, knappe Minuten zu nutzen zwischen Tau und Tag oder Gestresstsein und Mondschein. Dass ich zur selben Zeit auch noch das Rechnersystem wechseln musste – neben meinem Dauerpendeln zwischen Wien und D´land – empfand ich da fast schon als ironisches Augenzwinkern freundlicher Götter.</p>
<p>Ich besuchte unglaubliche Wohnzimmer&#8230; war Ehrengast fremder Bräuche und exotischer Riten, lauschte den merkwürdigsten Geschichten nie gekannter (oder vordem höchstens als Klischee missverstandener) Milieus: nah und fern, all over Mama Globus. Rapper und Klavierspieler, Chanteusen und Hardrocker, Wildlinge und Bügelfaltenmucker, Perlenbringer und Ideenbeschwörerinnen: FAWM zeigte mir, was Internet sein kann. Es ist, als hätte man ein Lebtag lang nur hübsche, aber gleichförmige Models auf dem Laufsteg beobachtet – und plötzlich gerät man in eine echte Kneipe voller Volk: wirklicher und unverwechselbarer Menschen, mit ihren Macken, Eigenheiten, Liebenswürdigkeiten. Und gerade da fiel mir dann auf, wie viel wir – bei all diesen unüberhörbaren Unterschieden – gemeinsam haben. Und was da in uns pulst: jeder und jedem auf ureigenste Art und Weise. </p>
<p>Und ich sag euch was: Ihr glaubt gar nicht, wie schön die Welt sein kann – außerhalb des täglichen Wettbewerbs. Ohne diesen Druck, andere übertrumpfen zu müssen oder von jemand übervorteilt zu werden: da beginnt sie erst, die Lebensqualität. Da hört man plötzlich ganz anders hin. Oder sogar: zu.</p>
<p>Als der Februar vorüber war, hielt ich mein eigenes offenes Herz in der Hand. Erst nach eine Weile wurde mir klar, dass das noch ein Sonderpreis war. Ein ganz hoch dotierter Bonus. Solange FAWM noch online ist, gehe ich auf Streifzug. Und ich komme wieder.</p>
<p>Hier sind meine 14 <a href="http://fawm.org/fawmers/dukemeyer/">Lieder</a>. Und hier auch, und - natürlich - noch ein <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/category/weblog/">paar mehr</a>.<br />
_________</p>
<p>-> <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/tag/fawm2010/">alle Beiträge zum FAWM 2010</a></p>
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		<title>Zur Zeit</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jan 2010 16:01:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Die letzten Nächte zwischen den Jahren – Auszeit für mich, da zwischen dem zeremoniellen Einläuten der Wintersonnenwende und dem Abklingen dieses mir mindestens 12nächtigen Rituals keine &#8220;Zeit vergeht&#8221;. Wahrscheinlich &#8220;vergeht&#8221; sie auch sonst nicht – man vergisst sie bloß, weil man ständig mit irgendwas Scheißwichtigem (und manchmal auch nur Scheiß) beschäftigt ist: derart, dass einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die letzten Nächte zwischen den Jahren – Auszeit für mich, da zwischen dem zeremoniellen Einläuten der Wintersonnenwende und dem Abklingen dieses mir mindestens 12nächtigen Rituals keine &#8220;Zeit vergeht&#8221;. Wahrscheinlich &#8220;vergeht&#8221; sie auch sonst nicht <a id="more-449"></a>– man vergisst sie bloß, weil man ständig mit irgendwas Scheißwichtigem (und manchmal auch nur Scheiß) beschäftigt ist: derart, dass einen mindestens die Uhr überrascht oder gar piesackt. </p>
<p>Das komprimierte – und nach Idealvorgabe pausenlose – Auffüllen serieller Zeiteinheiten mit quantitativen Großtaten der Alltagsroutine heißt in Großspur-Deutschland &#8220;Effizienz&#8221; und in einem kleineren, ebenfalls fast deutschsprachigen Land südlich davon &#8220;G&#8217;schaftlhuberei&#8221;. Der gut zementierte Glaube an ihre jeweilige Sinnhaftig- oder wenigstens Ausweglosigkeit – unerbittlich bewacht von omnipräsenten &#8220;Umständen&#8221; (Abbildung fehlt, sie sind aber eh austauschbar) – versorgt zumindest Leib- und Seelenklempner aller Art mit ausreichender Kundschaft und füllt das gesellschaftliche Leben mit Begriffsphänomenen wie &#8220;Arbeit&#8221; (wer keine hat, macht sich welche), &#8220;Urlaub&#8221; (wer sich dabei ernstlich erholt, ist wahrscheinlich kein guter Konsument), &#8220;Freizeit&#8221; (älteres Wort für &#8220;Job Standby&#8221;) und (weil früher alles besser war, vor allem für die ganze Familie) &#8220;Mittelaltermarkt&#8221;.</p>
