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	<title>Eibensang</title>
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	<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 23:34:23 +0000</pubDate>
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		<title>Blut, Schweiß und Tränen</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 23:34:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Als Märzgeborener bin ich – wie man in Österreich sagt – ein &#8220;Gatsch-Kind&#8221;: Schlammwühlerchen auf gut deutsch, Matschpatscherle. Da ist was dran: Die schattenlos ausgeleuchteten Zimmer meiner Kindheit waren derart antiseptisch saubergeschrubbt, dass Schmutz beinahe jeder Art schon früh eine verheißungsvolle, ja geradezu heilsbringerische Wirkung für mich bekam. Nachdem ich mir meine Kinderfinger alltäglich 10 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Märzgeborener bin ich – wie man in Österreich sagt – ein &#8220;Gatsch-Kind&#8221;: Schlammwühlerchen auf gut deutsch, Matschpatscherle. Da ist was dran: Die schattenlos ausgeleuchteten Zimmer meiner Kindheit waren derart antiseptisch saubergeschrubbt, dass Schmutz beinahe jeder Art schon früh eine verheißungsvolle, ja geradezu heilsbringerische Wirkung für mich bekam. Nachdem ich<a id="more-464"></a> mir meine Kinderfinger alltäglich 10 vor 12 zu waschen hatte – denn um 12 gab´s Mittagessen: nicht fünf vor oder zwei nach, sondern Punkt! – geriet es für mich geradezu zur prä-initiatorischen Erfahrung, festzustellen, dass die bösen Bakterien mich durchaus nicht umbrachten, wenn ich sie mal nicht so akribisch abwusch wie mein Clean Boss, meine Mama, immer anmahnte. Und nachdem ich mir als werdender Erwachsener viel zu viele einsame Male heimlich das eigene Sperma von den Schmierfingern geschleckt hatte, tauchte ich, sobald es ging, mich umso tiefer ein in das Mondblut der Frauen, die mich nah genug an sich heranließen. Gemessen an heutigen Prüderien, darf man den Ausklang meiner Jugend ja schon als regelrecht orgiastisch bezeichnen&#8230; Heilig waren mir diese &#8220;Körpersäfte&#8221; jedenfalls schon Jahrzehnte bevor ich die merkwürdigen Paarungsregeln und -Tabus meiner Kulturhemisphäre auch nur mit dem Verstand einigermaßen nachvollzog. Mit dem Gefühl ist mir das eh nie gelungen: Euer moralischer Verachtungskanon, werte Geschlechtskollegen &#038; Dulderinnen, ist mir bis heute fremd geblieben. Und so wird es bleiben, so lange ich atme, weine, lache und spritze. Und werte! Auf meine eigene, dem Außenseiter gemäße Art.</p>
<p>Blut, Schweiß und Tränen – das Trio muss kein militärisches sein. Jeder gute Popsong hat es inne, beim Machen zumindest – und aus den Augen kann es auch rinnen vor Lachen. Ich bin ein Gatsch-Kind, ein Fahnenträger der Leidenschaft. Ich habe mehr Empathie als Moneten, und manchmal bringt mich das halb um. Aber ich stelle mir immer vor, dass die Großen – wie ich die Götter nenne – letztlich von unseren Gefühlen leben: sich von ihnen ernähren. Ich will ihnen ein guter Diener sein. Das Schicksal schert sich nicht um unsere Gefühle? Ich glaube, ohne sie gäbe es – hätten wir – gar keins. Beweist mir das Gegenteil!</p>
<p>Ich saß kürzlich bei Wissenschaftlern zu Gast, aß ihr Brot, trank ihren Wein. Wir sprachen über die Dunkle Materie, Dunkle Energie – und, etwas weniger ergiebig, über Kobolde auch. Es gelang mir nicht, die notwendigen Brücken zu schlagen: von der Welt der Rationalität hinüber zu jener der Magie – nichtmal im Gespräch. Unter Heiden geht mir das oft auch so: aus umgekehrter Richtung, aber mit vergleichbarer Ergebnislosigkeit. Und so nippe ich an meinem Glas oder Horn und spüre: Es ist alles nur eitel – niemand will die Enge des eigenen Horizonts aufgebrochen kriegen&#8230; Es könnte ja Sonne hineinstrahlen. Von der wir alle leben, unter der wir alle sind, und einzig sind – in jeder Bedeutung des Satzes. </p>
<p>Ich habe es anders gemacht. Ich ließ – obzwar nur zögernd anfangs und mit Rückfällen, aber doch – Sonne in meine enge Welt. Mehrere Frauen, manches Jahr und etliche Peinlichkeiten waren nötig – aber am Ende drehte ich mich: ohne an Identität zu verlieren. As Mother Earth does! Denn sie dreht sich noch. Ich wasche mich, ich dusche mich, und putze mir sogar die halbwracken Zähne. Ich nicht nur geborenes, sondern auch gelerntes Gatsch-Kind. Und so erfuhr ich diesen schmalen, aber tiefen Grat zwischen Können und Müssen: auf der einen Seite liegen die Wiesen der – zugegeben gefahrvollen – Freiheit. Auf der andern nur die bequemen, aber ausweglosen Abgründe jeglicher Sucht. Zwangsverhalten ist, wenn du gegen deinen eigenen Willen etwas tust oder unterlässt. Von jemandem anderen zu etwas gezwungen zu werden, ist die einfachere Variante davon. Denn sie hat einen Gegner, der außen verortbar ist.</p>
<p>Der eigene Wille ist, wie auch ich meine, eine interessante – womöglich sogar intelligente – Illusion. So hänge ich meinen an die Träume, den allnächtlichen Sumpf oder – Gatsch.  Zutiefst überzeugt bin ich davon, dass ich dieserart jeden Morgen neu geboren werde. Auch wenn ich mich der Träume nicht immer erinnere – sie bestimmen mein Handeln, meine Entscheidungen. Solange ich mich daran – wenigstens – zu erinnern verstehe, dass meine Ängste lauter Müll, meine Pläne eitler Blödsinn, meine Freunde aber wirkliche Menschen sind. Schreiend werden wir geboren, im Matsch wühlen wir, und was immer wir daraus erschaffen: Der Krokus, der die Schneedecke bricht und den Frühling kündet – der ist nicht unser Werk. Den dürfen wir bewundern – uneingeschränkt. Denn seiner Welt sind wir geboren. Dem Blühen und Gedeihen. Wir dürfen dran teilhaben. Wenn wir uns gut betragen: als Gäste. Wenn wir einander erkennen: dann sogar als Hüter. Doch das bedarf der Liebe. Sie kommt nicht von oben. Wir selbst stellen sie her. Wenn wir es nicht tun – nobody does. Meine Götter lieben nicht. Sie erwarten von uns, dass wir das tun für sie. Aber wer könnte ihrer Schöpfung widerstehen? Ist sie nicht liebenswert? Wir müssen das lernen, Leute. Es ist unsere einzige Hoffnung. Und unser aller Rettung. </p>
<p>Als ich geboren wurde, lag noch Schnee. Aber er hatte seine große Zeit hinter sich. Auch Großdeutschland war geschmolzen. Es war März, und der Kalte Krieg brach an. Das Wirtschaftswunder vergiftete die Flüsse und sorgte für ein geregeltes Leben, Freizeit brach aus. Es war nur Schlamm. Ich bin ein Gatsch-Kind, und will immer noch etwas erschaffen.</p>
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		<title>Albumschreibemonat</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 15:44:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Der kürzliche Tod meines Vaters und die begonnene Demenz meiner Mutter ließen mir den Alltag mit tausend Kleinigkeiten überschwemmen, die mir das Gemüt belasteten – da kam FAWM gerade recht. February album writing month: Wer es schafft, in den 28 Tagen und Nächten dieses kurzen Monats mindestens 14 Songs zu schreiben, hat gewonnen. Bei FAWM [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der kürzliche Tod meines Vaters und die begonnene Demenz meiner Mutter ließen mir den Alltag mit tausend Kleinigkeiten überschwemmen, die mir das Gemüt belasteten – da kam <a href="http://www.fawm.org">FAWM</a> gerade recht. February album writing month: Wer es schafft, in den 28 Tagen und Nächten dieses kurzen Monats mindestens 14 Songs zu schreiben, hat gewonnen. Bei FAWM gibt es<a id="more-450"></a> viele Gewinner: Tausende. Ich gehöre jetzt zu ihnen. </p>
