Eibensang

Der Preis und sein Wert

Ich habe nachgedacht. Genauer: Der Kommentar einer Freundin meines Schaffens gab den Anstoß, der Rest kam mir im Traum.

Aus Gründen der Selbstwertschätzung und des aufrechten Gangs (meiner wie deiner Person) werden die Preise aller meiner Angebote demnächst – konkret: zum 1. Mai 2014 – den reellen Erfordernissen angepasst. Ja: in Richtung ihres Wertes angehoben.

Die Zeit des Tändelns ist vorbei – ich verkaufe keine Schnäppchen, die schnell hergestellt sind und sich im Vorbeigehen konsumieren lassen, sondern Qualität mit einzigartigen Merkmalen. Was es bei mir zu holen gibt, liegt um vorzeigbare Niveaustufen oberhalb des Massenmarkts. Sowas gibt es nicht länger zum Wegwerfpreis von Schlachtabfällen. Wir verhandeln nicht in der Gosse, sondern als aufrechte Menschen, mit nennbaren Ansprüchen, auf sonnenbeschienenem Terrain.

In allen Bereichen – vom Bühnenengagement über Seminare und dichterische Werke bis hin zum handgefertigten Runenset: Jedes meiner Angebote ist das Ergebnis hingebungsvoller Arbeit, die weder Feierabend noch Wochenende kennt. Herzblut und Handwerk, Inspiration und Liebe, Ausdauer, Vielfalt, exklusive Authentizität und reflektierte Lebenserfahrung sind die Merkmale meiner Erzeugnisse: ihr A und ihr O.

Also auch ihr P wie Preis. Mein Leben ist meine Arbeit. Jeder Verkauf ermöglicht mir beides. Ich mache nichts „nebenbei“ – außer vielleicht meinen Hausputz, aber der geht nur meine WohngenossInnen was an. 😉

Der Mondübergang April-Mai bietet passende Symbolik: Am 30. April ist Beltane, einst das Fest des keltischen Fruchtbarkeitsgottes Bel, heute gern als Walpurgisnacht gefeiert von Hexen und SympathisantInnen irgendwie lustvoll gemeinter, mehr oder minder spirituell intendierter Lebenshaltung. Der 1. Mai ist der „Tag der Arbeit“ in der Tradition der Industriegesellschaft – und obzwar inzwischen weitere und ganz andere Prägungen dazukamen und in den Vordergrund traten, z.B. umfassende Digitalisierung aller Lebensbereiche, ist Industrie das Wurzelmerkmal unserer Gesellschaft, auf dem alles Neuere beruht.

Aus „gefühlter Hexerei“ und „rational erwirtschafteten Lebensgrundlagen“ ergibt sich ein gewisses Spannungsfeld: Aus genau diesem resultiert all meine Arbeit, mein Handwerk, meine Kunst, mein Begehren. Ich will den Spreizschritt verkleinern, bevor er mir buchstäblich die Eier zerreißt. Als Kind dieser Zeit: all ihrer Einflüsse. Denn meine Spiritualität, meine „Religion“, hat sich längst vermählt mit den progressiven, sich systematisch wandelnden und weiterentwickelnden Weltbildern der Wissenschaft: Schon als Halbwüchsiger sank ich in die Knie vor dem Anblick der Galaxis Andromeda. Die Weite und Tiefe des Alls, die Größe der Schöpfung suchte mein Verstand vergeblich zu efassen. Dem Herzen gelang das Ahnen. Es wurde mein Leitbild.

Was die Messbarkeiten wissenschaftlichen Bemühens offenlassen, füllt meine Schöpfungsleidenschaft in überbordender Manie. Ich schuf mir Götter, die mir gemäß sind – und denen ich dankbar sein darf, dass sie mich erschufen. Das ist so eine magische Gegenseitigkeit, die ich zwar nicht im wissenschaftlich korrekten „Doppelblindversuch“ des Labors beweisen kann – aber umso mehr im praktischen Zurechtkommen, im so genannten Leben.

Was hat ein Bühnenauftritt von mir gemeinsam mit einem Seminar, dem Inhalt eines elektronisch verbreiteten oder gedruckten Buchs – oder gar dem Einbrennen altgermanischer Sinnzeichen in gesägte und handpolierte Holzscheibchen? Was ist das alles für ein Angebot?

Es ist eine Wertschätzung deiner Bedürfnisse. Du bist eine einzigartige Person. Der Massenmarkt hat eine Menge Reize zu bieten, aber macht dich zur anonymen Kundin, zum Käufer, zur Nummer – einer von Hunderttausenden. Mit mir trittst du in Kontakt. Verlangst und erhältst Persönliches auf ebensolchem Weg. Das ermöglicht persönlichere Werte. Vom möglichen Austausch über solche ganz zu schwelgen.

Es hat etwas sehr Altmodisches. Wie zum Schuster zu gehen und sich ein Paar ganz persönliche Treter anfertigen zu lassen – die dann aber auch sitzen. Die ein Lebtag halten – und bei Bedarf individuell repariert und neu angepasst werden, je nach Erfordernis. So bietet dir das nichtmal der Mittelaltermarkt – ich aber jenseits jeder betulichen Nostalgie. Denn meine Sachen sind fürs Jetzt. Fürs richtige Leben. Wenn auch meist eher ideller, geistiger, sinnlicher – mithin: kultureller – Natur als ledigliche Schuhe.

