Eibensang

Wer Deutschland nicht liebt…

…soll Deutschland verlassen!? Je länger ich über diesen (in letzter Zeit oft gehörten) Spruch nachdenke, desto mehr kann ich mit ihm anfangen – auch wenn ich ihn zu krass finde, zu einseitig und, vor allem, bislang bei dafür geradezu schändlichen Gelegenheiten gegröhlt. Er ist ja auch nicht von mir. Umso konsequenter möchte ich ihn daher zu Ende denken – und empfehle allen, die dasselbe oder Ähnliches gröhlen oder deren Empfinden von solchen Gröhlereien und den dahinter steckenden Haltungen (im Grunde ja: Haltlosigkeiten) nicht beleidigt wird, sich selber daran zu halten – im Klartext: gute Idee! Packt die Koffer, Ihr Pack!

Stillgestanden, rührt Euch – und dann haut ab, ihr grantelnden Hassbeutel, wenn es Euch hier nicht gefällt, wenn es Euch hier zu „multikulti“, zu „links“, zu gesittet, zu gutmenschlich oder immer noch zu rechtstaatlich zugeht oder sonstwie zu bunt wird! Verlasst dieses Land, wenn Ihr es nicht lieben, ja nicht einmal in wesentlichen Aspekten annehmen könnt, wie es ist – wenn Ihr nicht wissen, geschweige denn akzeptieren mögt, wie es sich entwickelt hat und wie es weiterliebt, werkelt und lebt! Wo Ihr hinsollt? Weiß ich doch nicht, Ihr Heimatentfremdeten – geht fliehen, irgendwer wird Euch schon irgendwo Luxusflüchtlinge schimpfen und Euch den Stacheldraht hinhalten oder eine Schüssel Reis mit halalem Lamm vom Kamm. Oder, wenn Ihr nicht auskommt ohne Kartoffeln (die übrigens aus den Anden Südamerikas stammen, von den Indios, nur so zur historischen Info) – geht in Euch. Besinnt Euch – oder haut ab, macht Euch auf Eure verdammten Socken und lernt die Welt kennen, die Euch so ängstigt, dass Ihr sie aussperren wollt um jeden Preis… Geht überallhin, geht zu Putin, der mag auch keine Schwulen, oder zum IS, dort wird garantiert nicht gegendert, sondern geköpft, das mögt Ihr doch, das versteht Ihr, da wird nicht lang gefackelt – oder nur was ab-… Oder geht sonstwohin, wo Verhältnisse herrschen, die Ihr offenbar ersehnt.

Und nehmt Eure Kopfschuss-Ersatzsprache, Euer Killerkauderwelsch, dieses stumpfe Genöhle und Nachgeblöke, das kaum einen anständigen deutschen Satz zustande bringt – nichtmal formal, wie ihr nicht müde werdet zu beweisen –, bitteschön gleich mit! Es ist eine Beleidigung für alle deutschsprachigen Länder und deren kulturelle Traditionen, was ihr Hassblökhorden in die erschrockene Luft blafft und ins Netz hinausschmiert. Ihr seid nicht das Volk – Ihr brüllt, ätzt und mobbt nur seinen Ruf zuschanden, den sich Deutschland (und zwar jenes eine, das offenbar nicht das Eure ist) vor der Welt inzwischen wiedererwarb. Was wollt Ihr sein – deutsch? Lernt erstmal denken und sprechen (am besten in dieser Reihenfolge), und dann zu schreiben – es muss ja nicht gleich ein Gedicht sein, was dabei herauskommt… aber Basisformen von Zivilisiertheit sollten öffentliche Bekenntnisse schon aufweisen. Das wird eins ja wohl noch fordern dürfen!

