Eibensang

Schall und Rauch! Ein Kampfgesang

Gedanken für begonnene gesellschaftliche Beben

Ich weiß nicht, was Mahatma Gandhi gesagt hat. Bestimmt nicht alles, was das Internet behauptet, er hätte es gesagt. Ich habe nur – vor Zeiten – einen kitschigen Hollywoodfilm über ihn gesehen: über das, was er gemacht hat. Er hat den Subkontinent Indien aus der Kolonialherrschaft befreit – gewaltlos. Der Kapitalismus könnte mit mir das Problem bekommen, dass ich an seine Rührstücke glaube – wenn’s sein muss, bis Pocahontas und Avatar. Allerdings bediene ich mich anderer Mittel. Und da lerne ich eher von Typen wie Gandhi. Deren Augen sagen: Ahne das Wesentliche. Und manchmal sagen es auch ihre Taten. Das beeindruckt mich dann besonders. Ich fand Typen im Lendenschurz immer anziehend, irgendwie. Als Kind mochte ich sogar Tarzan – obwohl ich den tendenziell zu muskulös fand, um mich selbst mit ihm zu infizieren. Dem alten dürren Mahatma sah ich als junger Mann ähnlicher. Figürlich. Seit 20 Jahren bin ich Ásatrú. So nennen sich Leute, die Odin und Thor, Freyja und Tyr (und noch ganz andere Gottheiten) anrufen und germanische Kultur mögen (im Ernst. Aber manchmal haben sie sogar Humor. Was bei den Besten unter ihnen kein Widerspruch ist).

Ich kann mir gut vorstellen, was ihr euch vorstellt, das ich mir darunter vorstellte – aber ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Mein Name ist Schall und Rauch. Was stinkenden Qualm betrifft, bin ich die Rache der Fabrikschlote Großmörderdeutschlands. Und hier kommt Schall: Ich bin das Echo der Shoa. Vidar schickt mich, der germanische Rachegott: Ich soll das Nazitum mit ausbrennen – mit Stumpf und Stiel. Und mit Stil. Ihr meint, ich bin allein? Ha! Das Eis geschmolzener Gletscher kühlt mein Grinsen. Mit Stumpf und Stiel, hat Vidar gesagt. Ich bin ein Krieger entzückend trauriger Gestalt: Meine Waffe ist nur eine Zunge. Aber die hat Stil. Und mit dem brenne ich eure Vorstellungen nieder, bis der Horizont eures Geistes sich rot färbt und die Hoffnung in den Himmel lodert, dass es Sterne speit und Ideenschnuppen regnet. Don Quichotte sei mein Zeuge. Ich habe meine Windmühlenriesen besiegt. Sie standen alle in mir selbst. Ich habe überlebt – und in Friggs Kessel mich neu gebären lassen. Tach auch. Zorn züngelt aus meinem Herzen – dem Gott des Zorns zu Ehren, der auch der der Poetinnen ist, von denen ich gern eine wäre. Aber ins Gesicht mit der Eitelkeit: als leuchtende Farbe, als Zeichen! Seht mich an! Ein Krieger bin ich, vom Stamm der kätzisch Fauchenden. Uns küsst die Sonne, unsere Kriegs-, Lust- und Liebesgöttin. Wir opfern ihr Vorstellungen. Meine Waffe ist die Zunge. Mein Name ist Schall und Rauch. Mich reitet der Wahnsinn persönlich – und sein Schalk dazu. Ihr wisst nicht, was das bedeutet.

Ich habe eine Geisterarmee hinter mir – so wie Aragorn im „Herrn der Ringe“: Ihr erinnert euch dieser grünen halbdurchsichtigen Zombiekrieger, die – selbst unverletzbar, weil eh schon tot – ganze Heere und Kampfmammuts zu Fall brachten? Auch meine Geisterarmee gehorcht nur einem Eid und einer Tradition, die ich mir – als Ásatrú – lediglich zunutze mache. Es sind meine Ahnen, die mich stützen. Es sind so viele! Und unabhängig davon, welche Leben sie führten zu Lebzeiten, auf welcher Seite sie standen, was sie für Taten vollbrachten, ob Helden- oder Schand-, oder keines von beidem, oder was sie sich zuschulde kommen ließen: Jetzt gehorchen sie mir. Ich bin ihr Anführer. Und ich befahl: kehrt marsch! Das ist Militärsprech und heißt: „Wenn möglich, bitte wenden!“, nur ohne „wenn möglich“ – das wird vorausgesetzt, und es spricht auch keine freundliche Frauenstimme aus dem Navy, sondern ich rief das: ihnen zu, im Befehlston, wie sie, meine Ahnen, es immer gewohnt waren – von den Militärs, die ihr Leben prägten. Und wohl oder übel auch ihr Sterben… wie das bei Militärs nicht ausbleibt. Zwar endet jegliches Leben so, erstmal – aber unter dem Einfluss von Militärs meistens sehr viel früher. Und das ganz unabhängig davon, ob du einem solchen Verein angehörst oder nicht. Das gehört zu den Dingen, die ich gegen Militär habe – kategorisch.