<p>Wie die meisten Neulinge, brauchte ich eine Weile, bis ich begriff, was da passiert. Es kommt nicht so auf handwerkliche Finessen an – auf die Aufnahmequalität schon gar nicht. Es geht um den Prozess des Entstehens – und den Austausch darüber. &#8220;You can´t wait for inspiration&#8221; sagen die FAWMER – und lehrten mich, knappe Minuten zu nutzen zwischen Tau und Tag oder Gestresstsein und Mondschein. Dass ich zur selben Zeit auch noch das Rechnersystem wechseln musste – neben meinem Dauerpendeln zwischen Wien und D´land – empfand ich da fast schon als ironisches Augenzwinkern freundlicher Götter.</p>
<p>Ich besuchte unglaubliche Wohnzimmer&#8230; war Ehrengast fremder Bräuche und exotischer Riten, lauschte den merkwürdigsten Geschichten nie gekannter (oder vordem höchstens als Klischee missverstandener) Milieus: nah und fern, all over Mama Globus. Rapper und Klavierspieler, Chanteusen und Hardrocker, Wildlinge und Bügelfaltenmucker, Perlenbringer und Ideenbeschwörerinnen: FAWM zeigte mir, was Internet sein kann. Es ist, als hätte man ein Lebtag lang nur hübsche, aber gleichförmige Models auf dem Laufsteg beobachtet – und plötzlich gerät man in eine echte Kneipe voller Volk: wirklicher und unverwechselbarer Menschen, mit ihren Macken, Eigenheiten, Liebenswürdigkeiten. Und gerade da fiel mir dann auf, wie viel wir – bei all diesen unüberhörbaren Unterschieden – gemeinsam haben. Und was da in uns pulst: jeder und jedem auf ureigenste Art und Weise. </p>
<p>Und ich sag euch was: Ihr glaubt gar nicht, wie schön die Welt sein kann – außerhalb des täglichen Wettbewerbs. Ohne diesen Druck, andere übertrumpfen zu müssen oder von jemand übervorteilt zu werden: da beginnt sie erst, die Lebensqualität. Da hört man plötzlich ganz anders hin. Oder sogar: zu.</p>
<p>Als der Februar vorüber war, hielt ich mein eigenes offenes Herz in der Hand. Erst nach eine Weile wurde mir klar, dass das noch ein Sonderpreis war. Ein ganz hoch dotierter Bonus. Solange FAWM noch online ist, gehe ich auf Streifzug. Und ich komme wieder.</p>
<p>Hier sind meine 14 <a href="http://fawm.org/fawmers/dukemeyer/">Lieder</a>. Und hier auch, und - natürlich - noch ein <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/category/weblog/">paar mehr</a>.<br />
_________</p>
<p>-> <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/tag/fawm2010/">alle Beiträge zum FAWM 2010</a></p>
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		<title>Zur Zeit</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jan 2010 16:01:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Die letzten Nächte zwischen den Jahren – Auszeit für mich, da zwischen dem zeremoniellen Einläuten der Wintersonnenwende und dem Abklingen dieses mir mindestens 12nächtigen Rituals keine &#8220;Zeit vergeht&#8221;. Wahrscheinlich &#8220;vergeht&#8221; sie auch sonst nicht – man vergisst sie bloß, weil man ständig mit irgendwas Scheißwichtigem (und manchmal auch nur Scheiß) beschäftigt ist: derart, dass einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die letzten Nächte zwischen den Jahren – Auszeit für mich, da zwischen dem zeremoniellen Einläuten der Wintersonnenwende und dem Abklingen dieses mir mindestens 12nächtigen Rituals keine &#8220;Zeit vergeht&#8221;. Wahrscheinlich &#8220;vergeht&#8221; sie auch sonst nicht <a id="more-449"></a>– man vergisst sie bloß, weil man ständig mit irgendwas Scheißwichtigem (und manchmal auch nur Scheiß) beschäftigt ist: derart, dass einen mindestens die Uhr überrascht oder gar piesackt. </p>
<p>Das komprimierte – und nach Idealvorgabe pausenlose – Auffüllen serieller Zeiteinheiten mit quantitativen Großtaten der Alltagsroutine heißt in Großspur-Deutschland &#8220;Effizienz&#8221; und in einem kleineren, ebenfalls fast deutschsprachigen Land südlich davon &#8220;G&#8217;schaftlhuberei&#8221;. Der gut zementierte Glaube an ihre jeweilige Sinnhaftig- oder wenigstens Ausweglosigkeit – unerbittlich bewacht von omnipräsenten &#8220;Umständen&#8221; (Abbildung fehlt, sie sind aber eh austauschbar) – versorgt zumindest Leib- und Seelenklempner aller Art mit ausreichender Kundschaft und füllt das gesellschaftliche Leben mit Begriffsphänomenen wie &#8220;Arbeit&#8221; (wer keine hat, macht sich welche), &#8220;Urlaub&#8221; (wer sich dabei ernstlich erholt, ist wahrscheinlich kein guter Konsument), &#8220;Freizeit&#8221; (älteres Wort für &#8220;Job Standby&#8221;) und (weil früher alles besser war, vor allem für die ganze Familie) &#8220;Mittelaltermarkt&#8221;.</p>
<p>Die Neujahrsnacht war neblig in Wien; in trautem Kreis auf einer Donaubrücke herumhüpfend hörte ich vom Feuerwerk mehr als man sah. Als ungewöhnlich hell empfand ich die Rauhnächte heuer – vielleicht lag´s daran, dass wir Schnee zu Yule hatten, oben in Deutschland: und sich der mittlerweile ungewohnte Anblick weiß bepuderter Landschaftsstille seither in meinem Gemüt spiegelte&#8230; denn das Tageslicht trübt sich ja nichtsdestotrotz bereits frühnachmittags derart ein, dass man meint, die Sonne sei inzwischen auch nur noch eine dieser unlustigen Energiesparlampen. </p>
<p>Jetzt ist also 2010: das Jahr, von dem die Erwachsenen, als ich noch klein war, spekulativen Ernstes dachten, wir würden es womöglich unter urbanen Käseglocken auf dem Mond verbringen. Trotz solchen Expansionsplänen misstraute man damals der Zukunft: Viele  fürchteten einen lückenlos überwachten Alltag im freudlosen Dienst elektronischer Gerätschaften – in den 60er Jahren konnte sich halt kaum jemand vorstellen, wie schön das ist, und wie bunt es blinkt. Auch ich wollte Raumfahrer werden.</p>
<p>Stattdessen wurde ich Zeitreisender. Ich besuchte die jüngere und die ältere Steinzeit (die mich beide sehr nachdenklich machten), das mittlere Mesozoikum und, da ich dort nicht bleiben konnte (allein unter den Sauriern des Jura), die merkwürdigsten zeitgenössischen Menschengemüter. Ich stellte fest, dass in einem jeden Gehirn die Zukunft ungefähr die gleiche Funktion und Wirkung hat wie die berühmte Fata Morgana in der Wüste – während die Vergangenheit weitgehend vernebelt wird von unseren Ansichten darüber. Gemeinhin unterschätzt: die Gegenwart. Vornehmliches Fliehen aus derselben überlässt die Macht und Vielfalt ihrer Möglichkeiten den Phantasieloseren.</p>
<p>Zuletzt ein Wort aus Kindermund: &#8220;Wie sind die Leute eigentlich ins Internet gekommen, als es noch keine Computer gab?&#8221;</p>
<p>Naja: Wir haben uns hingelegt, die Augen geschlossen, und einer musste die ganze Zeit über trommeln wie nicht gescheit. War etwas mühsam, aber ging schon auch. Wir hatten ja sonst nix.
