Eibensang

März 2009

Genau 50 Jahre ist es jetzt her, dass ich auf Eurem schönen Planeten notlandete. Leider nicht in meinem Raumschiff: Das musste ich umstandshalber auf dem Mond zurücklassen (nach langer Flucht durchs Multiversum…). Stattdessen ließ ich mich in einen Menschenkörper gebären – etwas unbedacht, denn damals scherte mich herzlich wenig, dass der irgendwann altern und sterben würde. So lange wollte ich nämlich ursprünglich gar nicht bleiben! Eigentlich hatte ich vorgehabt, noch im 20. Jh. mit Euren Astronauten auf den Mond zu fliegen – wo nach wie vor mein gutes Raumboot auf mich wartet. Doch das ist jetzt leider unerreichbar geworden – obwohl es ja nur lumpige zwei Lichtsekunden bis dorthin sind. Aber wer hätte vorausahnen können, dass Ihr die Raumfahrt am Ende nur dazu begonnen habt, um mittels erdnaher Satelliten ein paar stumpfsinnige TV-Sendungen rund um die Uhr empfangen zu können…

Und dann dieser ewige mörderische Tribalismus! Ich hab zwar immer den Standpunkt vertreten, im Rat der Neun Mächte und woanders: Man muss Geduld haben mit den Randständigen – und gerade auch so einer labilen evolutionären Seitenzweig-Entwicklung wie dem Rasenden Stumpfkopfprimaten (oft fälschlich „Halbhirn-Killeraffe“ tituliert. Die korrekte Bezeichnung ist Artefactus debilensis – der sich selbst „Homo Sapiens“ nennt) ihre Chance geben. Hab mir das jetzt ein halbes Jahrhundert lang aus nächster Nähe angeguckt. Und muss Euch daher auch schon mal sagen: Eieiei! Der Aufstieg einer jungen galaktischen Zivilisation sieht anders aus.

Nach dem Totalversagen des technischen sowie des sozialen Fortschritts bei Euch (speziell diese ganzen Paarungs-Tabus hab ich bis heut‘ nicht so ganz kapiert…) hielt ich mich in letzter Hoffnung an Eure neuen Hexen – die ja, wie es hieß, bei ihren Ritualen „den Mond herabholen“. Hab dann ein paar dieser Rituale mitgemacht – aber der Mond ist immer oben geblieben. Naja. Den Versuch war’s wert. Was soll man machen?

Sieht also ganz danach aus, dass ich für den Rest meiner Menschenkörpertage hier unten bleiben muss. Ich beantrage daher Asylverlängerung. Und – um mal ganz ehrlich zu sein (wir sind ja unter uns hier): Ich für meinen Teil bin gar nicht so unglücklich darüber. Ihr habt phantastische Landschaften (immer noch, ein paar zumindest…). Und die Farben Eurer Sonnenläufe! Ist schon ein schönes Fleckchen Dreck hier. Und mit manchen Eingeborenen verstehe ich mich ja ausnehmend gut. Ihr habt so was – Unschuldiges, Unverbrauchtes manchmal… Wenn Ihr Euch nicht gerade an die Gurgel geht, seid Ihr richtig sympathisch – trotz allen Aberglaubens. Auf Eure Kulturleistungen steh ich ja eh: Spaghetti aglio e olio, Rock’n’Roll, Stringtangas – Ihr seid’s schon ein leiwander Haufen (wie’s in mei’m hiesigen Lieblingskral dazu sogn). Lasst uns ein Hörnchen heben und dann noch eins! Met ist – neben Musik – das Beste, was Ihr je erfunden habt. Damit seid Ihr einzig im ganzen Multiversum – wisst Ihr das überhaupt?

Gebt’s mir ein paar Küsse – und seid nachsichtig, wenn ich bei der einen oder andern Sache immer noch mal danebentappe. Ist nicht bös gemeint. Ich hab Euch Musik mitgebracht. Mit Worten garniert: in meiner Lieblingssprache. Ich sing sie Euch vor. Ist sie nicht schön? Wie sie rollt, wie sie knackt! Wie sie knattert und klackt! Wie sie weint, sich verströmt! Wie sie flüstert und stöhnt! Auch wütet, aufbraust – und lacht! Und was die Liebe mit uns macht! Wie sie lächelt, röchelt, versöhnt… Ist es nicht schön? Dort aber, wo die Wortsprachen scheitern, muss man sich küssen. Auch das ist Zungentanz. Im Grunde kommen wir doch alle aus dem gleichen Ei. Sagte man bei uns. Aber gilt doch auch für Säuger, irgendwie … oder?

Wie auch immer: Schau, Schöne, ich töte Dämonen für dich. Verwandle sie zurück in Herzensdiener, die sie sein sollten von Anbeginn. Ich bringe dir einen Diamanten, der zerfällt an der Luft. Was übrig bleibt, ist ein Hauch. Kein „Quantum Trost“. Ich bin nicht James Bond. Ich bin nur Eibensang. Das fast unmerkliche Zischen eines Pfeils im Wind. Ich bin das Geräusch, mit dem die Sonne ins Meer taucht jeden Abend. Ich bin das eine Blatt, das die Winde stehengelassen haben. Ich bringe das kleine, beharrliche „Trotzdem“. Mit mir kommen: die Große Sau, der Feurige Hammerschwinger, der Alte Wanderer. Die Erfüllende, und die Erlaubende. All die Großen.

Verzeiht mir, oder lasst es. Da wo ich herkomme, ist es üblich, das brennende Herz offen zu tragen.

4 Reaktionen zu “März 2009”

  1. Karan

    Aus der Notlandung eine schamlose Tugend gemacht… 🙂

  2. blink

    …danke für deine E-Mail! 🙂

  3. Dee

    Huhu Duke,

    psst *flüster* es ist April… 😉

    Grüßlis
    🙂

  4. Anu

    Ui upps ver… nunja, is ja nix Neues, dass ich konsequenter Weise Geburtstage vergesse – das schaff ich ja sogar mit meinem eigenen…
    Also nachträglich ein dickes, fettes „schön, dass Du da bist“ (was überigens auch irgendwie in die Kalbs – le- ber- wurst Schiene reinpassen könnte *ggg* wenn ma ein dassdu drausmacht *grinsel*)

    Aber im Ernst – schön, dass Du hier gelandet bist udn es Dich gibt *schmatz*

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