Womit wir wieder bei Gandhi wären – oder anderen Typinnen in lediglichen Lendenschürzen, die mit nichts als ihrer Haut am Leib ganze Weltreiche zu Fall bringen: weil sie Ideen aufrühren, die sich fortpflanzen – und gegen die Artilleriefeuer, Kanonendonner, ja selbst Minenfelder ungefähr so sinnvoll sind wie Vorschriften bei Strafandrohung gegen, sagen wir mal, die Ausbreitung des Borkenkäfers. Wartet, bis ich mal im Lendenschurz vorm Reichstag stehe. Und dort Borkenkäfer spiele. Nur einer von Millionen… Oder die Fahne der Menschenrechte einem G8-Gipfel nachtrage wie dem Christen Petrus – eins, zwei, drei! – seinen dritten Hahnenschrei, oder was die Büro- und Technokratiehörigen da auch immer auf Feldherrnhügeln veranstalten an Volks- und Selbst-Augenwischereien auf Steuerzahlerinnenkosten. Besser: Wartet nicht! Zieht euch selber aus und höchstens Lendenschürze an. Besinnt euch: Was macht euch aus? Was ist eure Kraft? Kommt die aus Loreal? Aus dem Audi oder Mercedes oder Toyota? Aus Vitamin B oder X? Nein, sie kommt aus eurem Glauben – und damit meine ich: eure tiefsten, inneren Gewissheiten. An die Menschen, die an Haarfestiger, Autos oder technische Lösungen glauben, wende ich mich hier nicht – ich glaube kaum, dass die meine Worte lesen. Oder läsen: Sie könnten ihnen nicht folgen. Nicht, weil sie dumm wären. Sondern, weil sie meine Gedanken als irrelevant aussortieren und abstoßen müssen, um in den eigenen Denkgleisen zu verharren.

Selberdenken gefährdet Vorurteile. Und Herrschaftssitze. Wer gefährdet auch Herrschaftssitze? Jede und jeder, der und die auf ihnen nicht Platz nehmen will – sondern den aufrechten Gang behalten: für sich und andere. Ich bin ein Mann, ein ganz typischer: immer Lust… auch auf blumige Titel (denn ich bin ein Blumenmann. Unterwegs dafür, dass mehr blüht – und manchen so einiges…). Schnappe mir diesen Titel noch: Die Rache der Evolution nennt mich! Denn ich bringe den aufrechten Gang zurück in die Zivili-City. Auf, ihr Affen! Raus aus den Verzweiflungstürmen! Runter von den Karrierebäumen! Raus aus den Zwingern! Runter in die Savanne der Wirklichkeit, raus auf die Steppe ausgeschwärmt, und Kopf hoch! Denn dort ist es gefährlich – und lebenswert. Alle Werkzeuge, die wir brauchen, werden in unseren Köpfen beginnen. Wir müssen jetzt echt lernen, unsere Köpfe zum Denken zu gebrauchen. Das tut vielleicht weh anfangs. Klar: Wir haben es noch nie geübt. Aber wir haben die Voraussetzungen dafür. Wir sind die Kinder des Homo sapiens. Und wenn wir die menschliche Geschichte betrachten, müssen wir zugeben, dass wir diesem Namen etwas schuldig sind. Um ihn endlich tragen zu dürfen. Lasst uns menschlich werden. Menschlich handeln. In Massen hat dies noch niemand gewagt!

Ihr Verzweifelten! Ihr alle, die ihr kotzen mögt im Strahl über die Schlechtigkeit der Welt – und nicht nur der Welt, sondern der Nachbarn, der Leute nebenan, der – scheinbar – ganzen Umgebung rings! Was für die gilt, gilt auch für uns: Jetzt erst recht! Das können wir auch! Und erst recht! Und jetzt erst recht! Die sind viele? Wir sind mehr! Die machen Schande? Wir mehr her! Die sind schrecklich? Könn‘ wir auch! Wir sind Liebe! Kopf und Bauch!