Und lasst, ihr so beharrlich Nazisprüche nachplappernden selbsternannten Nicht-Nazis, Ihr verbalen Brandstifter oder bereits in diesem Sinne tätlich gewordenen Terroristen, gefälligst die Leut‘ in Ruhe, die hier herkommen, die hier leben und hier bleiben wollen! Denn dieses Deutschland – zumindest das eine, das ich kenne und liebe – ist ein Land vieler Farben und Biografien von überallher, ein internationaler (und insofern kerngesunder) Schmelztiegel beschwingten Austausches, gemütlichen Mit- und friedlichen Nebeneinanders – Ausnahmen bestätigen die überwiegende Regel. Klar gibt es hier auch schlimme, bedrohliche und beängstigende Entwicklungen, Tendenzen, Unsitten und Saubanden von Rotznasen-Gossenpack bis Hochnasen-Nadelstreif-Sack – aber ich spreche hier nicht von Problemen, die weltumspannende Konzerne und Lobbyisten-Lakaien verursachen, die anderen Völkern Waffen und dem eigenen Dreck verkaufen, und ich spreche auch nicht von einzelnen Arschlöchern, die es in jedem Milieu, jeder Branche jeder Coleur und auf jeder Etage gibt, von der ganz oben bis der ganz unten, sondern vom Volk sprech‘ ich, dem bunten: von der Bevölkerung dieses Landes. Denn ich habe Gründe, anzunehmen, dass ich hier – bei allen sonstigen Differenzen – sagen darf: Von der Mehrheit spreche ich, und – dieses Mal – für sie.

Schaut her, Ihr Verzweifelten und Verunsicherten: Ich als bekennender Heide bin ein gutes Beispiel dafür, dass hierzulande jede Form von Spiritualität und Religion gelebt werden darf – was auch ausgesprochen friedlich und fröhlich funktioniert. Niemand hindert mich, meine Riten zu feiern, meine Göttinnen und Götter zu rufen, meine Tiere zu tanzen und meine Geister zu ehren… Auslachen darf mich dafür, wer will – geschenkt, ich lache zurück, wenn ich gut gelaunt bin. Niemand kann mir vorschreiben, was ich zu sagen, geschweige denn zu denken habe. Jederzeit kann ich meine Meinung verbreiten, ohne dafür die geringsten Repressalien fürchten zu müssen, und zwar ganz unabhängig vom Inhalt meiner Ansichten. Selbstverständlich muss ich, wie alle (!) anderen auch, jederzeit mit Widerspruch rechnen – welchen ich, je nach gedanklichem Niveau und sachlicher Formulierungshöhe, natürlich – auch ausgesprochen anregend und bereichernd finde. Probier’s aus!

Und selbstverständlich lobe ich mein Land nicht über den grünen Kunstrasen. Es gibt hier einiges zu verändern, vieles zu zu bemeckern, manches zu erringen – auch etliche gefährliche Tendenzen aufzuhalten, ja, drohendes Unheil zu bekämpfen und manches längst schon angerichtete möglichst auszugleichen – die Palette ist groß, strittig und alles andere als nebenbei zu erledigen; einiges davon mag über unser Leben hinausreichen, obwohl vieles drängt… Das Vorhandensein großer – für mich allein bestimmt zu großer (aber ich bin ja nicht allein auf der Welt) – Aufgaben und Herausforderungen ändert nichts an der Tatsache, dass ich dieses Land liebe: seine demokratische Grundausrichtung (angegriffen und lädiert, aber lebendig), sein Grundgesetz (beschossen und beschädigt, aber hartnäckig verteidigt), seine Offenheit für Kunst und Kultur aus aller Welt, seine Sprache (unterschätzt, doch ungebrochen mächtig – ja unkaputtbar, möcht‘ ich meinen! Wazzefack und zugenäht, hihi!), seine menschenrechtlichen Traditionen (die, gerade weil sie jung sind und noch nicht so tief verwurzelt, umso mehr gestützt, gefördert und gepriesen gehören), seine Denker- und Dichterinnen, Rebellinnen, Kritikerinnen, die diese Traditionen immer wieder einfordern und damit aufrecht erhalten und weiterbringen, sowie natürlich seine Freiheiten, neben der des Glaubens, des sich frei Versammelns, des Wählens, wen auch immer Liebens und wo auch immer Wohnens vor allem die, an jeder Ecke international futtern zu können 😀 , was mir persönlich einfach besser schmeckt (als die Sitte, Berge warmen Fleisches in brauner Soße zu versenken und das Ergebnis ein Gericht zu nennen… 😉 Bussi, ihr Freunde der so genannten gutbürgerlichen Küche – wünsche noch buon appetito, ich bin für meinen Teil beim Italiener nebenan oder beim Türken, Griechen oder Japaner und auch dort jeweils in guter Gesellschaft).