<p>Die Neujahrsnacht war neblig in Wien; in trautem Kreis auf einer Donaubrücke herumhüpfend hörte ich vom Feuerwerk mehr als man sah. Als ungewöhnlich hell empfand ich die Rauhnächte heuer – vielleicht lag´s daran, dass wir Schnee zu Yule hatten, oben in Deutschland: und sich der mittlerweile ungewohnte Anblick weiß bepuderter Landschaftsstille seither in meinem Gemüt spiegelte&#8230; denn das Tageslicht trübt sich ja nichtsdestotrotz bereits frühnachmittags derart ein, dass man meint, die Sonne sei inzwischen auch nur noch eine dieser unlustigen Energiesparlampen. </p>
<p>Jetzt ist also 2010: das Jahr, von dem die Erwachsenen, als ich noch klein war, spekulativen Ernstes dachten, wir würden es womöglich unter urbanen Käseglocken auf dem Mond verbringen. Trotz solchen Expansionsplänen misstraute man damals der Zukunft: Viele  fürchteten einen lückenlos überwachten Alltag im freudlosen Dienst elektronischer Gerätschaften – in den 60er Jahren konnte sich halt kaum jemand vorstellen, wie schön das ist, und wie bunt es blinkt. Auch ich wollte Raumfahrer werden.</p>
<p>Stattdessen wurde ich Zeitreisender. Ich besuchte die jüngere und die ältere Steinzeit (die mich beide sehr nachdenklich machten), das mittlere Mesozoikum und, da ich dort nicht bleiben konnte (allein unter den Sauriern des Jura), die merkwürdigsten zeitgenössischen Menschengemüter. Ich stellte fest, dass in einem jeden Gehirn die Zukunft ungefähr die gleiche Funktion und Wirkung hat wie die berühmte Fata Morgana in der Wüste – während die Vergangenheit weitgehend vernebelt wird von unseren Ansichten darüber. Gemeinhin unterschätzt: die Gegenwart. Vornehmliches Fliehen aus derselben überlässt die Macht und Vielfalt ihrer Möglichkeiten den Phantasieloseren.</p>
<p>Zuletzt ein Wort aus Kindermund: &#8220;Wie sind die Leute eigentlich ins Internet gekommen, als es noch keine Computer gab?&#8221;</p>
<p>Naja: Wir haben uns hingelegt, die Augen geschlossen, und einer musste die ganze Zeit über trommeln wie nicht gescheit. War etwas mühsam, aber ging schon auch. Wir hatten ja sonst nix.
</p>
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		<title>Zum Mauerfall</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[2012 geht die Welt unter. Aber nicht meine. Ich bin weder Maya noch Emmerich. Ich trage einen neuen Armreif, den schenkte mir eine Freundin meiner Frau zur Hochzeit. Meine Gitarre und mein Netbook sind repariert. Ich habe einen kleinen Job in Wien und unstillbar große Träume. Ende November singe ich im Knast Stuttgart-Stammheim. Leider noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>2012 geht die Welt unter. Aber nicht meine. Ich bin weder Maya noch Emmerich. Ich trage einen neuen Armreif, den schenkte mir eine Freundin meiner Frau zur Hochzeit. Meine Gitarre und mein Netbook sind repariert. Ich habe einen kleinen Job in Wien und unstillbar große Träume. Ende November singe ich im Knast Stuttgart-Stammheim. Leider noch nicht <a id="more-447"></a>das schöne neue Lied <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/schwanenritter/">Schwanenritter</a>: Das ist erst in Arbeit. Meine Liebe lebt. Mein Vater ist tot. Ich schrieb ihm einen Nachruf: für meine wirklichen Schwestern und Brüder. Ich bin ein glücklicher Mann. Aber die Wut brennt, und das Herz. Viele Freunde sind fern grad, aber ich spüre sie. Mein Roman – der erste Abschnitt – ist fast fertig: vom Manuskript her. Viele Erinnerungen habe ich – aber sie quälen gerade nicht. Meine Mutter ist eine Greisin, die großen Götter wollen es ihr leichter machen: Sie nehmen ihr das Gedächtnis, damit sie nicht so schwer zu tragen hat auf ihre alten Tage.</p>
