Eibensang

März 2004

Berlin. Es hätte bereits vor Ort politisch interessanter werden können: beim „Heidentreffen“ am 13.03. im „Sahara-City“, Moabit.
Vor dem Konzert der Singvøgel war u.a. Vicky Gabriel – eine Autorin des umstrittenen Arun-Verlags – mit einem Vortrag angekündigt.
Und wir, die Singvøgel, hatten beschlossen, dort entsprechend Stellung zu beziehen: mit unseren einschlägigen Liedern wie auch Bühnenansagen:
Kurz vorher, im Internet, hatte eine dubiose Nazi-„Heiden“-Schar erwogen, auf dem Treffen zu erscheinen – die uns allerdings dann doch erspart blieb (samt ihrer in einem erbärmlichen Deutsch gehaltenen Parolen gegen „jüdische Parasiten“, „israelische Arschficker“ und „christliche Untermenschen“…).

Doch vor Ort in Moabit kam es dann nichtmal zu einer Diskussion: Vicky Gabriel und ihr Mann William Anderson sagten – zehn Minuten vor Einlaß – ihre Teilnahme ab und verschwanden (O-Ton Vicky: „Dies ist nicht unsere Veranstaltung.“).
Der Grund waren keineswegs etwa die Nazi-Drohungen im Vorfeld gewesen (Vicky Gabriel beklagte hernach öffentlich gar noch deren „Ausgrenzung“!):
Veranstalter Matthias Wenger hatte lediglich – trotz merkwürdiger Versuche seiner Kollegen im Vorfeld, jede noch so sanfte Kritik am Arun-Verlag zu verhindern – ein paar kritische Broschüren ausgelegt (in welchen die Arun-Autoren Gabriel & Anderson nichtmal erwähnt waren): ging und geht es da doch um die subtile Strategie des Arun-Verlegers Stefan „Björn“ Ulbrich, zwischen allerlei diskutable Werke (wie z.B. die von Vicky) rund um Heidentum und Spiritualität auch immer wieder Bücher eindeutig rassistischer Publikateure wie Julius Evola, „Weisthor“ u.ä. einzustreuen.
Allein die sachliche Information darüber waren Gabriel und Anderson sowie einigen Mitveranstaltern des Festes offenbar schon zuviel freie Meinungsäußerung Andersdenkender…
Betuliche Sorge um die „Ausgrenzung“ fanatischer (möglicherweise gar gewaltbereiter) Haßbeutel – während sachlich formulierte Kritik an einer perfiden Verlagsstrategie bereits zur „Hexenjagd“ (O-Ton V. Gabriel) hochstilisiert wird… Gerade von einer Autorin wie Vicky (deren Buchtexte bislang zumindest inhaltlich respektabel, teils sogar vorbildlich waren) hätte ich doch wenigstens etwas mehr sozialen Instinkt erwartet. Vergeblich!
Mit ihrer notlosen Solidarität zu ihrem Verleger (der auch als Autor sein indifferentes Verhältnis zu Menschenrechtsfragen erkennen läßt) haben sich Vicky Gabriel und William Anderson damit wohl endgültig in einem zunehmend zweifelhaften Lager positioniert. Für mich auch eine menschliche Enttäuschung ersten Ranges…

Das Singvøgel-Konzert wurde ein (gegen Ende gar fröhlich durchtanztes) Fest… Und für uns eine Bestätigung, daß es sich lohnt – und bitter nottut – Farbe zu bekennen, und das auch einzufordern: gerade in der sog. „Heidenszene“.
(Die Angelegenheit wurde jüngst noch in verschiedenen Internetforen diskutiert, u.a. www.nornirsaett.de, www.rabenclan.de, www.sternenkreis.de …
Siehe hierzu auch meinen aktuellen Text Freundchen!)

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