Eibensang

Überfremdung

Studie erforderlich! Von vielen Bürgern unbeachtet, mehrt sich ein erschreckendes Phänomen in unseren Innenstädten. Wo noch vor wenigen hundert Jahren schmucke kleine Läden und Handwerksbetriebe das Flanieren durch die City gemütlich und beschaulich machten, fühlt man sich allmählich zunehmend überfremdet durch glänzende, protzige Portale so genannter „Banken“, „Sparkassen“ und anderer Geldinstitute. Bekannterweise gefährden die Machenschaften solcher dubiosen Organisationen – deren internationale Verflechtungen für Außenstehende oft undurchschaubar bleiben: Zufall? – nicht nur das Erwerbsleben und die Vermögenswerte unbescholtener Bürger, sondern mittlerweile die gesamte Volkswirtschaft – weltweit. Muss man da nicht mal darüber nachdenken, wenigstens „Monopoly“ zu verbieten? Dieses seit Jahrzehnten frei im Handel erhältliche Toleranzkillerspiel, das nicht einmal einen Computer braucht (es funktioniert unabhängig von Betriebssystemen!), fördert das Konkurrenzdenken unserer Kinder und fordert „spielerisch“ zu rücksichtsloser Bereicherung auf Kosten anderer auf! Muss man sich da noch wundern, wenn selbst Achtjährige schon damit liebäugeln, später mal „BWL“ zu studieren und von „viel Geld“ (für sich selber und alleine!) träumen, anstatt Kranke pflegen zu wollen (Eltern: SIE könnten betroffen sein!), bildende Künstler zu werden oder wenigstens ein Musikinstrument zu erlernen.

Damit nicht genug: In aller Öffentlichkeit – und oft zur besten Sendezeit -treten Hassprediger auf, die ohne Rücksicht auf unsere demokratische Grundordnung alle Nichtmillionäre – also Leute mit geringem, keinem oder auch nur weniger Einkommen -als „arbeitsscheu“, „unnütz“ oder „Schmarotzer“ beschimpfen, ohne dass die Polizei einschreitet und solche Hetzer auf Nimmerwiedersehen in die nächstbeste Völkermordregion abschiebt. Wie lange wollen wir noch zulassen, dass eine Minderheit sich permanent abschottender Millionäre, denen jeder Gedanke an Toleranz und Sozialgemeinschaft fremd ist, schamlos unsere gewählten Parlamentarier bis zur Kenntlichkeit korrumpiert und zu ihrem Sprachrohr macht? Das muss man schon mal fragen dürfen: Was haben Einwohner uns fremder Einkommensschichten, die hemmungslose Raffgier in großem Stil („Gewinnoptimierung“) und pausenlosen Arbeitseinsatz (wohlgemerkt: den anderer! – Stichwort „Effizienz“) predigen, eigentlich in unserem Kulturkreis verloren? Wohlgemerkt: Ich habe nichts gegen Leute mit Einkommen – einige meiner besten Freunde haben Einkommen, oder kennen jemand, der so ausschaut als käme ihm was ein. Ich hab sogar selber schon hin und wieder was eingenommen, geb ich gern zu. War halt nicht immer Geld.

Es geht ja nicht um Pauschalverurteilung – ich bin kein Linker (was man an meinem T-Shirt mit ohne Che Guevara drauf sieht) – sondern nur um eine Minderheit, die sich einfach nicht in unsere Gesellschaft integrieren will: Börsenspekulanten z.B. stellen nichts her, reparieren nichts, tragen nichts zur Freude oder zum Wohlergehen anderer bei, sondern schöpfen beständig nur den Rahm ab, den andere – Leute wie Sie und ich – mühsam erwirtschaften. Es sind genau die Beträge, die allen anständig Arbeitenden monatlich auf dem Konto fehlen, um ebenso anständig, wie sie ihre Arbeit tun, über die Runden zu kommen. Denken Sie mal darüber nach, wenn Sie übers nächste Schlagloch brettern, dass der teure Stoßdämpfer umpft oder ihren Kindern der Putz von der altersschwachen Klassenzimmerdecke auf die Köpfe bröselt: Warum haben die Kommunen kein Geld mehr fürs Instandhalten öffentlicher Einrichtungen – von Kultur ganz zu schwelgen? Hat ihnen das der Penner vom Stadtrand weggenommen? Soviel könnte der, wenn er’s denn hätte, mit seinen ganzen Schicksalskumpels ein Lebtag nicht versaufen! (Fusel vom Supie kostet, auch in raueren Mengen, zudem immer noch wesentlich weniger als Verköstigung von Businesspartnern im 1st-Class-Resto mit anschließender Callgirlbestellung…) Das Problem liegt viel zentraler. In Börse und Bank (nicht am Schalter, Schafsnase – in der Chefetage!) – da sitzen sie, die Armutsgewinnler, Desozialisierer, Mittelstandsvernichter, kurz: die Hassprediger von Intoleranz und quasireligiösem Bereicherungsfanatismus. Die in unsere Lebensverhältnisse so wenig integriert sind, dass sie jederzeit das nächste Flugzeug – wenn nicht sogar den Privatjet – nehmen können und abhauen, wenn’s hier brennt. Wolle mer se rauslasse‘? Sofort. Aber das Geld sollen sie zurücklassen: Es ist unser. Zum Schlagloch! Wir stiften ihnen jederzeit gern ein Abschiedsfest. Mit Bands und Dönerstand und Tombola. Wenn’s sein muss – wenn’s wirklich nicht anders geht – sogar mit Feuerwerk. Ja, Feuerwerk!

Alternativlos? Nein: Dieser Begriff war nie der unsere. Wir verwenden ihn nur, wenn man ihn uns aufzwingt. Was sich in letzter Zeit häuft.

2 Reaktionen zu “Überfremdung”

  1. Ringlord

    Wie immer, treffend auf den Punkt gebracht 😉
    bb
    Arnd

  2. Niemand

    Ich lese den Blog erneut. Sehr gut. Und sehr eloquent. Banken, Bier & Business – mit anschließender Call Girl Bestellung.

    Man darf nur nicht denken, dass die Bosse es für sich selber bestellen (ausgenommen VW). Es wird für jene bestellt, die damit bestochen werden sollen… und es klappt, weil die Menschen sich bestechen lassen wollen.

    Auch Terroristen lassen für ein paar Milliönchen Erpressungsgeld die Bonzen am Leben, die sie eigentlich killen würden wollen. Und der Banker macht halt weiter, wenn ein 18jähriges Fickmädel auf seinem Schoss sitzt…
    -keine Rechtfertigung – aber eine Erklärung-

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