<p>Ich mache Aufnahmen im Tonstudio – und nutzte heute die Gelegenheit, einen alten Dämon zu entlarven: jenen, der mir immer einflüsterte, meine Bemühungen seien – ganz egal, was ich anstelle und wie – grundsätzlich barbarisch, hoffnungslos, lächerlich. Welch erbärmlicher Lügner! Ich entmachte ihn: im Namen meines verstorbenen Vaters, meines neuen Ahns. Denn ich bin mit mehr Liebe, Talenten und wilden Blumen gesegnet als alle meine Vorfahren: Von allem bekomme ich das Beste. Endlich erkenne ich das! Nur meine Phantasie setzt den Rahmen: Braucht die welche? Ha! Ich führe die Ahnenreihe jetzt, ich habe den Kurs geändert, was nötig war im Namen derer, die ein Grab in den Lüften bekamen, da lag man nicht eng&#8230; Ich wurzele in den <em>Voids</em>, den Löchern und Abgründen, die ihre großdeutschen Mörder mir als kleindeutsche Heimat hinterließen, die dadurch keine mehr war: weshalb ich unablässig von ihr träume. Es geht nicht um klein oder groß. Es geht um Courage. Es tut mir weh, kein deutsches Wort dafür zu haben. Es geht auch um Stolz. Keinen deutschen Grund dafür zu finden, hinterlässt Sehnsucht. Ich zaubere in der einzigen Sprache, in der ich singen kann. Und sie ist schöner, als ihr denkt.</p>
<p>Es ist nie zu spät, eine gute Kindheit gehabt zu haben: Erinnerungen sind wankelmütiger oder jedenfalls trügerischer (gewertet!) als man meint. Wir Menschen sind Wahrnehmer. Unser Verstand taugt nicht zur Welterkenntnis, sondern nur zum Kofferpacken: zum profanen Überleben haben wir ihn geerbt – allein dazu ist er nützlich. Wenn wir (darüberhinaus etwas) erkennen wollen, müssen wir andere Sinne bemühen. Schaut ins All, Leute. Nachts über den Dörfern ist der Himmel schwarz. Die zahllosen Lichtpunkte aber, die das wolkenlose Firmament zu einem Erlebnis machen, sind ein Blick in die Vergangenheit des Universums. Die Gegenwart ist exklusiv: Nur auf Midgard vergeht Zeit, nur hier ist sie uns gegeben – und immer genau jetzt. Es gibt keine Grenzen außer denen im Kopf. Die mögen dramatisch sein: Wir haben sie uns selber hochgezogen oder hochziehen lassen&#8230; beim Aufwachsen. Aber es gibt keine Macht in dieser Welt, die uns zwingt, auf ewig diese eigenen verdammten Mauern anzubeten und an ihnen herumzuklagen. Noch während wir jammernd im Staub knien, wächst oben auf dem Sims eine wilde Blume. Wie lange willst du die noch übersehen? Das Leben ist kurz.</p>
<p>Pflück die Blume, und die Mauer fällt ein. Beides sind Illusionen, aber nur die erste ist nützlich - denn sie entmachtet die zweite. Das Ergebnis ist Befreiung, und das ist der Sinn von Kunst. Allein daran lässt sie sich messen. Hier stehe ich mit leeren Händen: machtvoll wie nie zuvor. Mein Kopf ist das Werkzeug des Herzens – und dies ist das Werkzeug von Göttern. Es ist nichts Besonderes: Jede und jeder kann das. Aber es ist wichtig. Ich nehme eine Gitarre, oder einen Stift oder ein Netbook oder alles zusammen: immer mit Mikro- oder Megafon, klar. Andere nehmen das Ihre: Äxte oder Verbandsmull oder Hubschrauber oder was weiß ich.<br />
Mit der Mauer fallen die Blumen. Das Feld ist freier, als man dachte. Du hast die entsetzliche Freiheit, Blumen zu säen oder Steine zu türmen. Beides neu – oder auch beides derselbe alte Scheiß wie zuvor. Was tust du? Es gibt eine schlechte und eine gute Nachricht – ironischerweise sind sie identisch. Wir sind verantwortlich dafür, was wir säen und bauen. Ich reiße jetzt meine Mauern ein. Im Namen des Windes. Und all der Blumen.<br />
Hört meine Lieder. Wir sind die Tropfen aus dem Meer. Wir fallen von den Wolkenrändern. Du Wirklichkeit – ja da schau her: Ich bin gekommen, dich zu ändern.