</p>
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		<title>Zum Mauerfall</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[2012 geht die Welt unter. Aber nicht meine. Ich bin weder Maya noch Emmerich. Ich trage einen neuen Armreif, den schenkte mir eine Freundin meiner Frau zur Hochzeit. Meine Gitarre und mein Netbook sind repariert. Ich habe einen kleinen Job in Wien und unstillbar große Träume. Ende November singe ich im Knast Stuttgart-Stammheim. Leider noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>2012 geht die Welt unter. Aber nicht meine. Ich bin weder Maya noch Emmerich. Ich trage einen neuen Armreif, den schenkte mir eine Freundin meiner Frau zur Hochzeit. Meine Gitarre und mein Netbook sind repariert. Ich habe einen kleinen Job in Wien und unstillbar große Träume. Ende November singe ich im Knast Stuttgart-Stammheim. Leider noch nicht <a id="more-447"></a>das schöne neue Lied <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/schwanenritter/">Schwanenritter</a>: Das ist erst in Arbeit. Meine Liebe lebt. Mein Vater ist tot. Ich schrieb ihm einen Nachruf: für meine wirklichen Schwestern und Brüder. Ich bin ein glücklicher Mann. Aber die Wut brennt, und das Herz. Viele Freunde sind fern grad, aber ich spüre sie. Mein Roman – der erste Abschnitt – ist fast fertig: vom Manuskript her. Viele Erinnerungen habe ich – aber sie quälen gerade nicht. Meine Mutter ist eine Greisin, die großen Götter wollen es ihr leichter machen: Sie nehmen ihr das Gedächtnis, damit sie nicht so schwer zu tragen hat auf ihre alten Tage.</p>
<p>Ich mache Aufnahmen im Tonstudio – und nutzte heute die Gelegenheit, einen alten Dämon zu entlarven: jenen, der mir immer einflüsterte, meine Bemühungen seien – ganz egal, was ich anstelle und wie – grundsätzlich barbarisch, hoffnungslos, lächerlich. Welch erbärmlicher Lügner! Ich entmachte ihn: im Namen meines verstorbenen Vaters, meines neuen Ahns. Denn ich bin mit mehr Liebe, Talenten und wilden Blumen gesegnet als alle meine Vorfahren: Von allem bekomme ich das Beste. Endlich erkenne ich das! Nur meine Phantasie setzt den Rahmen: Braucht die welche? Ha! Ich führe die Ahnenreihe jetzt, ich habe den Kurs geändert, was nötig war im Namen derer, die ein Grab in den Lüften bekamen, da lag man nicht eng&#8230; Ich wurzele in den <em>Voids</em>, den Löchern und Abgründen, die ihre großdeutschen Mörder mir als kleindeutsche Heimat hinterließen, die dadurch keine mehr war: weshalb ich unablässig von ihr träume. Es geht nicht um klein oder groß. Es geht um Courage. Es tut mir weh, kein deutsches Wort dafür zu haben. Es geht auch um Stolz. Keinen deutschen Grund dafür zu finden, hinterlässt Sehnsucht. Ich zaubere in der einzigen Sprache, in der ich singen kann. Und sie ist schöner, als ihr denkt.</p>
<p>Es ist nie zu spät, eine gute Kindheit gehabt zu haben: Erinnerungen sind wankelmütiger oder jedenfalls trügerischer (gewertet!) als man meint. Wir Menschen sind Wahrnehmer. Unser Verstand taugt nicht zur Welterkenntnis, sondern nur zum Kofferpacken: zum profanen Überleben haben wir ihn geerbt – allein dazu ist er nützlich. Wenn wir (darüberhinaus etwas) erkennen wollen, müssen wir andere Sinne bemühen. Schaut ins All, Leute. Nachts über den Dörfern ist der Himmel schwarz. Die zahllosen Lichtpunkte aber, die das wolkenlose Firmament zu einem Erlebnis machen, sind ein Blick in die Vergangenheit des Universums. Die Gegenwart ist exklusiv: Nur auf Midgard vergeht Zeit, nur hier ist sie uns gegeben – und immer genau jetzt. Es gibt keine Grenzen außer denen im Kopf. Die mögen dramatisch sein: Wir haben sie uns selber hochgezogen oder hochziehen lassen&#8230; beim Aufwachsen. Aber es gibt keine Macht in dieser Welt, die uns zwingt, auf ewig diese eigenen verdammten Mauern anzubeten und an ihnen herumzuklagen. Noch während wir jammernd im Staub knien, wächst oben auf dem Sims eine wilde Blume. Wie lange willst du die noch übersehen? Das Leben ist kurz.</p>
<p>Pflück die Blume, und die Mauer fällt ein. Beides sind Illusionen, aber nur die erste ist nützlich - denn sie entmachtet die zweite. Das Ergebnis ist Befreiung, und das ist der Sinn von Kunst. Allein daran lässt sie sich messen. Hier stehe ich mit leeren Händen: machtvoll wie nie zuvor. Mein Kopf ist das Werkzeug des Herzens – und dies ist das Werkzeug von Göttern. Es ist nichts Besonderes: Jede und jeder kann das. Aber es ist wichtig. Ich nehme eine Gitarre, oder einen Stift oder ein Netbook oder alles zusammen: immer mit Mikro- oder Megafon, klar. Andere nehmen das Ihre: Äxte oder Verbandsmull oder Hubschrauber oder was weiß ich.<br />
Mit der Mauer fallen die Blumen. Das Feld ist freier, als man dachte. Du hast die entsetzliche Freiheit, Blumen zu säen oder Steine zu türmen. Beides neu – oder auch beides derselbe alte Scheiß wie zuvor. Was tust du? Es gibt eine schlechte und eine gute Nachricht – ironischerweise sind sie identisch. Wir sind verantwortlich dafür, was wir säen und bauen. Ich reiße jetzt meine Mauern ein. Im Namen des Windes. Und all der Blumen.<br />
Hört meine Lieder. Wir sind die Tropfen aus dem Meer. Wir fallen von den Wolkenrändern. Du Wirklichkeit – ja da schau her: Ich bin gekommen, dich zu ändern.