Manchmal liebe ich sogar die Deutsche Bahn – ja, gewissermaßen lieb ich sie sogar sehr, denn ihre systematische Verrottung bringt mir nicht nur oft den Terminkalender durcheinander (die Mehrzahl heutiger Zugverspätungen entstehen durch Materialverödung: an Loks, Waggons, Oberleitungen, Weichen, Gleisanlagen, Brücken… alles marode mittlerweile), sondern geht mir geradezu ans Herz. War die Bahn nicht lange Zeit ein Generationenprojekt, das ganzen Bevölkerungsteilen Arbeit und Lohn brachte – und jetzt so schäbig behandelt, ja geradezu abgewickelt wird von weltentrückten Vorstandscliquen, die nichtmal ihre LokführerInnen ordentlich zu bezahlen bereit sind (was in anderen Ländern Europas auch heutzutage durchaus geht, wie die dortigen Beispiele beweisen)! Ich bin für mehr Konkurrenz auf der Schiene – und natürlich sollte diese Konkurrenz komplett in den Fahrplänen auftauchen, wie sonst hab ich als Passagier die Wahl…? Die Schiene selbst würde ich dafür verstaatlichen; es geht ja nicht an, dass eine landesweite Infrastruktur Gewinn abwerfen muss wie eine private Imbissbude oder eine Gebrauchtwagenfirma. Ähnlich wie Schulen, Kindergärten, Universitäten, Museen, Omnibus und die Wasserversorgung dient die Schiene dem Allgemeinwohl und sollte über dessen Steuern finanziert werden – apropos, über Strom und Internet sollten wir in der Richtung auch mal nachdenken und verhandeln. Ja, das sind selbstverständlich höchst politische Fragen – über die gestritten werden darf und soll.

Unstrittig muss bleiben, dass alle mitstreiten dürfen – weil und dass alle Menschenwesen die gleichen Rechte haben, DAS muss garantiert bleiben als Voraussetzung für alles: egal (egal! Eeegaaal!!!1!!11!) = ECHT UNABHÄNGIG DAVON, wie die einzelnen Personen aussehen, wen sie auf welche Art lieben, wen noch und wie oft, an welche sinnstiftenden Kräfte sie glauben oder ob, welche Geschlechtsmerkmale sie körperlich aufweisen und wie sie damit umgehen, welche sie wie empfinden und wie sich die Leute sexuell selber einsortieren oder ob, und wo sie auch immer herkommen mögen, wie alt sie sind oder welche Gliedmaßen sie noch haben und in welchem Zustand… undsoweiter undsofort! Die gleichen Rechte! Für alle! Mit und ohne Dings! Und auch für die mit anderem Dings! Und auch für die mit kleinerem, größerem, mehrerem oder keinerem Dings! Helles Dings gilt genauso wie dunkleres Dings, gestreiftes oder garniertes! Nichtmal Voraussetzung ist Dings! Mit und ohne! Es gilt nur: Menschenvolk! Es gibt keines, das nicht dazugehört! Eher zählte ich die Schimpansen und Orang Utans und von mir aus sogar die Wale noch mit dazu, bevor ich eins von den Zweibeinervölkern ausschlösse! Ausschließen ließe! Alle dabei! Alle gleichberechtigt! Alle frei!

