Eibensang

Diener der Ekstase

Faunische Verse – Hexengesänge – Getrommelter Erdendonner
mp 04 dex
Stromloses Solo 1997-2001
Pressestimmen

Eigener Kommentar:

Der „Diener“ war die erste Solo Show, bei der ich vollständig auf Musik-Playbacks verzichtete. Die kühne Idee dahinter war anfangs nur gewesen, mir durch den totalen Verzicht auf technisches Equipment u.U. auch eine „Tour per Bahn“ zu ermöglichen: also auftreten zu können, ohne mit dem Auto anreisen zu müssen. Das aber -Anreise per Bahn -versuchte ich nur ein einziges Mal: bei einer Vorpremiere in Karlsruhe. Der Seesack mit den Requisiten -eigentlich alles nur Kleinigkeiten -war so voll und so schwer, dass ich den Traum der „autofreien Tournee“ komplett aufgab: vielleicht was für Pantomimen.
Ich hatte immerhin ein Bühnenbild: 13 weiße Schälchen, gefüllt mit Wasser und brennenden Schwimmkerzen, in einem großen Halbkreis um mein Spielfeld verteilt: Das sollte die 13 Mond-Monate symbolisieren.

Nach bestimmten Szenen oder Songs löschte ich jeweils ein Licht -bis ganz am Ende nur eins übrig blieb: das ich für einen letzten Singvers in die Hand nahm, und am Schluss des „Ausgesangs“ (der deshalb auch so hieß) ausblies -Blackout, und gut!

Der „Diener“ wurde auch die erste Show, bei der ich keinerlei Kostüm- oder Maskenwechsel mehr betrieb. Fast schon war mir der Gedanke ans Kostüm selbst lästig: Ich bedeckte meine Beine mit einer erdfarbenen Leggins und trug am Oberkörper ein grobes Leinen-Top -eher gerissen und gebunden als genäht, ohne Ärmel, hüftlang, mit einem Gürtel oder Strick zusammengehalten. Einziger Outfit-Scherz war ein schwarzer Pferdeschwanz, der mir (vom Gürtel gehalten) am Hintern hing. Die Füße wie immer nackt, das Haar lang und offen.

So kam ich auf die Bühne bzw. den jeweiligen Spielplatz: um den Oberarm noch ein paar Blätter Löwenzahn gebunden für die gleichnamige Anfangsszene. Sonst hatte ich kaum Requisiten: Deren Löwenanteil machten im ersten Jahr der Show noch eine Anzahl von Percussion-Instrumenten aus, die ich fast alle nur requisitös (also ohne sie zu spielen) bei dem Text Beltane einsetzte (der später in den Zugabenteil verbannt wurde: wo er erst, eines schönen nachts auf einer Freilichtbühne irgendwo in der Pampa, ganz freihändig seine ideale Umsetzung fand – in Interaktion mit Publikum nämlich).

Vom Veranstalter verlangte ich außer einem Stuhl nur einen Holztisch: stabil genug, mein Gewicht auszuhalten (und ja: eine gewisse Anforderung an die „minimale Raumhöhe“ gab es daher auch), aber leicht und klein genug, ihn mit Karacho umwerfen zu können bzw. dies auch zu dürfen. Samt Hinweis, bitte kein Erbstück zu verwenden, da „ein Dolch hineingerammt“ würde im Verlauf der Show.

Der „Diener der Ekstase“ wurde ein stiller Erfolg: still, weil ich mich überhaupt nie um Presse bemühte damit -erfolgreich aber, weil ich für kaum ein Solo so viel persönliche Resonanz bekommen habe insgesamt. Am Anfang hakte es noch: Da waren der Mehrheit der Zuschauer die vielen heidnischen und esoterischen Anspielungen oft erkennbar fremd und unverständlich -dies änderte sich im Laufe weniger Jahre (wohl trendbedingt) ohne mein Zutun, aber sehr zu meinen Gunsten.

Der „Diener“ hatte einen -inhaltlich sehr runden -ersten Teil: Es war jener, der mir das große Lob der Einzelnen einbrachte. Der zweite Teil aber war es, der -mit deutlich mehr Action bis hin zu kabarettistischen Einlagen -das Publikum insgesamt in Stimmung brachte. Mit anschließenden Zugaben konnte das Gesamtereignis leicht mal dreistündig geraten. Ich versuchte daher immer wieder, den „Diener“ irgendwo sinnvoll zu kürzen -scheiterte aber jedesmal an obigen Aspekten: Der erste Teil war rund, aber zu kurz um abendfüllend zu sein; der zweite Teil war unterhaltsam, aber führte inhaltlich woandershin (gefühlterweise). Beide Teile zusammen waren zu lang, jeder für sich allein aber zuwenig (nicht nur zeitlich).

So im Zwiespalt, spielte ich den „Diener der Ekstase“ zwar über einen längeren Zeitraum, aber selten: Diese Gelegenheiten ließ ich mir eher aufdrängen, als sie etwa zu suchen.
Bis heute stolz bin ich auf die Inszenierungen vor allem der Prosatexte Brunft und Blatt für Blatt (deren beider Urfassungen ich für Zeitschriften geschrieben hatte: entgegen meiner Gewohnheit also ursprünglich nicht für Bühnenzwecke).

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