</p>
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		<title>Unterwegs</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 13:46:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[&#8230;gewesen, länger und auch a bisserl anders als gedacht - aber hab ich gedacht? Nein, geschrieben: Geschichten von Riesen und geflügelten Echsen, seltsamen Tieren und noch seltsameren Frauen - Riesinnen natürlich - naja, vielleicht wird´s ja wirklich ein Roman, die inzwischen doch recht üppig eingetippte Phantasie. Ein Campingplatz-Nachbar hielt es schon für einen, als er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;gewesen, länger und auch a bisserl anders als gedacht - aber hab ich gedacht? Nein, geschrieben: Geschichten von Riesen und geflügelten Echsen, seltsamen Tieren und noch <a id="more-445"></a>seltsameren Frauen - Riesinnen natürlich - naja, vielleicht wird´s ja wirklich ein Roman, die inzwischen doch recht üppig eingetippte Phantasie. Ein Campingplatz-Nachbar hielt es schon für einen, als er belauschte, wie ich Freunden vorlas: aus dem frischen Manuskript. Der wollt´ das Buch gleich kaufen, das noch gar keins ist - und da nicht jugendfrei, ist offen, ob´s je mal ein Verlag&#8230; Doch bleiben wir beim Hier und Jetzt, genauer: dort und gestern.</p>
<p>Im Elsass kurvten wir einher, mit reich beschenkten Augen. Liebliche Landschaft und Kultur - mit Ausnahme des Essens: für mich zu fad, zu sahnig und&#8230; fast schon zum Lachen teuer.<br />
Aber ein Traum von Gegend!</p>
<p>Dann Schnitzel in der Steiermark &#8230; und kuschelige Betten.</p>
<p>Später ging´s hoch: die Pfade schmal, so 40 Prozent Steigung. Der Gardasee sieht prächtig aus, wenn man die Strände meidet. Wir sahen´s von oben: berghüttenhoch. Wo wir für Tage blieben. Gleich in der lauen Ankunftsnacht ein langes Wetterleuchten: das Panorama hell stroboskopiert von stummen Himmelsblitzen - kein Donnergrollen, nur das Licht. Wir tranken Bardolino. Und soffen ab am andern Tag: trunken schon von der Schönheit - die Berge groß, der See türkis, die Luft ganztägig warm bis in die Nacht. Pikante Wurst, steinharter Käse, dürres Brot - ein Traum für meinen Gaumen. Nicht viel am Leib, und nicht viel vor. Ich tippte, liebte, spielte. Wir lachten, tranken, aalten uns und zählten nicht die Stunden dahingleitender Muße. Berghütte überm Gardasee: bevölkert von vier Menschen nur. Und vor uns grasten Esel: die Mutter und ihr Töchterlein, das erst nicht fressen wollte.</p>
<p>Man möchte länger bleiben. Man möchte überhaupt, dass Zeit nur noch vergeht, doch ohne Folgen. Man mag nicht wissen, welcher Wochentag es ist und achtet nur die größte Uhr: den heißen Ball am Himmel. Man kriecht dem Schatten nach und liest, und lässt das Leben pullern. Man lacht: einander zu, und an, und auch mal aus - ganz albern. Man spricht, doch das Gespräch ist luftig wie die Perlen im Prosecco: Es tanzt dahin, steigt auf, geht ab, und braucht nicht viel Bedeutung. Erfrischt, regt an - und ist dann fort. So räkeln sich die Glieder. Nennt man das Urlaub? Kann schon sein. Ich tät´ es sogar wieder <img src='http://www.eibensang.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Wild Marmalade! Um Mitternacht! Lehrten uns Handmade Techno! Zwei Leute nur: Didgeridoo und Drums. Drei Stunden tanzten Massen. In Kautzen, wo der Regen matscht: Österreich, nah an Tschechien. Ein Festival. Entspanntes Volk. Zeltstädte: enges Camping. Doch Sonne auch. Musikdurchpulste Tage. Nachts schon sehr kalt dort: Waldviertel. Sonst alles wie in Woodstock. Und Met in Strömen: Schwesterlein verliebt in Deutschlands besten Brauer. Der lässt sie blühen. Wünsch´ Euch Glück! Ich aß Samosas, satt und froh, mit grüner Chilisauce (scharf! Wie sich´s gehört!) - und fror nachts nicht: geschmiegt an die, mit der ich träumen darf, und sein, und allzeit froh erwachen. </p>
<p>Dazwischen war noch was&#8230; ach ja: ein See - ein anderer, kleiner. Ein Restaurant, ein Camping-Strand, und schon &#8230; ein komisches Geräusch bei Nacht: ist da ein Käfer abgeglitten, an der Zeltwand außen lang? Nein, Herbstblatt war´s: Die Bäume werfen schon&#8230; Zu früh sinkt jetzt die Sonne. Man möcht´ ihn halten: Sommer, bleib! Und kann doch selbst nicht bleiben. Badet nochmal: im Tag, im See&#8230; im tiefen Trank der Liebe. Die wogt. Doch alles andere geht. Man packt. Und denkt an später.</p>
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		<title>Schwein gehabt&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jul 2009 12:58:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[&#8230;und gegrillt. Grillen lassen: In meinem Alter macht man nicht mehr jeden Scheiß selber, schon gar nicht, wenn man noch Besseres zu tun hat. Ich krönte die Königin. Ich hatte keine Band bestellt, bekam trotzdem eine, baute ein gallisches Dorf (nur das Schlußbild aus Asterix), kaute Chilischoten ohne Beilage, versteckte einen Negerkuss in einem Teebeutelpappschächtelchen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;und gegrillt. Grillen lassen: In meinem Alter macht man nicht mehr jeden Scheiß selber, schon gar nicht, wenn man noch <a id="more-443"></a>Besseres zu tun hat. Ich krönte die Königin. Ich hatte keine Band bestellt, bekam trotzdem eine, baute ein gallisches Dorf (nur das Schlußbild aus Asterix), kaute Chilischoten ohne Beilage, versteckte einen Negerkuss in einem Teebeutelpappschächtelchen, ließ mir von Schwertern den Weg versperren, rammte meins in den Boden und stellte einem ehrenwerten Mann aus der Steiermark eine ehrliche Frage. Sein Nein hätte mich nicht aufgehalten, aber er sagte ja. Was die insgesamt doch komplexe Angelegenheit angenehm vereinfachte: Schwein gehabt&#8230;</p>
<p>Das immerhin hab ich endlich gelernt: Man darf sich nicht aufhalten lassen - von gar nichts in dieser ebenso schönen und wundersamen wie garstigen und gefährlichen Welt. Wenn man dazugehören will. Hier aber endet der Freie Wille, sofern er nicht eh nur praktischer Mythos ist. Denn die Frage ist nicht, ob man dazugehören will. Wir gehören alle. Dazu. Man will, man muss es nur - im Zweifelsfall - bestätigt bekommen. Darüber wurden schon Kriege gefochten, auch von mir. Diesmal reichte Symbolik. Akzeptanz war mir sicher, in tiefer Dankbarkeit nahm ich sie an. Ich weiß, wovon ich rede. Denn ich begann als Paria, als Unberührter, der sich darob für unberührbar, aussätzig hielt für zu lange. Vor ungefähr 37 Jahren. Drei meiner 37 auffallendsten Gesichtsfalten rühren daher. Aber wisst ihr, was das für ein Gefühl ist, eine solche Fresse geküsst zu bekommen? Mich küsste die Königin.</p>
<p>Eine traditionelle Hexe, Wicca sogar, schnitt mir in die Haut bis Blut tropfte. Außer meiner greisen Mama hat das niemanden erschreckt. Zum ersten Mal in meinem Leben zapfte ich Bier. Ich kostete auch vom Schwein, doch das Steirische Buffet mundete mir mehr. Ich wurde beschenkt, als ob ich´s verdient hätte, und noch darüber hinaus. Ich ließ mich übern grünen Glücksklee loben von meiner wunderbaren Wahlschwester - und von mächtigen Frauen warnend belehren: Beides fand ich angebracht. </p>
