Eibensang

Mai 2004

Als gelungenen Sprung in den Wonnemond darf ich die Auftritte, Feste und persönlichen Begegnungen beim Drachenhof sowie beim Rabentreffen „Mai sei“ betrachten. Echos und Reaktionen auf Musik- wie Theaterdarbietungen wärmten mir das Herz. Lieben Gruß – und herzlichen Dank für liebevollen Empfang und hervorragende Betreuung – hier an Marduk, Nicole und Tuula vom Drachenhof… Und ebenso nochmals Dank und innige Umarmungen an Nornirs Ætt & Freunde. Hüben wie drüben, hie wie dort: Bei solchen Veranstaltern spielt man gerne – für solches Publikum sowieso. Heya! Fröhlichen Frühling euch allen.

Diesmal umstandshalber spät im jungen Jahr, aber dafür gleich um ein paar Nächte verlängert, fanden Ende Mai jene „Walpurgisriten“ statt, deren Name freilich etwas mißverständlich ist. Denn mit üblichen Beltanetreffen haben diese mehrtägigen Aktionen (im privaten Kreis in der Fränkischen Schweiz) nichts zu tun. Ein knappes Dutzend Männer und Frauen bewohnte dort für mehrere Nächte und Tage eine schöne Grotte, um in einer Mischung aus teils schamanisch, teils germanisch, teils indianisch – im Grunde aber einfach: sehr persönlich – inspirierten Übungen, Trance-, Ekstase- u.ä. „Techniken“ etwas für Seele, Körper und Charakter zu tun.

Im nunmehr fünften Jahr dieser (mir inzwischen sehr lieb gewordenen) Gesamtaktion haben sich manche Rituale vom anfänglichen Experiment zur regelrechten Tradition gemausert – wie z.B. das „Wiederzusammenführen“ der (vorher für mehrere Tage und Nächte getrennten) Geschlechter – zwei liebevolle Rituale, die diesmal eine ganze Nacht in Anspruch nahmen.

Die Frauengruppe hatte sich etwas besonderes ausgedacht, indem sie die Männer nacheinander auf einen Hügel führte – und dort jeden kurzerhand kopfüber an einen Baum hängte (Odin ließ grüßen;-). Es ist ein atemberaubender Anblick, wenn mann die Augenbinde abgenommen bekommt, und plötzlich die „Bäume aus dem Himmel wachsen“ sieht – den Körper mit Ölen gesalbt (auf die „Speerverwundung“ hatte frau verzichtet;-), dabei am Ohr mystische Verse und das nicht minder geheimnisvolle Surren eines Schwirrholzes…
Die Männer wiederum geleiteten die Frauen später durch eine Anzahl ebenso unterschiedlicher wie ausgiebiger „Sinnes-Stationen“ in einer extra dafür hergerichteten Höhle, und boten den Frauen zum Finale u.a. einen wild-orgiastischen Tanz in Tiermasken. (Im Grund nischt Neues: halt wie vor 36.000 Jahren… Siehe hierzu auch das brandneue Singvøgel-Liedchen „Feuersang“:-)))

Gemeinsame Abschlußzeremonie war dann (wie immer) das Verbrenen der alten Besen und Stäbe vom Vorjahr, und das Überreichen der neuen „Wunschträger“ nach einem Lauf über Glühkohlen. Die Übungen der Tage und Nächte davor dienten (außer obigen „Geschenk-Ritualen“) der individuell -inhaltlichen Vorbereitung dieser Aktion… All das kann ich hier nur vage andeuten – mag an dieser Stelle aber reichen.

Auch diesmal gab es tiefe seelische Prozesse und z.T. heftige Einzelerfahrungen zu bestehen – und abermals habe ich das Gefühl, daraus gestärkt hervorgegangen zu sein: mit wacherem Körper und klarerem Sinn, auch: bewußterem Geist als vorher. (Mal ganz abgesehen davon, wie gut es tut, fast eine Woche lang „draußen“ zu hausen, barfuß zu laufen, und klares Wasser zu trinken.)

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