All diese Freiheiten wurden über Jahrhunderte erkämpft, mit vielen Rückschlägen, Rückschritten, gegen Regierungen und geschürte Ressentiments, gegen den Klerus und seine Büttel, gegen hartnäckig herrschende „Moral“ und ihr Sittendiktat, gegen Widerstände ohne Zahl und Ende, unter unendlichen Mühen, oft hoffnungslos erscheinenden, doch jede dieser Ideen ist – anders als so manche/r, der oder die sie vertrat – am Leben geblieben und hat sich, manchmal erst nach generationenlangem Hin und Her, durchgesetzt. Dies ist mein Land: Nach einer zwischenzeitlich schrecklichen Geschichte, in der eine Generation, von der ich noch abstamme, sich aller Zivilisiertheit entledigt und Menschenschlächterei nicht nur organisiert betrieben (das hat es auch schon früher gegeben), sondern erstmals in großem Stil sogar industrialisiert hatte, können heute Frauen, Homosexuelle oder Behinderte – nur um Beispiele zu nennen – jedes politische Amt bekleiden (wir müssen uns nur noch daran erinnern, dass die auch wieder abgewählt werden dürfen… Das ist nicht so gemeint gewesen, dass die jetzt regieren dürfen, bis die Christenhölle zufriert oder die Demokrepie ganz auf Grundeis geht und alle müssen damit zurechtkommen – da habt Ihr was missverstanden… Das üben wir nochmal…!).

Ich muss mit dem, was meine Regierung macht, nicht einverstanden sein – denn nichts und niemand in diesem Land zwingt mich, bestimmte Entscheidungen gut finden zu müssen, bloß weil die Leute, die Tagespolitik (oder deren Vermeidung) verantworten, womöglich eine Vagina, gleichgeschlechtliche Liebes- und/oder LebenspartnerInnen oder einen oder zwei Rollstühle haben. Spätestens das dem jetzigen (ebenso fatal disfunktional) vorausgegangene deutsche Regierungskabinett lehrte uns ja nebenbei, dass Mösen, Migrationshintergründe, das Interesse an gleich- oder andersartigen Geschlechtsteilen anderer oder bestimmte Hilfsmittel zur persönlichen Fortbewegung – von der Krücke übern Rollstuhl bis zum Ferrari – keineswegs verlässliche (oder überhaupt) Merkmale „guter“ oder irgendwie „besserer“ Menschen – oder auch nur ihrer Gesinnungen oder möglichen Kompetenzen – sein müssen. Im Gegenteil gilt für Arschlöcher ebenso wie für – ja, warum nicht – Gutmenschen: Es ist wurscht, wen sie gerne ficken oder würden, woher sie kommen und wie das Organ aussieht, mit dem sie pinkeln, ob sie laufen können oder was sie anhaben. Darum geht’s ja: Menschen sind Menschen, egal, wie und was sie sonst sind, dran, drin oder drauf haben. „Der Mensch ist gut, aber die Leit‘ san schlecht“ kalauerte schon, ebenso witzig wie weise, Karl Valentin.

Dies ist mein Land! Und während der Zeit, da ich heranwuchs, ist es erst richtig zu dem geworden, was ich heute alles so lieben kann daran (nicht nur, aber auch!). Wir sind sozusagen zusammen aufgewachsen! 😀 Als ich ein Kind war, machte sich noch strafbar, wer unverheirateten Paaren ein Zimmer vermietete, und gleichgeschlechtliche Paare mussten sich noch ganz und gar verstecken – konnten also nur klammheimlich zueinander finden, wenn überhaupt. Noch heute ziehen sie Misstrauen, Ablehnung und mancherorts sogar Hass auf sich – ich sage ja, es gibt noch viel zu tun –, doch diese Ausgrenzungsversuche sind nicht mehr gesetzlich gedeckt, ja, nicht einmal mehr wohl gelitten in der Allgemeinheit – das hat sich echt geändert. Was die Immer-noch-Hassenden und Teile ihres Nachwuchses, die Ersthassenden, samt den Jetzt-erst-recht-Hassbeuteln um so hasserfüllter macht. Aber was fürchten die eigentlich? Mich hat noch keine Lesbe und kein Schwuler in meiner Hetero-Neigung gestört oder irgendwie eingeschränkt. Wenn die endlich heiraten dürfen (was – im Namen der Menschenrechte – weißdiegöttin wirklich überfällig ist), hinderte mich Gewohnheitshete doch nix und niemand, meinerseits denselben Fehler nochmal zu machen, hihi – die eine Dummheit schließt ja wohl die andere nicht aus, wo kämen wir hin! 😉 Von mir aus sollen alle heiraten, wen sie wollen. Es gibt gefährlichere und ungesündere Gewohnheiten, die gleichwohl erlaubt sind (und zwar allen. Wie zum Beispiel das Spekulieren an Börsen oder regelmäßiges stundenlanges Fernsehen, um nur zwei zu nennen).

