Das Lächeln des Eises
Es war kalt. Ich ging in die Hocke, griff der Kruste ins harsche Weiß. Der Schnee schockte mir die Hand nass. Ich tat mir die Kristalle auf die Wangen, flüssige Kälte lief mir den Hals hinab wie ein Gebirgsbach.
Als ich aufschaute, stand ein Mädchen auf der Lichtung. Ihr vielleicht zwölfjähriges Lächeln war todernst, doch aus ihren dunklen Augen sangen vergessene Zeitalter.
Ich erinnere mich nicht, was sie anhatte, denn mein Blick fiel immer wieder links und rechts auf ihre schmalen Hände. Die kraulten ruhig und zärtlich die Nacken von zwei silbergrauen Wölfen.
Du weinst ja, sagte sie.
Nein, sagte ich.
Es ist nur das Eis, das schmilzt.
Text © Duke Meyer 1993
CD “Im Schein der Silbersichel” (Dez. 2000)
Elecktrohonig Schweinepriester 1994-1996