<p>Denn ich bin ja ein Mann. Was immer uns trennt, Jungs - eins haben wir gemein: Uns fehlt die Initiation. Ich hatte zwar eine. Aber die war nur symbolisch. Wenn auch begründet. Dennoch gilt für uns heutige Männer alle: Wir laufen Gefahr, als purbertierte Unreife (nur biologisch erwachsen Gewordene) den Rest des (heute doch so langen) Lebens vor uns hin zu altern - mit beträchtlichen Folgen für unsere Lieben, Familien, Sippen, Stämme, Völker - die Menschheit. Warum geht´s der so schlecht? Wir Männer wissen oft nicht, wo unser Platz ist - von der Aufgabe (nicht Resignation, sondern göttlichem Auftrag) ganz zu träumen. So werden wir Kleingeister, Rechthaber, hobbyfixierte Kniefiesler oder sonstwie Frustrierte - im traurigsten Fall dick und schlapp, im schlechtesten Amokläufer und/oder Selbstmörder oder gar Investmentbanker.</p>
<p>Aber wir sind Krieger. Geboren als Männer: welche zu werden. Was kriegst du, Bruder? Wofür, und warum? Was tust - und was unterlässt du - dafür? Wofür?</p>
<p>Bei meinem persönlichen &#8220;Polterabend&#8221; (dem &#8220;Junggesellenabschied&#8221;) wurde kein Geschirr zertöppert. Ich verbrachte ruhige Stunden im Gartentipi meiner Schwester. Sie stellte mir solche Fragen. Hab ich schon erwähnt, wieviel Schwein ich habe?</p>
<p>Ich bin einen langen Weg gegangen und in Hoffnung, einen ebensolch wie (noch lieber) andersartig langen vor mir zu haben. Ich trage eine Krone, denn auch ich wurde gekrönt - das Reich, dem das gilt, ist des Herzens. Ideologen mögen mir verzeihen, dass ich schon mal verheiratet war (damals nur bürgerlich) - irren ist menschlich und resignieren auch&#8230; Ich war auch schon Freischwimmer, vergeblich beim Psychiater, von Maschinenpistolen im Anschlag bedroht, konfirmiert, Tippse, Journalist, am Abnippeln ohne Krankenschein, mit fünf Frauen parallel liiert, am Bahnhof Greifswald, zu Weihnachten glücklich allein daheim, nackt im Wiener Wald, eingesperrt in Linz, bevorschusst von Warner Brothers und Mitglied eines britischen Rugby-Clubs &#8230; man macht halt dies und das mit. Doch diesmal war alles meine Wahl. Und von den Großen begünstigt.</p>
<p>Andere laufen ein in den &#8220;Hafen der Ehe&#8221;. Kommen &#8220;unter die Haube&#8221;&#8230; (Deckel zu, Ruh´?) Ich verlasse den Hafen, sein brackiges Wasser stehender Erinnerungen, rühre jetzt Ruder, reiße Riemen, setze Segel, laufe aus: steche in See - die empfängt mich unruhig. Meine Krone, die nur ein Stirnreif ist, lässt mir den Kopf frei - und ungeschützt. Ich trug Zöpfchen im Haupthaar: dass niemand meine, es sei ein Versehen. Wild schäumt die Gischt.</p>
<p>Wasser unterm Kiel, Wind ins Leinen, Rumpf geerdet und Geist befeuert: Monarchen des Herzens erweitern ihr Reich anders als herkömmliche Imperatoren. Zittert, Zombies! Soll und Haben werden jetzt umdefiniert. Ihr solltet - aber ihr habt nicht. Donar zürnt. Das geborstene Wort wird neu geschmiedet. Machtringe brechen. Der eine erst recht. Zeitenwende. Times they are a changing. Ich stand in einer Dagaz. Nicht allein. Einer Dagaz aus Ähren, einer liegenden Acht. Einer Streitaxt der Liebe.<br />
Und habe Freunde - ohne die wär nichts, gar nichts gegangen. Des Freundes Freunde hören, was gelang. Mehr macht mehr. Zittert, Zombies. Wir sind mehr als wir scheinen. </p>
<p>Uns eint ein Traum, von dem jeder und jede nur einen Teil träumt. Aber wir erkennen einander. Riechen uns. Einer trommelt, eine spielt Flöte. Einer fängt an zu singen. Und dann: alle. Wir finden zusammen. Schritt für Schritt und Fest für Fest. Auch: Kampf für Kampf.</p>
<p>Ein Boot, das längst Fahrt aufnahm, hat jetzt die Flagge gehisst.</p>
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		<title>Weibsbilder verboten?</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Jun 2009 12:32:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Bevor ich Musik machte, habe ich gezeichnet. Die wilden &#8220;Indianer&#8221;, die es mir als Kind angetan hatten, wichen später Raumschiffen und Aliens auf fernen Planeten. Mit zweistelligem Alter wurden die Aliens, die ich mir ausdachte, immer phantastischer. Am Schluss waren es fast nur noch Frauen. Die fand ich plötzlich noch viel phantastischer als Aliens. Manchmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor ich Musik machte, habe ich gezeichnet. Die wilden &#8220;Indianer&#8221;, die es mir als Kind angetan hatten, wichen später Raumschiffen und Aliens auf fernen Planeten. Mit zweistelligem Alter wurden die Aliens, die ich mir ausdachte, immer phantastischer. Am Schluss waren es fast nur noch Frauen. Die fand ich plötzlich noch viel phantastischer als Aliens. Manchmal hatten sie <a id="more-442"></a>was an, aber viel war es nie. Meine Kulisse war noch immer Science, aber die Fiction zusehends erotisch.</p>
<p>Leider sind mir in den Wirren und Wogen des Lebens die allermeisten dieser Zeichnungen abhanden gekommen. Oder muss ich sagen: dengötternseidank?</p>
<p>Denn heute wiesen die erotischsten jener Zeichnungen mich womöglich als Verbrecher aus. Als 13jähriger habe ich nämlich nicht darauf geachtet, dass die von mir gezeichneten Frauen klar und eindeutig älter aussahen als 18. Manche vielleicht schon, aber ich träumte damals auch gern von 16jährigen, und brachte die Phantasien zu Papier: verlockende Schönheiten in aufreizenden Posen, schwül, heiß und sehnsuchtskirre.</p>
<p>Heutzutage fallen solche Bilder - wie ich kürzlich hörte - unter den Tatbestand so genannter &#8220;Anscheinsjugendpornographie&#8221;. Das bedeutet, dass ich mich strafbar mache, wenn ein von mir <em>gezeichnetes </em>Weibsbild <em>dem Anschein nach</em> jünger sein <em>könnte </em>als 18 Jahre. Meine Freiheit hinge davon ab, ob die gezeichneten Figuren einem Richter volljährig vorkämen oder nicht. Wohlgemerkt: Es brauchen gar nicht erst Fotos von real existierenden Personen sein. Es reicht, sich etwas ausgedacht - und dem bildhaften Ausdruck verliehen - zu haben.</p>
<p>Ich hatte immer eine reiche Phantasie. Ich konnte mir ferne Welten vorstellen und bezaubernde Wesen. Viel von dem, was ich mir einst ausmalte, ist - auf durchaus phantastische Weise - Wirklichkeit geworden. Aber mir eine derartig kranke Vorschlagshammer-Bürokratie de juro auszudenken, wie sie uns heute umwuchert, hätte meine diversen Alps überfordert, vulgo: meine Vorstellungskraft überstiegen.</p>
<p>Und man wird - gerade angesichts solcher Regelwerke - das Gefühl nicht los, dass Bürokraten nichts so sehr fürchten wie die Freiheit der Phantasie.</p>
<p>Wahrscheinlich ahnen sie, dass die beiden zusammengehören.</p>
<p>Ich finde diese Welt ganz gut. Aber einige Zustände auf ihr sollten wir ändern. Gefährlich? Sicher. Aber schaut euch doch an, was passiert, wenn man die Änderungen irgendwem anders überlässt. Da ist obiges Beispiel ja noch Pipifax. Nichtsdestotrotz: bezeichnend.</p>
