Eibensang

Albumschreibemonat

Der kürzliche Tod meines Vaters und die begonnene Demenz meiner Mutter ließen mir den Alltag mit tausend Kleinigkeiten überschwemmen, die mir das Gemüt belasteten – da kam FAWM gerade recht. February album writing month: Wer es schafft, in den 28 Tagen und Nächten dieses kurzen Monats mindestens 14 Songs zu schreiben, hat gewonnen. Bei FAWM gibt es viele Gewinner: Tausende. Ich gehöre jetzt zu ihnen.

Wie die meisten Neulinge, brauchte ich eine Weile, bis ich begriff, was da passiert. Es kommt nicht so auf handwerkliche Finessen an – auf die Aufnahmequalität schon gar nicht. Es geht um den Prozess des Entstehens – und den Austausch darüber. „You can’t wait for inspiration“ sagen die FAWMER – und lehrten mich, knappe Minuten zu nutzen zwischen Tau und Tag oder Gestresstsein und Mondschein. Dass ich zur selben Zeit auch noch das Rechnersystem wechseln musste – neben meinem Dauerpendeln zwischen Wien und D’land – empfand ich da fast schon als ironisches Augenzwinkern freundlicher Götter.

Ich besuchte unglaubliche Wohnzimmer… war Ehrengast fremder Bräuche und exotischer Riten, lauschte den merkwürdigsten Geschichten nie gekannter (oder vordem höchstens als Klischee missverstandener) Milieus: nah und fern, all over Mama Globus. Rapper und Klavierspieler, Chanteusen und Hardrocker, Wildlinge und Bügelfaltenmucker, Perlenbringer und Ideenbeschwörerinnen: FAWM zeigte mir, was Internet sein kann. Es ist, als hätte man ein Lebtag lang nur hübsche, aber gleichförmige Models auf dem Laufsteg beobachtet – und plötzlich gerät man in eine echte Kneipe voller Volk: wirklicher und unverwechselbarer Menschen, mit ihren Macken, Eigenheiten, Liebenswürdigkeiten. Und gerade da fiel mir dann auf, wie viel wir – bei all diesen unüberhörbaren Unterschieden – gemeinsam haben. Und was da in uns pulst: jeder und jedem auf ureigenste Art und Weise.

Und ich sag euch was: Ihr glaubt gar nicht, wie schön die Welt sein kann – außerhalb des täglichen Wettbewerbs. Ohne diesen Druck, andere übertrumpfen zu müssen oder von jemand übervorteilt zu werden: Da beginnt sie erst, die Lebensqualität. Da hört man plötzlich ganz anders hin. Oder sogar: zu.

Als der Februar vorüber war, hielt ich mein eigenes offenes Herz in der Hand. Erst nach eine Weile wurde mir klar, dass das noch ein Sonderpreis war. Ein ganz hoch dotierter Bonus. Solange FAWM noch online ist, gehe ich auf Streifzug. Und ich komme wieder.

Hier sind meine 14 Lieder. Und hier auch, und – natürlich – noch ein paar mehr.
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-> alle Beiträge zum FAWM 2010

Eine Reaktion zu “Albumschreibemonat”

  1. Dee

    GLückwunsch!!!
    Du hast es geschafft! *freu*

    😉

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