April 2009
Schon wieder halb ´rum, das Mondchen… und ich hab nur “…as usual” zu vermelden. Gestern wollte ich an dieser Stelle - an solchen Gelabers Statt
- einen “Song des Monats” veröffentlichen. Eine kleine Tonaufnahme nebenbei ist ja technisch kein Thema. Über ein Thema kam´s aber auch musikalisch nicht hinaus: Zwar erschrubbte ich mir die Nacht über zwei passable Ideen auf der Gitarre - aber zu einem Text hat´s nicht mehr gereicht. Lieber sind mir solche Einfälle ja in umgekehrter Reihenfolge: Einen fertigen Text zu vertonen, gelingt mir meist schneller, weil mein Basisrepertoire zur Erstellung lediglicher “Songgerüste” (Akkordfolgen mit vielleicht noch ein paar Ideen für den Rest, was dann die Kollegen verwerfen…
) überschaubar ist.
Aber schon vorhandene Songgerüste vertexten wird häufig zur quälenden Dauerlast im Hirn: Tage, Nächte, Wochen - immer dieselbe verdammte Melodei im Kopp, die einen offenen Vokal am Anfang verlangt, mindestens ein “U” in der Mitte (an bestimmter Stelle), aber der Ausklang der Zeile darf nicht zuviele “E”-Laute haben und schon gar kein “I”. Oder so ähnlich. Beim einen Lied so, beim andern anders. Aber immer ziemlich vorbestimmt. Das reduziert die Anzahl der verwendbaren Worte für Text, und spätestens da wird´s dann inhaltlich eng. Schließlich will ich was möglichst Unvernünftiges texten, das aber sinnvoll singbar ist. Und natürlich beharre ich weiterhin darauf, Liedtexte nach Sound zu schreiben. Die Inhalte sind bei mir eh immer dieselben, da bin ich ganz anspruchslos. Aber gut klingen muss es, und natürlich wahrhaftig sein! Wenn ich mich damit nicht identifiziere, so mein Glaube - wen soll es infizieren?
Bei Liedern wie Reich mir die Hand oder Feuer für den Stamm trug ich monatelang die Musikideen mit mir herum: Riffs, Rhythmik und Melodien fertig - Text aber Fehlanzeige. Bei “Reich mir die Hand” war´s besonders schlimm, weil ich Karan gefragt hatte, ob ihr zu dieser Refrainmelodie eine Textzeile einfiele - ich sang´s ihr als Lala vor - und sie krähte spontan: “Kalbsleberwurst!”
Für mich der typische Einfall eines Menschen, der nicht nach Sound textet, sondern nach Sinn. Der Ohrwurm “Kalbsleberwurst, wir ha´m noch Kalbsleberwurst” (das “wir ha´m” wär dann von mir gewesen…) verfolgte mich nächtelang bis in den Schlaf - und war morgens beim Aufwachen gleich wieder da. Ich ersetzte die Empfehlung mit der Wurst testweise durch ein “Leck mich am Arsch” - vom Wortklang her hätte das gut hingehauen und ein paar knuffige Verse dazu wären mir sicher auch noch eingefallen: zum Beispiel zur politischen Lage. Aber eingedenk der Neigung unserer Fans, Textteile live gern mitzusingen, stellte ich mir dann vor, wie ich auf der Bühne stünde, und ein voller Saal gröhlte mir das volkstümlich vereinfachte Zitat des Götz von Berlichingen entgegen… Mein inwendig sehr zartes Rampensau-Selbst hätte das vielleicht doch persönlich genommen, irgendwann. Ich will ja Applaus von meiner Klientel - bräuchte ich das nicht, hätte ich ja auch Polizist werden können oder Gerichtsvollzieher.
Nun, es hilft alles nix - ich habe keine Songskizze zum hier Reinstellen, sondern nur Gelaber, das lediglich meine wirklichen Probleme ausspart, denn so doll sind nicht mal die. Ich bezweifle, dass ich größere hab als du oder du. Man wird nicht gefragt, in welcher Haut man stecken möchte, aber ich hab mich an meine gewöhnt und würde sie nicht mehr tauschen mögen. Daher bitte ich um Nachsicht, wenn ich hier nicht singe: “……” - zu einem zugegeben recht geilen Riff, dessen Eingangsakkord ich jetzt zugegeben nichtmal benennen könnte (meine Hand ist, so weit so menschlich, alleweil schlauer als mein Kopf), aber vielleicht wird´s ja doch noch was. Mit dem Song. Auch. Soweit mein Beitrag zur Finanzkrise. Denn mein Kapital sind Worte. Und meinen Kurs krieg ich schon wieder hoch. Schließlich setzte ich nie auf faule Kredite. Nichtmal auf … Kalbsleberwurst!
“Kalbsleberwurst” - ungewöhnlich sind solche Texteinfälle nicht; das Erste, was Paul McCartney auf die Melodie von “Yesterday” einfiel, war ” scrambled eggs”.