<p>23. Juni 2009
</p>
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		<title>Ahoi, Halunken!</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 22:44:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[Soeben bin ich auf hoher See - Musik ist ein Meer, wisst ihr - und daher mach ich grad alles genauso wie Jack Sparrow (Verzeihung: Käptn Jack Sparrow, natürlich!). Naja - vielleicht bin ich zur Stund´ nicht ganz so hübsch wie der. Aber uns eint die Profession. Und der Stolz. Nennt mich Käptn! Denn ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Soeben bin ich auf hoher See - Musik ist ein Meer, wisst ihr - und daher mach ich grad alles genauso wie Jack Sparrow (Verzeihung: <em>Käptn </em>Jack Sparrow, natürlich!). Naja - vielleicht bin ich zur Stund´ nicht ganz so hübsch wie der. Aber uns eint <a id="more-441"></a>die Profession. Und der Stolz. Nennt mich Käptn! Denn ich bring dieses verdammte Boot zum Fahren. Ich steh am Mast meines Mischpultes und höre, wie das Heulen der Gitarre - meiner guten Chica - die Segel bläht. Gegenwind ist reichlich: Gut bestückt zwar mein Kahn - Kanonen geladen und frisch poliert, dass es eine Pracht (vielleicht sogar eine Macht) ist - nur weit und breit keine Beute in Sicht. Aber, zum Donner und Klabautermädel, der Planet ist rund - und das lohnende Ziel gleich hinterm Horizont. Hinter der Randkrümmung. Durchhalten!</p>
<p>Ich hätte es gut haben können. Mich zurücklehnen und mir sagen, dass ja eh alles keinen Sinn habe oder schon durchgemacht sei. Oder, populistisch gedacht: &#8220;eh zu spät&#8221;. Leute, die so drauf waren, haben mich aber schon mit 20 befremdet. Die waren nämlich gleichaltrig. Sie stellten damals schon Mehrheiten. Beraubten mich so des Gefühls, einer Generation anzugehören. Gut, dass es noch andere gibt: Menschen, die sonstwann geboren sind. Wir Piraten müssen zusammenhalten. Und wir erkennen einander: manchmal am Lachen, manchmal an den Tränen. Und manchmal auch einfach am Glitzern in den Augenwinkeln.</p>
<p>Hab beste Besatzung im Boot, heut´. Der eine hat ein Holzbein an der Seele (mit dem peitscht er Takt). Die andere ist auf mindestens einem Auge blind vorm Spiegel. Die aber, die mich fing als ich ins Bodenlose fiel, hieß mich die Fahne hissen - auch ohne Segel. So überstand mein Kahn das Wetter - trotz Leck und morscher Spanten. Es gibt, wusste sie, auch einen Seegott, der ohne Segel fährt. Götter sind gute Vorbilder. Manchmal denk ich nicht dran. Aber jetzt wieder. Blessuren haben wir alle. Die Botschaft heißt: trotzdem. Vielleicht sogar: deswegen. In meinem Phall: damit!</p>
<p>Ich habe nichts vergessen. Ich löse jetzt ein, was ich wollte, als ich 13 war. Es ist spät geworden - da waren unheimlich viele Umwege zu erfahren - aber genau die brachten mich hierher: in die rechte Zeit. Die Umwege waren wichtig: Sie lehrten mich die Freude. Von der ich keine Ahnung hatte beim Aufbruch. Aber die bring ich jetzt mit. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie nötig ist. Austeilen will ich sie! Mit Zins und Zinseszins! Dass wachse, was soll!</p>
<p>Und jetzt hört mal her, ihr potentiellen Selbstmordkandidaten. Wir quaken hier auf gleicher Augenhöhe. Ich bin einer von euch - gewesen. Mein Triumph ist das Scheitern meiner Trübnis - und aller von ihr klammheimlich diktierten Pläne. Es ist nur ein Götterspiel: In 100 Jahren sind wir alle tot. Was hast du zu verlieren? Viel? Ich auch! Was hast du zu gewinnen? Nichts? Lüge! Alles - alles liegt hinter dieser verdammten Horizontkrümmung. Fahr ein Stück, geh oder schipper ein paar Gehirnknoten weiter. Piraten müssen Beute machen. Schon der Magen diktiert das. Aber noch mehr. Wollten wir nicht tanzen? Die Welt erobern? Oder wenigstens - einmal das Glück küssen?</p>
<p>Es kommt so gern. Zu jenen Pechvögeln, die ihren Beruf als Pechvögel sich aufgeben trauen. Notfalls ohne Ersatz.</p>
<p>Wie sie auch immer ausschauen mag, die Welt: Es gibt sie noch. Wem soll sie gehören?<br />
Hand aufs Herz: Wir wollen sie doch bitteschön nicht jenen gelernten Monstren überlassen, die sie bisher gestaltet haben. Dafür war das Ausgangsmaterial zu gut, möcht ich doch mal ganz parteiisch - als Anbeter der Sonne und des Mondes (und dessen, was beide bescheinen) - meinen.</p>
<p>Holzbein? Augenbinde? Rheuma? Knoten im Selbst-B.-Wusstsein? Beute fern? Wasser nass? Meer groß? Schiff leck? Die übliche Unbill&#8230; Und trotzdem: Das Wetter wechselt ständig. Auch und grad das ganz große.</p>
<p>Wir treffen uns. McLyr fährt ohne Segel, ich mit, und wer die Große Liebe noch nicht traf - der hat sie  doch verdient. Bin eins mit manchen, die sich ohne behelfen müssen oder mögen. Bin der lausigste aller Piraten. Aber lerne gerade Gitarre spielen. Hört sie heulen. Die Wut eines 50jährigen jungen Lebens steckt da drin. Ihr Halunken aber - seid froh, dass es keine Kanone ist.</p>
<p>Vielleicht aber &#8230; ist es doch eine. Habt ihr von mir gehört? Im Zweifelsphall: Ihr werdet.</p>
<p>Jedes Gefühl zählt. Eins ausdrücken, heißt Post verschicken: von Absender an Adressat. Und mag es Flaschenpost sein: Botschaft ist´s dennoch. Leise applaudieren Götter. Nicht nur sie: leben durch uns. Es gilt auch umgekehrt. Musik überwindet die Grenzen, die Vorurteile, die Zeitalter. Von der direkten Liebe zueinander abgesehen, haben wir alle nichts besseres. Sie - Liebe und Musik - sind keine Ware. Von ihrem Wesen her sind sie unkäuflich. Aber für alle. Begrenzte Ressourcen? Ha! Allen Daseins Quell. </p>
<p>Und nochwas, was mir auffällt - auch und gerade, wenn man sich unerwartet trifft unterwegs: Die Welt  ist groß.</p>
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		<title>Ein Denkmal&#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 01:47:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
	<category>Zur Zeit</category>
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		<description><![CDATA[&#8230;möchte ich setzen: hier mitten ins Internet. Mir ist klar, dass die unterschwellige Aufforderung zu denken (&#8221;denk mal!&#8221;) krass alt anmutet in einer Welt, die uns auf Schritt und Klick an maximal drei Entscheidungsmöglichkeiten gewöhnt, von denen das &#8220;OK&#8221; schon vorgestanzt ist: Durchklicken ist noch leichter als Abnicken – die Bejahung von sozusagen jedwedem Scheiß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;möchte ich setzen: hier mitten ins Internet. Mir ist klar, dass die unterschwellige Aufforderung zu denken (&#8221;denk mal!&#8221;) krass alt anmutet in einer Welt, die uns <a id="more-439"></a>auf Schritt und Klick an maximal drei Entscheidungsmöglichkeiten gewöhnt, von denen das &#8220;OK&#8221; schon vorgestanzt ist: Durchklicken ist noch leichter als Abnicken – die Bejahung von sozusagen jedwedem Scheiß munter voraussetzend (und allgemein akzeptiert, sonst hätte sich was anderes durchgesetzt). Das Ritual ist so winzig, dass man es kaum als solches wahrnimmt. Die Wirkmacht jedweden Rituals ergibt sich aber nicht aus seiner Wesensgröße, sondern seiner Wiederholungsfrequenz. OK?</p>