Und für jeden Hass, der uns in die Magengrube, vor die Augen oder sonstwo in die Weichteile fährt – lasst uns irgendwo etwas Gutes tun, etwas aus Liebe geschehen. Jede Kleinigkeit zählt. Damit meine ich: Jede Kleinigkeit zählt. Ich wiederhole: Jede Kleinigkeit zählt. (Aller guten Dinge sind drei, aus drei mal drei mach neun: dass sich die Großen freu’n!) Denn das Böse ist nichts, nichts und gar nichts weiter, in seiner abgrundtiefen Besinnungs- und Gewissenlosigkeit und grenzenlosen Banalität ist alles Böse auf dieser Welt nichts weiter als geballte Substanzlosigkeit, nichts als ein Loch in der Welt, lauter schreckliche Löcher sind das nur und schrecklicherweise, eins neben dem anderen, eins größer als das andere – und manchmal scheint es gar nichts außer ihnen zu geben – aber letztlich und immer wieder: nichts, nichts und nochmal nichts sind sie, ist es – als die ledigliche Abwesenheit von etwas Gutem! Ein Mangel ist es, ein Ausbleiben: von etwas, das fehlt – und das wir weißdiegöttin und weißgott… ja, alle guten Geister und Kräfte wissen, dass wir das veranstalten können, müssen, und dürfen. Um Himmels-, vor allem anderen aber gerade und auch um Erden- und Menschenswillen: dürfen. Wage es – und verändere die Welt.

Jede Blume… guten, gewissenhaften Tuns… heilt ein Loch… des nicht getan Habens, des ausgeblieben Seins und Fehlens. Und das, Freunde, Verbündete – und ihr, die ihr noch gar nicht glauben mögt, dass ihr das werden dürft und sollt (denn wir BRAUCHEN euch – kommt endlich zurück! Hier, mein Scheiß-Feind: Ich reich dir die Hand – nimm die Chance! Komm zurück – auf die Seite, auf die du geboren wurdest als Baby: als du diese ganzen Scheiß-Gedanken noch nicht hattest noch ahntest. Ich bau dir goldene Brücken – aber geh sie – oder unter! Komm zu den Guten – es ist anstrengender, aber lohnt auch mehr…) – das spielt den Würfel wieder uns zu: Überall dort, wo wir etwas Gutes tun, machen wir die Welt besser – überall dort, wo wir etwas aus Liebe tun und mit ihr, heilen wir etwas – uns und andere, anderes – und sind auf der richtigen Seite! Dort wird niemand hingeboren – für die muss sich jede, jeder und jedes Tag für Tag und Stunde um Stunde und, wenn’s sein muss, binnen Sekunden entscheiden!

Berta von Suttner hatte recht: Vergossenes Blut werden wir niemals mit Blut auswaschen können. Um die Gewalt zu besiegen, müssen wir aus den Regeln ihres Spiels heraustreten: und der Hoffnung ein Beispiel geben, auch wenn uns damit fürs erste – und wieder einmal – die Gewalt zu besiegen scheint. Die Gewalt kennt nur sich – und sie will, dass wir an sie glauben: nur an sie, und an nichts anderes mehr. Dann hat sie gewonnen. Doch solang wir eine Hoffnung haben und leben lassen – und sei sie noch so albern, noch so billig oder rührselig oder dürftig: Das sind ja vielleicht gerade auch Zeichen, dass es auch miteinander geht und friedvoll. So bleiben wir Geliebte der Schöpfung… und gefährden der Gewalt Alleinherrschaft. Ihren Thron werden wir nur stürzen, wenn wir ihn nicht begehren. Wenn wir uns nicht auf ihn setzen – sondern uns klar machen, dass alle seine Inhaber und Inhaberinnen nur seine Lakaien sind – Marionetten eines Gedankens, den die Gewaltspirale gefangenhält.

So unerbittlich, wie sie selbst in die Zerstörung führt, leitet ein Gegenweg hinaus – aber den zu gehen, erfordert wahrhaftigen Mut, denn er findet im Gegenwind vieler Stimmen und gegen alle heroischen Bilder statt. Wir haben die Presse, noch mächtigere Medien und Armeen von Kleingläubigen gegen uns. Leute mögen darunter sein, die wir lieben – und wir dürfen nicht wirklich aufhören damit. Obwohl wir uns schützen müssen und auch verteidigen: Mit Gewalt ist es so, dass auch hier die Dosis das Gift macht. Je mehr wir davon anwenden, desto mehr vergiftet uns dies. Manchmal geht es nicht ohne. Wir sind keine Engel oder Übermenschen. Wir sind Verletzte, verwundbar – keine Opferlämmer, sondern Streitbare, und verletzen deshalb auch manchmal zurück. Aber wir müssen uns immer wieder klarmachen, wofür wir kämpfen – nicht nur wogegen, sondern vor allem, wofür. Und in alle Richtungen: warum.
Und all das müssen wir verantworten, alles, was wir lassen und tun: wir persönlich. Deshalb lässt sich darüber keine allgemeine Regel fällen. Die Abwesenheit einer solchen sei dein Ehrenmal, Menschin und Mensch. Du musst deine Entscheidung alleine fällen – jedesmal wieder. Aber wir, die es ebenso taten und tun, immer wieder, begrüßen dich in unserem Kreis – mit leuchtenden Augen. Und manchmal werden sie nass. Gut, wenn wir zueinander finden.