Ich liebe meine Demokratie – dass sie seit Jahren geschändet, verraten, verkauft, vergewaltigt und (irgendwie typischerweise) auch noch dafür verachtet wird, wie jämmerlich sie nach solchen Torturen aussieht, macht mich wütend – aber ich sehe auch, wer ihr das antut. Irgendwelche armen Überlebenden, die aus dem Mittelmeer dahergetropft kommen, aus genau den Staaten, in die deutsche Konzerne Waffen liefern, was deutsche „Sozial“demokraten und „Christ“demokratinnen (bei einigen gehörte sogar das „-demokraten“ in schamvolle Gänsefüßchen gesetzt…) ungeniert absegnen… Beim Donner und seinem lahmen Bock, Flüchtlinge aus Terrorländern und ruinierten Staaten sind es nicht, die mein Heil bedrohen! Ebensowenig haben irgendwelche tatsächlich noch lebenden Griechinnen und Griechen meine Steuergelder auch nur centweise gesehen – all die Milliarden gingen an Banken und deren Bosse, die in diesem bösen Spiel die Bedingungen diktieren: als wahre Herrscher eines undemokratischen Europas. Was nicht so bleiben darf – und, auf Dauer, auch nicht so bleiben wird… (beim Donner und seinen drei anderen, nicht lahmen Böcken!)

Apropos Landliebe: Ich liebe auch Italien. Espressiv und al dente! Und Teile von Österreich (oder Teilinnen, hihi)! Und Griechenland. In tiefer Verehrung! Bei Pallas! Und jeden Platz in- und außerhalb Europas, wo sich Menschen versammeln für Demokratie (was sie in Spanien schon nicht mehr dürfen – der Kampf ist in vollem Gange und wogt hin und her)! Und sogar manche Länder, wo ich noch nie war, einschließlich der Südhänge der Venus… (von denen mir träumte. Mensch wird sich ja wohl noch etwas träumen lassen dürfen!) Sachlich äußern kann ich mich am besten zu Deutschland – weil ich dort wohne und den dortigen Bedingungen ebenso ausgesetzt bin wie ich sie mitgestalte.

Nein, ich sitze nicht im Bundestag und in keinem Aufsichtsrat. Ich kann mich auch außerhalb dessen benehmen – und Einfluss nehmen: meinen Teil halt, mein elementares Teilchen, 😉 auf meine Art. Menschen küssend, mit anderen streitend, manchmal beides – und immer: von, für und in Herzen singend. Ich bin sogar dafür, Europa zu lieben – die eine Liebe schließt nämlich die andere nicht aus, wisst ihr – allerdings müssen wir dieses Europa erstmal bauen. Ein demokratisches! Miteinander kann das klappen. Und dann machen wir den UTA (United Tribes of America) ein Friedensangebot! Mit Tombola und Pow Wow und analog geschlagenem Tambourin. Ja, lacht nur, lacht. Vor noch 30 Jahren hätte niemand geahnt, dass die gesamte deutsche Dichtung mal auf ein Metallstück in der Größe eines Kinderfingernagels passt… und der Mond dafür unbesiedelt bleibt. Und wer sah den Eisernen Vorhang fallen – vorher? Ich nicht. Wir sollten mehr für möglich halten. Das ist es nämlich! Auch wenn es lange nicht so aussieht…

Schaut mal, wo die alte „Erbfeindschaft“ zwischen (zum Beispiel) Frankreich und Deutschland hin ist: auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet, wo sie hingehört. Die Schulkameraden meines Opas wurden noch zu den Kanonen gescheucht für sie – und an sie verfüttert. Er überlebte knapp, zeugte meine Mutter – und die heiratete einen Mann, der mit seinen Kameraden Europa gleich ein zweites Mal in Schutt und Asche legte. Auch er überlebte seinen Krieg – verlor ihn aber gottseidank gründlich, woraufhin seinem späteren Sohn das unerwartete Privileg zustieß, in einer Demokratie aufwachsen zu dürfen. Ich war noch jünger als sie – und habe an sie geglaubt, obwohl sie nie perfekt war… vielleicht auch genau deswegen.