</p>
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		<title>Unterwegs</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 13:46:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[&#8230;gewesen, länger und auch a bisserl anders als gedacht - aber hab ich gedacht? Nein, geschrieben: Geschichten von Riesen und geflügelten Echsen, seltsamen Tieren und noch seltsameren Frauen - Riesinnen natürlich - naja, vielleicht wird´s ja wirklich ein Roman, die inzwischen doch recht üppig eingetippte Phantasie. Ein Campingplatz-Nachbar hielt es schon für einen, als er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;gewesen, länger und auch a bisserl anders als gedacht - aber hab ich gedacht? Nein, geschrieben: Geschichten von Riesen und geflügelten Echsen, seltsamen Tieren und noch <a id="more-445"></a>seltsameren Frauen - Riesinnen natürlich - naja, vielleicht wird´s ja wirklich ein Roman, die inzwischen doch recht üppig eingetippte Phantasie. Ein Campingplatz-Nachbar hielt es schon für einen, als er belauschte, wie ich Freunden vorlas: aus dem frischen Manuskript. Der wollt´ das Buch gleich kaufen, das noch gar keins ist - und da nicht jugendfrei, ist offen, ob´s je mal ein Verlag&#8230; Doch bleiben wir beim Hier und Jetzt, genauer: dort und gestern.</p>
<p>Im Elsass kurvten wir einher, mit reich beschenkten Augen. Liebliche Landschaft und Kultur - mit Ausnahme des Essens: für mich zu fad, zu sahnig und&#8230; fast schon zum Lachen teuer.<br />
Aber ein Traum von Gegend!</p>
<p>Dann Schnitzel in der Steiermark &#8230; und kuschelige Betten.</p>
<p>Später ging´s hoch: die Pfade schmal, so 40 Prozent Steigung. Der Gardasee sieht prächtig aus, wenn man die Strände meidet. Wir sahen´s von oben: berghüttenhoch. Wo wir für Tage blieben. Gleich in der lauen Ankunftsnacht ein langes Wetterleuchten: das Panorama hell stroboskopiert von stummen Himmelsblitzen - kein Donnergrollen, nur das Licht. Wir tranken Bardolino. Und soffen ab am andern Tag: trunken schon von der Schönheit - die Berge groß, der See türkis, die Luft ganztägig warm bis in die Nacht. Pikante Wurst, steinharter Käse, dürres Brot - ein Traum für meinen Gaumen. Nicht viel am Leib, und nicht viel vor. Ich tippte, liebte, spielte. Wir lachten, tranken, aalten uns und zählten nicht die Stunden dahingleitender Muße. Berghütte überm Gardasee: bevölkert von vier Menschen nur. Und vor uns grasten Esel: die Mutter und ihr Töchterlein, das erst nicht fressen wollte.</p>
<p>Man möchte länger bleiben. Man möchte überhaupt, dass Zeit nur noch vergeht, doch ohne Folgen. Man mag nicht wissen, welcher Wochentag es ist und achtet nur die größte Uhr: den heißen Ball am Himmel. Man kriecht dem Schatten nach und liest, und lässt das Leben pullern. Man lacht: einander zu, und an, und auch mal aus - ganz albern. Man spricht, doch das Gespräch ist luftig wie die Perlen im Prosecco: Es tanzt dahin, steigt auf, geht ab, und braucht nicht viel Bedeutung. Erfrischt, regt an - und ist dann fort. So räkeln sich die Glieder. Nennt man das Urlaub? Kann schon sein. Ich tät´ es sogar wieder <img src='http://www.eibensang.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Wild Marmalade! Um Mitternacht! Lehrten uns Handmade Techno! Zwei Leute nur: Didgeridoo und Drums. Drei Stunden tanzten Massen. In Kautzen, wo der Regen matscht: Österreich, nah an Tschechien. Ein Festival. Entspanntes Volk. Zeltstädte: enges Camping. Doch Sonne auch. Musikdurchpulste Tage. Nachts schon sehr kalt dort: Waldviertel. Sonst alles wie in Woodstock. Und Met in Strömen: Schwesterlein verliebt in Deutschlands besten Brauer. Der lässt sie blühen. Wünsch´ Euch Glück! Ich aß Samosas, satt und froh, mit grüner Chilisauce (scharf! Wie sich´s gehört!) - und fror nachts nicht: geschmiegt an die, mit der ich träumen darf, und sein, und allzeit froh erwachen. </p>