<p>&#8220;Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter&#8221; heißt es im Talmud (einem gedankenvollen Papierblog: krass alt und unkrass jüdisch), aber so weit will ich hier gar nicht denken. Mein &#8220;denk mal!&#8221; ist bodennäher, bunt und – weil tot – längst vergessen: falls überhaupt bemerkt worden von irgendjemand in zweistelligem Lebensalter. Deswegen will ich ja gedenken.</p>
<p>Ich sage: denk mal! - und fordere nichtmal auf, Tatsachen zu erkennen, zu vergleichen und miteinander in Beziehung zu setzen. Das tue ich für mich selber, und wer seinerseits damit anfangen möchte, dem oder der ist zu raten: Mach´s gleich, denn es erfordert Übung. Die sich lohnt, solang man keinen Applaus erwartet. Kassandra hat seit Jahrtausenden einen schlechten Ruf, weil sie Tatsachen erkannte, verglich und miteinander korrekt in Beziehung setzte – und das Ergebnis unvorsichtigerweise ausrief. Dass ihre Warnung exakt den Tatsachen entsprach, verziehen ihr die Trojaner nie. (Damals waren Trojaner noch Menschen – keine Virenprogramme, Anm. d. Verf.) Den späteren und noch systematischeren Denker Sokrates ha´m seine Zeitgenossen gleich vergiftet: Gerade das denkwürdige – und sich traditionell so gedankenverliebt gebende - Abendland hat seine Denker allezeit bestenfalls posthum gewürdigt (an Denkerinnen aber überhaupt nie gedacht). Und was zum Aristoteles gehen uns Mausklicker olle Griechen an? Viel mehr, als hier die Rede ist!</p>
<p>Mein &#8220;denk mal!&#8221; gilt einer Pflanze, gesprossen und gestorben in Geslau (einem Kaff, wo ich grad wohne: Es könnte auch woanders sein. Das gilt für mich wie das Gestrüpp). Es war im Februar, und es lag Schnee. Der spielt eine entscheidende Rolle – nicht nur, weil er im Zuge des Klimawandels selten zu werden droht. Aber an ein paar Tagen im Februar war der Schnee in Geslau mächtig. Dort, wo kaum Verkehr herrscht, sieht es bereits nach einem Tag Schneefall aus wie im Mittelalter rund ums Märchenschloss, nur dass das Schloss fehlt. In Geslau kriegt man nichts mit von einer Erderwärmung. Geslau ist so global wie Beutelsend in Mittelerde, nur nicht so putzig: Die Welt jedenfalls gibt sich fern.</p>
<p>In diesem Februar an jenem Ort geschah etwas Stinkgewöhnliches: Ein Krokus durchbrach die Schneedecke. Er war nicht der einzige. Es waren schon Wenige. Aber bunt genug, um aufzufallen. Schnee ist weiß, und wenn er die Landschaft bedeckt, beherrscht er sie: Er prägt das Bild. Zumindest in Orten und an Plätzen wie diesem: wo sich die meiste Zeit kaum etwas bewegt. Die Winternächte hier sind so schwarz und sternenvoll, dass man meint, Elektrizität sei Science Fiction. Da aus kaum einem Haus noch Licht dringt jenseits der Mitternacht, siehst du draußen die Hand nicht vor den Augen! An einem Tag nach solcher Winternacht – ich wartete gerade auf den Bus (eine launige Zeitungskolumne über den &#8220;Autokult in Deutschland&#8221; in Erinnerung: &#8220;Wer auf dem Land auf den Bus wartet, ist Kind oder Kauz&#8221;&#8230;) - sah ich den Krokus. </p>
<p>Er hieß Deep Purple. In dunklem Purpur protzte er gegen das allgegenwärtige Weiß an. Gegen die Kälte. Die Kälte hat ja wohl mehr moderne Deutsche zum Auswandern gebracht als die politischen Verhältnisse (behaupte ich mal, ohne darüber nachgedacht zu haben). Er hatte Freunde, der pralle Krokus – neben seinen pflanzlichen Kollegen zum Beispiel mich. </p>
<p>Ich bin auch heute nicht das Kind, das ich nie war. Ich brach weder in Jubelschreie aus, noch hüpfte ich verzückt. Es ist nichtmal sonderlicher Aufmerksamkeit zu verdanken, dass mir Freund Krokus ins Auge fiel: Unterwegs bin ich meist in Gedanken, und übersehe schonmal Bekannte im Straßengewühl, die ich dann logischerweise auch zu grüßen versäume. Aber in Geslau habe ich keine Bekannte, kein Straßengewühl, und keine Ablenkungen: vorm Haus, an der taubstummen lebensleeren Busstation. Es war nur alles voller Schnee. Ein lila Krokus fällt da auf wie eine nackte Frau aufm Bildschirm.</p>
<p>Mir war kalt. Der Wind pfoff. (Als er pfiff, war es grammatikalisch korrekter, aber noch schneidender gewesen.) Der Krokus aber sagte: Es wird Frühling werden. Ich komme ihn künden, sagte Freund Krokus, und ich pfiff ihm zu Ehren &#8220;Smoke on the Water&#8221;, aber in der <a href="http://www.singvoegel.com/">Singvøgel</a>-Version <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/rauchende-koepfe/">Rauchende Köpfe</a>, die nicht wie das Original einen Tonstudio-Brand besingt, sondern die Erfindung der Demokratie in der Steinzeit. Apropos, sagte ich. Du bist früh dran, Freund. Du wirst sterben. Ich überlebe dich. </p>
<p>Und so ist es gekommen. Als ich wiederkam, war der Krokus nicht mehr da. Auch der Schnee war geschmolzen. Aber kalt war es immer noch. Sogar nasskalt. Wer mag das? Ich kenne Menschen, die das mögen. Ich pflege Freundschaften mit manchen. Aber in Wahrheit hat es niemand gern kalt. Auch die, die den Sommer nicht begrüßen mögen, haben es dennoch ungern kalt.</p>
<p>Inzwischen ist es Frühling geworden, und alle halten es für eine Selbstverständlichkeit. Früher war es Brauch, den Winter &#8220;auszutreiben&#8221;: Karnevalsriten, die hier nicht Thema sein müssen, sind noch ein (wenngleich arg verdrehter) Abschmack davon. Beim heutigen Saufen und Büttenreden glaubt wohl niemand mehr daran, dass der Schnee deshalb schmilzt, weil wir etwas dafür mittun. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es Frühling wird: egal, an was wir glauben oder nicht. Im Zweifelsfall haben wir jetzt ja die Erderwärmung. Die haben wir sogar alleine erzeugt: ganz ohne Götter, ohne Absicht, ohne Geist. Schnee ist der von gestern: in Zukunft.</p>
<p>Ich will aber trotzdem die Winteraustreibung neu beleben. Ich halte es für notwendig. Ich rede nicht über Schnee: auch für mich ist der von gestern – nicht erst seitdem. Ich habe ja auch nichts gegen Schnee. Ich leide unter Kälte. Die aber kommt nicht vom Schnee. Der ist nur ihr schönstes Kind: in der Natur. Die Kälte, die mir mehr zusetzt als die natürliche, erzeugt nichtmal weiße Einöde. Sie lässt nur schlottern. Ich meine nicht die Kälte außen, sondern die innen. Die, die uns jeden Frühling vergeigt. </p>
<p>Vielleicht waren die Altvorderen doch nicht ganz so doof, wie wir Mausklicker meinen. Vielleicht haben die gar nicht den Schnee gemeint. Vielleicht waren denen ein paar Analogien klarer. Vielleicht vertrieben die gar nicht nur &#8220;Wetter&#8221;: außen. Sondern irgendwas innendrin. Egal, was die Altvorderen brauchten: Ich spüre, was ich brauche. Hey Leute – es ist Mai – wo aber sind der Frohsinn, der Tanz und die Balz? Wo sind die Schmetterlinge? Nicht nur die im Bauch! Auch gerade – die im Kopf? Wo sind die Visionen, wo die Utopien, wo die verdammt nochmal geringsten Gegenentwürfe: zu allem, was grad nervt, dräut, droht? Trauen wir uns nicht mehr träumen? Trauen wir den Träumen nicht mehr Wirklichkeit zu? Wer soll sich vermählen, wenn nicht diese beiden: der Traum und die Wirklichkeit? Was dabei rauskommt, wenn man´s ihnen verwehrt, läuft in den Nachrichten, aber noch mehr auf den Straßen.</p>