Meint ihr, ich lasse sie jetzt los, lasse sie fahren in Zeiten der Gefahr? Nee nee, mein Freund oder Feind, Mitstreiterin oder Verbündete. Ich bin ein Deutscher, der für sein Land steht: eines, in dem frei geliebt, frei gesprochen, frei geglaubt und frei gewohnt werden darf – woher du auch kommst und wie immer du heißt. Wichtig ist, für was wer eintritt, und wie. Meine Fahne ist die der Menschenrechte. Wo sie flattert, ist Platz für alle, die mitmachen wollen. Blut ist rot – aus welchem Herz auch immer. Es braucht nicht Hieb noch Stich – und schon gar keine Schusswaffe –, das zu beweisen. Was ist – packen wir’s an? Es ist eine Heidenarbeit. Lass uns frech sein und unverschämt: Lass uns Spaß haben dabei, und damit.

Ach ja, noch ein letzter Gruß an die Dam’n’Herren Hassbeutel: Ich bleibe übrigens hier – ganz im Sinne Eures Knatterspruchs. Wir sehen uns (hoffentlich nicht)!

ZlzL (zu lang zum Lesen): Die Überschrift (mit dem sie vervollständigenden Satzrest) lässt sich wörtlich nehmen und so zu einer sinnvollen Forderung umgestalten: an die Absender.

„…Das erst macht Kultur. Bei Wotans Brausen!
Einfluss gehört dazu – gerade der von außen.
Wenn dir Kopftücher Angst machen, bleib du doch draußen!
Oder sing mir wirklich was Deutsches:
Schonmal von Humboldt gehört oder Kant?
Was je deutsch war, ist euch doch unbekannt geblieben.
Euch hat schon Goethe nicht gestört,
Ihr tumben Säcke.
Ich zitier‘ gleich nach Belieben
Aus euch zu hoher Anspielungs-Ecke
Johann Wolfgangs ‚Götz von Berlichingen‘
Oder reime platt auf Schiller:
Brecht ihr mir erstmal ’n Bertolt
Oder blast mir aufm Arsch ’n Triller…“
Aus Betreff: morgen nacht (2004)

5 Reaktionen zu “Wer Deutschland nicht liebt…”

  1. erika enslein-löhlein

    Hi Duke, du hast dich ja mächtig angestrengt, aber es ist alles drin! Vielleicht überlegen ein paar alles gründlich, haben wir deutschen denn alles so vergessen?
    Erika

  2. espy

    Überzeugender Inhalt und toller Schreibstil. Gute Arbeit! 🙂

  3. Florian Kellermann

    Ich hoffe das möglichst viele diesen sehr treffenden Text lesen werden. Wobei ich fürchte dass er bei vielen Lesern auf fruchtbaren Acker fallen wird…. Das sind dann leider meist nicht die Adressaten um die es geht. Aber durch vieles teilen und weiterleiten erreicht man hoffentlich doch jemand aus dem genannten Klientel. …

  4. Anke

    Bravo!!!
    Danke für diese Zeilen.
    Werde sie sicher teilen.

    Einen herzlichen Gruß

    Anke

  5. Wolfgang

    Edler, sprachgewaltiger Fjölnir Eibensang,
    vieles gibt es zu sagen über dieses seltsame, uralt-viele, große, zu oft gegrößte Land –
    zu viel, als dass es hier hin passte, aber genug, dass Du es groß hier beschrieben hast.
    Dies Land ist zu groß, als dass ich es kapieren könnte – aber ich danke jedem gleich Dir, der es (und sei es in bewegt-bewogenen, ehrlichen Worten) versucht.
    Noch aurat Silkes und mein Wohnzimmer vom Odeur Deiner selbstgedrehten; und ein Feuerwerk an Worten steht hier noch dazu. Seine Hochachtung entbietet
    vom Ufer des Rheins
    Wolfgang P.

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