Wir haben Herrschende und Büttel und ganze Relügionen gegen uns. Wir haben Bosheiten gegen uns, die im Namen gesunden Menschenverstandes und im Namen sogar der Liebe ausgesprochen werden, wir haben die Welt gegen uns und wollen sie doch gewinnen – und wir werden. Wir werden immer mehr können müssen als unsere Gegner und mehr Einfallsreichtum brauchen. Wir werden uns immer etwas Neues einfallen lassen müssen. Und wir werden beständig lernen müssen und probieren und forschen – und selbst das Scheitern überstehen lernen. Müssen. Viele, viele Male. Wie wir es immer taten, wie unsere geistigen Vorfahren es seit jeher taten – in deren Reihe und unbeschriebenen Tradition wir uns mit unserem inneren Bekenntnis begeben, denen wir uns anschließen – und die wir vervollständigen und weiterleben lassen – hier. Jeder Idiot, jede unbedachte Geste sogar vermag eine Tasse zu zerschlagen – aber wieviele Kenntnisse, technisch-materielle Voraussetzungen, Fertigkeiten und, ja, wieviel Liebe, Geduld und Hingabe braucht es, eine neue zu töpfern?! Das aber sei unser Weg: der etwas pflanzt und zum Blühen bringen will, der etwas schafft und konstruiert in einer Umgebung des Zerfalls und der Zerstörung, der an etwas glaubt, was erfreut – und die Mächte des Schreckens dorthin verweist, wo der Schlaf hingeht: an den Ufern des Morgens in weichem Schlick versickernd und zergehend, zugunsten eines neuen, frohen und glückverheißenden Tages.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Im Lendenschurz. Für mich mehr als eine Metapher. Ich trug die Kleidung neun Jahre lang unterm Mai-Vollmond. In einer Gegend, wo Feuerholz und alles Wasser – zum Trinken, Waschen und Säubern – dorthin geschleppt werden musste. Wir übten Riten – alte und neue. Ich bin ein Krieger geworden. Feldherr vielleicht sogar: Einer meiner Großen hieß mich Fäden ziehen neulich, im Traum. Es gilt einen Pfeil zu finden. Ich sehe nach Afrika, nach Asien und Amerika. Hej, Schwestern und Brüder der Stämme und Lagerfeuer. Das Heilige Feuer sendet mir eure Nachrichten, ich verstehe mehr und mehr. Ich nehme den Auftrag an. Ich bin der Eure. Meine Großen werden mich leiten. Ich werde den Pfeil des Nordens finden – und zusammenkleben. Und wenn es mit meiner eigenen verdammten Spucke ist. Und ich bringe ihn zurück – zusammen, und mit der Kraft meiner Ahnen. Und dann, Büffelfrau, küss ich dich: am Feuer – und erzähl dir die Geschichte von den weißen Jägern im Norden, und was da so lange so schrecklich schiefgelaufen ist. Denn ich bin ja einer von ihnen: ihr Erbe. Danke für eure Schule.

ZlzL (zu lang zum Lesen): Um die Gewalt zu besiegen, müssen wir aus ihren Regeln heraustreten und Ehrenhafteres wagen, auch wenn das zunächst Nachteile bringt.

5 Reaktionen zu “Schall und Rauch! Ein Kampfgesang”

  1. Der alte Weg – zum Geleit

    […] Hier möchte ich Duke zitieren, mit einem Teil aus seinem Text: Schall und Rauch! Ein Kampfgesang: […]

  2. Andrea Piro

    Wir sind viele und es werden täglich mehr …
    Man findet uns nicht in der Presse sondern beim Nachbarn um einfach das zu tun was gemacht werden muss …

  3. Thorsten Grießhammer

    Das hat Hand und Fuß Duke! Ich wollte schon ewig wieder mal auf dich zurück kommen, eines deiner Konzerte besuchen, Kontakt aufnehmen, wird Zeit. Werde mich telefonisch bei dir melden. Viele Grüße aus Äpfelreich im Fränkischen!

  4. Eleonore

    Ufffzzzz !!! Soviel Berührung mit Worten !!
    Habe viel gelacht und geweint während des Lesens
    und für meinen persönlichen Thronanspruch mit heraus holt, dass ich verzichten werde !!

    Danke !

  5. Hagal

    Das spricht mir direkt aus der Seele und gibt mir das wundervolle Gefühl, wow ich bin ja mit meinen Gefühlen und Gedanken gar nicht alleine. Danke

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