<p>Der Krokus ist gestorben. Das ist Monate her. Ich habe mir nicht gemerkt, wo genau er stand. Wo er die Eisesdecke durchbrach: keck, trotzig, farbenfroh und – einzigartig. Es war ja nur ein stinknormaler Vorgang. Der Witz daran: Er hat Recht behalten. Er sagte: Frühling kommt. Und ich antwortete: Du bist früh dran. Wir beide hatten Recht. Er starb. Aber Frühling ist gekommen. </p>
<p>Denk mal. Freund Krokus kam, als alles noch winterlich war. Er kam als Vorbote einer Veränderung: einer gewaltigen. Sein Auftauchen sagte: Es wird nicht bleiben, wie es ist. Es ist Zeit für was anderes – nicht nur Kleinigkeiten, sondern fundamental. Freund Krokus war kein Held, sondern ein Anfänger. Einer der Ersten. Er war ein Zeichen des Frühlings und dessen Aufkommen, als noch überhaupt nichts danach aussah oder gar roch. Aber er, jener kleine lila Krokus, zeigte bereits, was geht: Er stand in voller Pracht. Es schien ihm völlig scheißegal zu sein, wie lange er es machen würde. Es gab keinen schöneren nach ihm. Er lebte vor, was vorherrschend wurde: bald. Der Schnee, der allgewaltige? Er schmolz! Die Kälte? Sie verging. Als sie herrschte, spürten wir nicht, welche Macht die Sonne hat. Ohne die aber gäb es nichtmal den Schnee.</p>
<p>Lasst uns den Winter austreiben. Ich appelliere an diejenigen Menschen, deren Herz noch nicht ganz blaugefroren ist. Ich flüstere denjenigen zu, die Wind anders erleben möchten denn als schneidenden Schmerz. Ich komme das Eis küssen, bis es wieder weinen lernt. Lasst uns den Winter austreiben. Ich hauche die Träume an. Nicht ich spiele eine Rolle, sondern der Hauch. Die Wärme. Ich borge sie von Göttin Sonne. Wir leihen sie. Den Mut aber leihe ich mir von Freund Krokus, dem Vorreiter. Ich bin kein Kind - und dem Autokult in Deutschland zum Trotz kein Kauz. Ich träume nicht nur, sondern auch. Der Unterschied ist: Ich weiß jetzt, warum. Womöglich sogar, wie. Lasst uns den Winter austreiben. Den Frost in unseren Erfahrungen, der uns so eisig macht und steif und unbeweglich: ansonsten sie ja nützlich würden, gelle?</p>
<p>Alle, die jetzt nie davon geträumt haben, in tiefem Purpur in einer weißen Ebene zu erstrahlen wie die Götter selbst, sollen die Hand heben – und ihre Maus aus dem Fenster werfen. Alle, die noch nie einen Fernseher aus dem Hotelzimmer oder einen Computermonitor aus der Einraumenge geworfen haben, sollen jetzt zumindest davon träumen, das mal zu tun. Alle, die noch nie ihr Leben fundamental umgekrempelt haben, sollen das jetzt tun. Alle aber, die Angst davor haben, sollen meinen Freund Krokus sehen:  Denk mal. Er war kein Held. Er tat, was er tun musste. Er wuchs durch die Eisesdecke, weil er nicht anders konnte. Er war ein Bote. Er sagte: Frühling wird kommen. Veränderung wird sein. Er behielt Recht. Es ist Frühling geworden. </p>
<p>Einen schönen Mai euch allen. Kommt heraus. Es ist Zeit. Für Veränderung. Nicht nur minimale. Es ist kalt da draußen. Wir werden alle sterben. Aber wir haben die Farben. Zeigt sie. Ihr seid die Vorboten der Wärme, des Frühlings, der Veränderung. Zeigt sie. Zeigt euch. Den Winter in der Landschaft beenden Krokusse. Den Winter in der Gesellschaft beenden Menschen. Die Kälte kann uns töten, wenn wir durchs Eis brechen. Aber das Eis wird schmelzen. Dem Frühling folgt eine Üppigkeit hinterdrein, die man Sommer nennt. Unvorstellbar, nicht wahr? Es begann mit einem Anfänger, dem es zu kalt war, und zu öd. Denk mal.</p>
<p>Übrigens kam er nicht zu früh, jener Krokus, sondern zur rechten Zeit. Es gab nichts sonst zu bewundern, an jenem Morgen, an der Haltestelle.
</p>
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		<title>Bels Geburtstag</title>
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		<pubDate>Sun, 03 May 2009 17:09:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Duke</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Es gab eine Zeit, da hätte ich mein Leben drum gegeben, mit &#8220;echten Heiden&#8221; Beltane zu feiern: mehr interessiert an der Sinnenlust als an &#8220;Fruchtbarkeit&#8221;, natürlich&#8230; Gesehnt, getan: Ich gab mein Leben, und feierte mit Heiden – ob &#8220;echt&#8221; oder halb so – Beltane, viele Male – und ein paar Mal trug ich Löwenzahn am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gab eine Zeit, da hätte ich mein Leben drum gegeben, mit &#8220;echten Heiden&#8221; Beltane zu feiern: mehr interessiert an der Sinnenlust als an &#8220;Fruchtbarkeit&#8221;, natürlich&#8230; Gesehnt, getan: Ich gab mein Leben, und feierte <a id="more-436"></a>mit Heiden – ob &#8220;echt&#8221; oder halb so – Beltane, viele Male – und ein paar Mal trug ich Löwenzahn am Arm: &#8220;Ihr könnt mich jagen&#8230;&#8221;<br />
Und auch danach, als der neckische Brauch, sich mehr oder minder amüsierten Hexen als männliches Freiwild anzubieten, längst vergessen war, feierte ich noch viele Male &#8230; das, was als &#8220;Beltane&#8221; allmählich zu einem gewissen Mainstream anvanciert scheint. Jedenfalls hat die Verkündung, irgendwas zu unternehmen, das sich auf eine wie auch immer geartete &#8220;Walpurgisnacht&#8221; bezieht, jeglichen okkulten Ruch verloren.</p>
<p>Dem ist nicht nachzutrauern. Was die meisten Neuheiden für &#8220;wildes Feiern&#8221; halten, erinnert mich eher an Kindergeburtstage. Unheimlich erscheint mir daran höchstens, ein lichtes Frühlingsfest permanent in die Nacht zu verlegen: Aber vielleicht soll ja gar nicht so deutlich werden, dass sowieso nix passiert. Längst kann man mich jagen: mit Ritualen, in denen naive Mädchen beliebigen Alters mit bemühten Piepsstimmen gewaltige Göttinnen beschwören&#8230; denen ich noch jedesmal dafür dankte, dass sie sich durchaus nicht angesprochen fühlten von derlei Peinlichkeiten. Inzwischen habe ich´s auch begriffen und bleibe ebenfalls fern.</p>
<p>Es liegt eine Angst in der Zeit und zuviel Apathie in zu jungen Augen. Es fehlt an Magie in den Kreisen derer, die an sie zu glauben vorgeben – und sie umso nötiger hätten, als sie von sonst einer Kunst weder etwas wissen noch wissen wollen. Es liegen Irrgärten zwischen Köpfen und Herzen, und es steht mindestens ein Bann zwischen Traum und Wirklichkeit, der verhindert, dass Träume wirklich werden können und die Wirklichkeit traumhaft. Die Lösung liegt innen: Mit meinem Inneren wird sich verändern, was von außen auf mich einstürmt. Richtig gelesen: Ich sprach nicht über euch – sondern mit.
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