Eibensang

Zum Wahlsonntag

Wo ich wohne, wird heute gewählt. Ich war auch. Hier in Baden-Württemberg. Dazu erscheint mir folgende Weise passend, ich skizzierte die Gemütlichkeitsmaschine vor wenigen Wochen bei einer Art Spiel („FAWM – february album writing month“).

Ein paar Worte (ohne gemütliche 😉 Untermalung) habe ich auch geschrieben, heute und hier.

Hier im Anschluss der vollständige Text (zur Tagesrune) – für Leute, die Facebook nicht mögen oder lesen (wo ich auf der Seite Orakeldienst Eibensang täglich eine Rune bespreche). Die Runen wiederholen sich von Zeit zu Zeit, die Texte nie. Seit vier Jahren. Demnächst erscheint ein Buch zum Thema. Aber davon sprechen wir ein andermal.
Ich wünsche euch einen gemütlichen Sonntag und uns allen eine stabile Demokratie.

13.03.2016 TIWAZ – Tyr. Das ist ein Gott, der sich entschieden hat, seine Ziele zu verfolgen, auch wenn es ihn viel kostet: in seinem Fall Gesundheit, Unversehrtheit, Wohlbefinden. Hatte er keine Wahl? Doch, denke ich: Wer mit Bewusstsein ausgestattet ist, hat immer eine. Für natürliches Bestreben halte ich, möglichst breitbandig auswählen zu können, woraus und wofür auch immer. Mit dem Rücken zur Wand zu stehen und mich mit der Frage „Geld oder Leben“ konfrontiert zu sehen, ist nicht die Wahl, von der ich träume. Mein Kreuzchen zwischen ziemlich großem und ganz großem Mist machen zu können, ist auch kein Traum, aber eine bessere Realität als anderswo – und sogar die wollen manche Ankreuzbaren noch abschaffen.

Ich bin spät dran heute: Ich war wählen. Freue mich jedesmal, im Wahllokal nur freundliche BürgerInnen anzutreffen und keine jungen Männer in Khakiuniformen und mit nervösen Fingern an automatischen Schusswaffen. Nützt alles nichts, die Ankreuzerei? Tyr ist einer meiner Götter. Der hätte auch sagen können, es nütze ja eh nichts, am Ende käme der Fenriswolf doch frei und fräße Sonne und Mond. Stattdessen ließ er sich von ihm erstmal die Hand abbeißen, die jedoch das letzte war, was das Monster für lange Zeit zu beißen bekam: Fortan lag es in zauberischen Fesseln. Der Mythos erzählt uns etwas über Verantwortlichkeit und zu tragende Konsequenzen – das ist das Thema der Rune wie auch der ihr folgenden letzten Achterreihe; ich erwähnte das gestern schon, da war ja ebenfalls Tiwaz dran. Warum zog ich heute nochmal dieselbe Rune? Fragt nicht mich, fragt die Rune. Sie will mir oder uns etwas zeigen – vielleicht hab ich’s gestern nicht kapiert, oder heute ist einfach auch etwas Wichtiges dran, auf das kein anderes Zeichen besser hinwiese.

Mit den Folgen unserer Entscheidungen müssen wir leben. Wer andere für sich entscheiden lässt, hat dies auch selber entschieden – und zu verantworten. Noch ein Wort zur Abgabe gültiger Stimmzettel in demokratischen Systemen: Ja, ich weiß aus Erfahrung, dass das mehr ist als ein rein symbolischer Akt, er hat nämlich Folgen, und nein, ich glaube nicht, dass ich allein durchs regelmäßige Ankreuzen bestimmter Namen oder Parteien die Welt verbessere oder gar rette, ich bin nicht einmal der Auffassung, dass es damit getan sei mit der Pflege und dem Erhalt meines demokratischen Heims. Da gehört schon noch etwas mehr dazu, was gar nicht viel mit Parteien oder deren oft korrupter Politik zu tun hat, dafür umso mehr mit persönlichem Anstand im Alltag. Dieser Anstand mag derzeit keine Lobby haben und überhaupt ziemlich out sein. Dafür mag ich ihn in der Wahlkabine erst recht nicht ablegen. Tiwaz ist die Rune der Entschiedenheit. Es lohnt sich, wenn du weißt, wofür du eintrittst, woher du das hast und womit du es erreichen willst. Einen klarsichtigen Tag wünsch ich euch!

Eine Reaktion zu “Zum Wahlsonntag”

  1. irka

    Word!

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