<p>Dazwischen war noch was&#8230; ach ja: ein See - ein anderer, kleiner. Ein Restaurant, ein Camping-Strand, und schon &#8230; ein komisches Geräusch bei Nacht: ist da ein Käfer abgeglitten, an der Zeltwand außen lang? Nein, Herbstblatt war´s: Die Bäume werfen schon&#8230; Zu früh sinkt jetzt die Sonne. Man möcht´ ihn halten: Sommer, bleib! Und kann doch selbst nicht bleiben. Badet nochmal: im Tag, im See&#8230; im tiefen Trank der Liebe. Die wogt. Doch alles andere geht. Man packt. Und denkt an später.</p>
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		<title>Schwein gehabt&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jul 2009 12:58:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[&#8230;und gegrillt. Grillen lassen: In meinem Alter macht man nicht mehr jeden Scheiß selber, schon gar nicht, wenn man noch Besseres zu tun hat. Ich krönte die Königin. Ich hatte keine Band bestellt, bekam trotzdem eine, baute ein gallisches Dorf (nur das Schlußbild aus Asterix), kaute Chilischoten ohne Beilage, versteckte einen Negerkuss in einem Teebeutelpappschächtelchen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;und gegrillt. Grillen lassen: In meinem Alter macht man nicht mehr jeden Scheiß selber, schon gar nicht, wenn man noch <a id="more-443"></a>Besseres zu tun hat. Ich krönte die Königin. Ich hatte keine Band bestellt, bekam trotzdem eine, baute ein gallisches Dorf (nur das Schlußbild aus Asterix), kaute Chilischoten ohne Beilage, versteckte einen Negerkuss in einem Teebeutelpappschächtelchen, ließ mir von Schwertern den Weg versperren, rammte meins in den Boden und stellte einem ehrenwerten Mann aus der Steiermark eine ehrliche Frage. Sein Nein hätte mich nicht aufgehalten, aber er sagte ja. Was die insgesamt doch komplexe Angelegenheit angenehm vereinfachte: Schwein gehabt&#8230;</p>
<p>Das immerhin hab ich endlich gelernt: Man darf sich nicht aufhalten lassen - von gar nichts in dieser ebenso schönen und wundersamen wie garstigen und gefährlichen Welt. Wenn man dazugehören will. Hier aber endet der Freie Wille, sofern er nicht eh nur praktischer Mythos ist. Denn die Frage ist nicht, ob man dazugehören will. Wir gehören alle. Dazu. Man will, man muss es nur - im Zweifelsfall - bestätigt bekommen. Darüber wurden schon Kriege gefochten, auch von mir. Diesmal reichte Symbolik. Akzeptanz war mir sicher, in tiefer Dankbarkeit nahm ich sie an. Ich weiß, wovon ich rede. Denn ich begann als Paria, als Unberührter, der sich darob für unberührbar, aussätzig hielt für zu lange. Vor ungefähr 37 Jahren. Drei meiner 37 auffallendsten Gesichtsfalten rühren daher. Aber wisst ihr, was das für ein Gefühl ist, eine solche Fresse geküsst zu bekommen? Mich küsste die Königin.</p>
<p>Eine traditionelle Hexe, Wicca sogar, schnitt mir in die Haut bis Blut tropfte. Außer meiner greisen Mama hat das niemanden erschreckt. Zum ersten Mal in meinem Leben zapfte ich Bier. Ich kostete auch vom Schwein, doch das Steirische Buffet mundete mir mehr. Ich wurde beschenkt, als ob ich´s verdient hätte, und noch darüber hinaus. Ich ließ mich übern grünen Glücksklee loben von meiner wunderbaren Wahlschwester - und von mächtigen Frauen warnend belehren: Beides fand ich angebracht. </p>
