Eibensang

Himmel küssen

Wovon ich die nächsten Monate lebe, weiß ich noch nicht. Aber ich weiß, wofür. Neue Saiten aufgezogen, und das Chaos um mich herum seh ich gar nicht (das kleine in meiner Wohnung, nicht das der großen Welt -das krieg‘ ich mehr mit, als der noch mal lieb sein wird…) – beim Musizieren küss‘ ich den Himmel.

Ich habe alles, was man mit Geld nicht kaufen kann. Manchmal brauch ich Bestätigung von außen, dass das wichtig ist. Und die krieg ich ja auch. Kraftquellen allerorten. Ich spür die Verbindungen -zu den Lebenden wie den Toten. Liebe ist mein Motor. Schon immer gewesen -es hatte einst nur furchtbar lange gedauert, dass ich ihn anwerfen konnte. Ich wusste nicht, dass es den gibt. Götter -was wusste ich überhaupt je? Was weiß ich heut‘? Hoffe doch sehr, dass es -in gewisser Weise -wenig genug ist. Denn ich will noch gewinnen.

Traut eurem Instinkt, Leute. Das ist der zweitälteste Teil unseres Gehirns -die Schicht, die noch unter der liegt, wo deine Vorurteile wummern. Wenn die sich grad melden, bist du noch nicht tief genug getaucht. Nicht klar, wovon ich rede? Denk ich mir schon. War ein bisserl Psychonautik-Fachgesimpel grad. Ich bin ein Seelenflieger. Tauche in Menschen ein: da, wo sie ihre Hölle haben. Zeig ihnen den Himmel, der sich küssen lässt. Er wartet auf dich. Hier in diesem Leben. In deinem. Da ich meinen gefunden habe, erreichst du deinen auch.

Verabschiede die Stimmen: die auf dich einstürmen, von innen und außen, und von denen du eh schon immer wusstest, dass sie dich klein machen und unten halten wollen. Blühen sollst du, nicht verkümmern. Du wirst gebraucht. Nicht von den Neidern. Nicht von den Idioten. Aber für die Welt! Die ganze! Die neue! Die heile! Sie ist nicht heil, noch nicht, noch lang nicht -schon klar. Aber wie soll sie das ohne dich werden? Und für wen soll sie heilen -wenn nicht für dich? Was du nicht tust, bleibt ungetan. Also tu, was du wirklich willst. Damit ist die Welt gut beraten. Schau dir all die an, für die du schwärmst. Du gehörst dazu. Komm her. Komm endlich. Jetzt.

Die Nachrichten lügen -vor allem durch Verschweigen. Das Fernsehen ist eine schlimmere Droge als Heroin (von dem kommt man nämlich wieder runter, mitunter). Meine Eltern hatten unrecht. Deine auch. Dasselbe dürfen unsere Kinder von uns sagen -das Recht ihrer Generation, und ihr Auftrag. Ich erfülle hier mal meinen. Die Verbindung steht trotzdem, auch deswegen. Trau deinem Bauch. Den tiefsten Schichten deines Empfindens. Weißt schon: dem unter den doofen Vorurteilen.

Zwischen Himmel und Erde steht ein dünnes Band der Sehnsucht -eine flüchtige, windige Säule, die sich von unten nach oben rankt. Sie ist die Blaupause für dich als Menschengeschöpf. Füll sie aus mit deinem Körper, deinem Leib. Stell dich da hin. Zwischen Himmel und Erde. Füße auf dem Boden. Arme hochgereckt. Atme ein, atme aus. Verbinde die Welten. Den Traum mit der Wirklichkeit. Sie werden nur miteinander heil. Sie wirken nur miteinander. Einzeln sind sie öde oder kraftlos. Zusammen sind sie der Hammer. Der Hammer bist du. Mach dich dazu. Wirke. Werde. Du bist nicht allein.

Bestimme die Regeln. Wenn es nicht deine sind, folgst du denen der anderen. Denk darüber nach, welchen Regeln du folgst. Lern sie erkennen. Das ermächtigt. Das ermöglicht. Mehr als du meinst. Das Herz hat immer recht. Der Verstand ist nur ein Hausmeister. Nichts gegen ihn: Er sollte seinen Dienst tun. Nur halt nicht als Chef. Da ist er überfordert. Schau dir die Leute an, die nur ihrem Verstand vertrauen. Kleingeister. Mach deinen Verstand zum Diener deines Herzens. Lass ihn den Alltag managen, aber deine innersten Gefühle das letzte Wort haben. Die wichtigsten Entscheidungen treffen wir unterhalb des Bewusstseins. Magie ist die Kunst, darauf Einfluss auszuüben. Sie ähnelt der des Klavierspielens. Anspruchsvoll -aber erlernbar. Kein Hexenwerk, möcht‘ man fast sagen. 🙂 Mehr eine Sache von kritischer Selbsterforschung, und sehr viel Fleiß. Konsequentem Dranbleiben. Inklusiv Pausen. Bleib gelassen. Lache. Und mach irgendeinen Blödsinn, der Spaß macht. Schüttel dich aus. Liebe! Vergiss den Geist nicht. Er ist das Geschenk der Schöpfung. Hör auf deinen Körper. Tu ihm Gutes. Er ist das Werkzeug, der Tempel deines Hierseins, dein Lebens-Hauptquartier, Quell deiner Freuden und Leiden: deine Heimat. Als Ich und als Du. Ohne ihn wären wir alle nur Gespenster. Lass uns das Leben feiern! In tiefstem Ernst. Plappernd und uns echauffierend, küssend und kämpfend, blutend und weinend, lachend und tanzend. Schweigend und schwitzend.

Ich ziehe Saiten auf, werfe die abgespielten, stumpf gewordenen weg. Erfreue mich meiner Finger. Wo die schon hintauchten! Wieder glitschen werden! Und freu mich auf Finger, die ich kenne, vermisse, wieder spüren will -nah und fern. Bin ja auch gern mal Gitarre. Oder Bass. Spiel mich. Ich singe. Knurre und raunze, kreische und bäume mich auf -und schüttle mich, erzeuge Rhythmus und bringe alle zum Schütteln, Stampfen, Wildwerden und Tanzen. Mein Programm ist der Kontrollverlust. Aber nicht zum Selbstzweck. Ich meine Gottesdienst. Schöpfungsekstase. Sich ganz hingeben. Das ganz Kleine, das Urwinzige, mit dem Übergroßen verbinden. Unerlaubtes stets wagen. Liebe als Motor. Ohne Einschränkung. Die Finger gehören dazu. Glück ist machbar. Und es mehrt sich, wenn man’s teilt. Alles richtig Gute wird mehr, wenn wir’s gemeinsam genießen. Welcher Erlebnisse möchtest du dich erinnern, in dem Moment, wenn du stirbst? Da wir unzweifelhaft sterben werden, sollten wir ebenso leben. Damit das alles stimmt und stimmig wird: das, was wir sehen und fühlen -und das, was wir nicht ermessen können, aber auch wichtig ist. Weil wir ein Teil davon sind. Und einen Auftrag haben. Keinen für Kleingeister.

Ich habe meine Seele entkleidet und kämpfe nackt. So erkennen Freund und Feind mich besser. Wenn ich lerne, angstfrei zu leben, schaffe ich es vielleicht auch, angstfrei zu sterben. Angst ist Götterferne. Ich weiß, wovon ich rede. Ich war ein solcher Feigling. Hatte Gründe dafür. Wir alle haben welche. Aber niemand erzählt uns die andere Seite der Medaille. Die der Möglichkeiten. Die der Verwandlung -der steten. Denn nichts ist je fertig. Alles fließt. Jeden Tag neu? Jeder Tag neu! Jede Nacht meine. Im Idealfall: unser. Auch: unsere gemeinsame. Schlick und Glitsch. Wonne ist wichtig. Sie schlägt verkrustete Verhältnisse auseinander, bricht sich Bahn, macht Platz für Veränderung. Für Neues. Es ist ein altes Spiel, ein überaus großes. Es heißt Schicksal -gell, niemand hat uns verraten, dass wir an seinen Fäden ziehen dürfen? Aber wir dürfen. Ich lade dich ein, dein Leben selber zu gestalten. Ich lade dich ein, mein Herz zu berühren. Da, wo sich Herzen berühren, zittern Weltreiche. Wir sind auf der stärkeren Seite, vergiss das nicht. Bei all der Macht, die die anderen schon so lange haben und unerbittlich ausüben, müssten sie uns längst ausgerottet haben. Aber sie schaffen es nicht. Hass produziert Leichenberge. Von Mensch und Tier. Gleichgültigkeit ist der Beton, auf dem sie liegen. Es gibt Sachen, für die gibt es keine Worte.

Ich dreh mich, ich schwitze, ich singe vom Träumen, träume hellwach und schlage auf Saiten. Weiß nichts zu sagen und sing meine Texte, weiß nicht, ob’s wer hört oder wie sich das anfühlt, spiel meine Riffs und ergeb mich dem Rhythmus, lasse mich tragen und befehle meinem Verstand, aufzupassen auf den Weg… seine Marken zu achten: die Wechsel, die Weichen, die Tonart, die Regler, die Taktung, die Färbung, den Einsatz, den Break.

Mein Fuß stampft den Takt mit, meine Seele ist oben. Ganz oben. Ist das dein Blick auf meiner Brust? Sprich mich an hernach -ich kann dich nicht sehen in diesem Moment, obwohl ich dich spüre. Es ist nicht wichtig, ob wir uns kennen -und nur halb so, ob wir uns verstehen werden. Du ermöglichst mein Fliegen. Meine Trägheit und Erfahrung -sie geben mir Halt, ich spüre den Boden. Ich empfing eine Weihe in der Kuhle von Säuen, ich schlief in Wäldern, ich hasse Socken, bin lieber barfuß; weiß nie genau, wo ich bin, aber immer warum und wofür, ich lasse mich leiten, lasse es gleiten, ergeb mich dem Singen, dem Steigen des Tons. Lasse ihn wachsen. Bis in die Wolken. Da, wo der Regen wohnt. Durch dessen Fallen die Sonne bricht.

Eine Reaktion zu “Himmel küssen”

  1. Peti Songcatcher

    Danke Duke, dass nenn‘ ich ZeitGeist! Ja, sich verbinden – vertikal zwischen Himmel & Erde, horizontal im Kreis – mit den Lieben, den Verbündeten (menschlich, tierisch, pflanzlich, ..); family of blood, family of spirit… Sagen, was es braucht, was DU brauchst – weil – sonst weiss es ja Keine(r) … Komm‘ in den Kreis – willkommen 🙂

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