<p>Denn ich bin ja ein Mann. Was immer uns trennt, Jungs - eins haben wir gemein: Uns fehlt die Initiation. Ich hatte zwar eine. Aber die war nur symbolisch. Wenn auch begründet. Dennoch gilt für uns heutige Männer alle: Wir laufen Gefahr, als purbertierte Unreife (nur biologisch erwachsen Gewordene) den Rest des (heute doch so langen) Lebens vor uns hin zu altern - mit beträchtlichen Folgen für unsere Lieben, Familien, Sippen, Stämme, Völker - die Menschheit. Warum geht´s der so schlecht? Wir Männer wissen oft nicht, wo unser Platz ist - von der Aufgabe (nicht Resignation, sondern göttlichem Auftrag) ganz zu träumen. So werden wir Kleingeister, Rechthaber, hobbyfixierte Kniefiesler oder sonstwie Frustrierte - im traurigsten Fall dick und schlapp, im schlechtesten Amokläufer und/oder Selbstmörder oder gar Investmentbanker.</p>
<p>Aber wir sind Krieger. Geboren als Männer: welche zu werden. Was kriegst du, Bruder? Wofür, und warum? Was tust - und was unterlässt du - dafür? Wofür?</p>
<p>Bei meinem persönlichen &#8220;Polterabend&#8221; (dem &#8220;Junggesellenabschied&#8221;) wurde kein Geschirr zertöppert. Ich verbrachte ruhige Stunden im Gartentipi meiner Schwester. Sie stellte mir solche Fragen. Hab ich schon erwähnt, wieviel Schwein ich habe?</p>
<p>Ich bin einen langen Weg gegangen und in Hoffnung, einen ebensolch wie (noch lieber) andersartig langen vor mir zu haben. Ich trage eine Krone, denn auch ich wurde gekrönt - das Reich, dem das gilt, ist des Herzens. Ideologen mögen mir verzeihen, dass ich schon mal verheiratet war (damals nur bürgerlich) - irren ist menschlich und resignieren auch&#8230; Ich war auch schon Freischwimmer, vergeblich beim Psychiater, von Maschinenpistolen im Anschlag bedroht, konfirmiert, Tippse, Journalist, am Abnippeln ohne Krankenschein, mit fünf Frauen parallel liiert, am Bahnhof Greifswald, zu Weihnachten glücklich allein daheim, nackt im Wiener Wald, eingesperrt in Linz, bevorschusst von Warner Brothers und Mitglied eines britischen Rugby-Clubs &#8230; man macht halt dies und das mit. Doch diesmal war alles meine Wahl. Und von den Großen begünstigt.</p>
<p>Andere laufen ein in den &#8220;Hafen der Ehe&#8221;. Kommen &#8220;unter die Haube&#8221;&#8230; (Deckel zu, Ruh´?) Ich verlasse den Hafen, sein brackiges Wasser stehender Erinnerungen, rühre jetzt Ruder, reiße Riemen, setze Segel, laufe aus: steche in See - die empfängt mich unruhig. Meine Krone, die nur ein Stirnreif ist, lässt mir den Kopf frei - und ungeschützt. Ich trug Zöpfchen im Haupthaar: dass niemand meine, es sei ein Versehen. Wild schäumt die Gischt.</p>
<p>Wasser unterm Kiel, Wind ins Leinen, Rumpf geerdet und Geist befeuert: Monarchen des Herzens erweitern ihr Reich anders als herkömmliche Imperatoren. Zittert, Zombies! Soll und Haben werden jetzt umdefiniert. Ihr solltet - aber ihr habt nicht. Donar zürnt. Das geborstene Wort wird neu geschmiedet. Machtringe brechen. Der eine erst recht. Zeitenwende. Times they are a changing. Ich stand in einer Dagaz. Nicht allein. Einer Dagaz aus Ähren, einer liegenden Acht. Einer Streitaxt der Liebe.<br />
Und habe Freunde - ohne die wär nichts, gar nichts gegangen. Des Freundes Freunde hören, was gelang. Mehr macht mehr. Zittert, Zombies. Wir sind mehr als wir scheinen. </p>
<p>Uns eint ein Traum, von dem jeder und jede nur einen Teil träumt. Aber wir erkennen einander. Riechen uns. Einer trommelt, eine spielt Flöte. Einer fängt an zu singen. Und dann: alle. Wir finden zusammen. Schritt für Schritt und Fest für Fest. Auch: Kampf für Kampf.</p>
<p>Ein Boot, das längst Fahrt aufnahm, hat jetzt die Flagge gehisst.</p>
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