Es hat auch etwas atemberaubend Neumodisches: Auswege aus der Anonymität. Das ist so neu, dass es eigentlich unbezahlbar wäre. Aber so bitter nötig, dass ich es anbiete: mit all meinem Können, meiner Lust, meiner ganzen Kraft. Lass uns einen Handel tätigen. Einen, der uns beide stolz weiterschreiten lässt. Einen, der uns beide bereichert. Über den Austausch, den wir haben. Ich will dich ehren, deine Persönlichkeit treffen, dein Herz beflügeln, deine Augen strahlen sehen. Diesem Ziel gilt mein Schaffen: dass du dich gemeint fühlst – weil du es bist.

Probier es aus. Bei mir hält dich keine Hotline auf Abstand mit Säuselmelodien, Wartezeiten und dann ahnungslosen wie unterbezahlten Sklaven, zum Schönschwätzen verdonnert. Ich schreibe, ich singe, ich musiziere mir die Seele aus dem Leib, ich reiße mir den Arsch auf für dich. Erreiche ich dich, erreichst du mich. Lass uns den Kapitalismus weichknutschen, bis er stirbt. Für eine bessere Welt, in der wir alle besser leben können: mit vielleicht weniger angeblichem „Luxus“, dafür aber mehr tatsächlicher Lebensqualität. Was bitter nötig ist. Wovon mehr Menschen profitieren können als bislang. Nicht möglich? Schau auf Rom: einst ein Weltimperium, heute nur noch vatikanische Schrulle und Garant für interessante mediterrane Gerichte und etwas Lebensflair. Who the fuck is Washington? Die Evolution geht weiter – auch die geschichtliche. Nichts bleibt, wie es ist. Das sollte – angesichts heutiger Aussichten – doch Hoffnung machen. Im Zweifelsfall: Machen wir den Anfang.

6 Reaktionen zu “Der Preis und sein Wert”

  1. du weißt

    Gratulation! Zur Wandlung. Zu deinen Werken und Arbeiten. Verbunden mit einem umfassenden Segenswunsch für dich und was du erschaffst. Einzigartiges. Kraftvolles. Seelenwärmendes. Umarm dich!

  2. MartinM

    Nachvollziehbar, Duke. Ich weiß unzufälligeerweise in etwa, wie Du lebst, und es ist mir mitunter ein Rätsel, wovon Du eigentlich lebst.
    Mich persönlich betreffen diese Preisteigerungen ja eher weniger, bisher bin ich jedenfalls nicht als Kunde in Erscheinung getreten.

    Ob ich diesem Schritt folgen kann? Selbst, wenn ich es wollte, könnte ich es nicht. Weil ich schlicht keine Dienstleistungen, spiritueller oder sonstiger Art, anbiete. (Es wäre in meiner Situation – Du kennst sie – aussendem mit einem enormen bürokratischen Nerverei verbunden, wenn ich solche Dienstleistungen anbieten würde – wenn ich es überhaupt könnte.)

    Ob ich – ähnlich denke, fühlem meine, wenn ich etwas sehr persönlichen zum Verkauf anbiete? Etwa Gemälde?

    Ja, sicher. Zum Beispiel damals, als ich zusammen mit ein paar Gleichgesinnten an einer kleinen Kunstausstellung – einer von der Art, bei der die ausgestellten Gemälde käuflich zu erwerben sind – teilnahm. Ich – wir – hatten alle für jedes Kunstwerk nicht nur eine „Preisvorstellung“, sondern ein Limit, unter das wir auf keinen Fall gehen würden, auch zum Freundschaftspreis nicht.
    Es kam, wie es kommen musste. Ein Frau, ziemlich wohlhabend nach meiner ersten, zweiten und dritten Eindruck, interessierte sich für eines meine Gemälde. Sie versuchte aber, mit mir zu feilschen, den Preis zu drücken, So weit, dass sie unter mein absolutes Limit ging.
    Ich verkaufte das Bild nicht. Das Dumme dabei: es gab sonst niemanden, der das Gemälde kaufen wollte.
    Marktwirtschaftlich gedacht ist der Fall klar: mein Preis war zu hoch.
    Allerdings habe auch ich, als „Künstler“ (schreibe ich in Anführung, dennn das, was ich da anbot, hatte keinen künstlischen Anspruch), oder besser: Kunsthandwerker – meinen Stolz. Bevor ich meine Arbeit – immerhin ein Original, immerhin in einen Maltechnik ausgeführt, die nicht jeder beherrscht –
    zu einem Preis verkaufe, der in der Preislage billigen Reproduktionen aus dem Kaufhaus liegt, verkaufe ich sie lieber gar nicht.

    Das ist gegen die Logik, die Professor Sinn, der Lieblings-Wirtschaftswissenschaftler der Springer-Presse, predigt: Besser irgendeine Arbeit als keine Arbeit (auch wenn aufgestockt werden muss, es also um staatlich subventioniert Billigjobs geht), besser eine Ware / Dienstleistung etwas über Selbstkostenpreis verkaufen, als gar nicht verkaufen.
    Tja, was ist der Selbstkostenpreis eines Tempara-Gemäldes?
    Die Paareurofunfzig für Material und Werkzeug? Oder darf ich mir einen kalkulatorischen Lohn einreichnen?
    Oder schlicht der „Marktpreis?“ Wobei das mit den Marktmechanismen am Kunstmarkt so eine Sache ist, zumindest, seitdem Kunst als Geldanlage gekauft wird.

    Du siehst, das Dilemme ist deutlich, und es ist innerhalb der kapitalistischen Denkhorizontes nicht auflösbar.

    Übrigens: „Ich will den Spreizschritt verkleinern, bevor er mir buchstäblich die Eier zerreißt.“
    Ich spüre, wie mich das Nicht-Vereinbare, der dialektisch nicht auflösbare Gegensatz zwischen naturalistischer Ratio und persönlicher, ziemlich mystischer, Metaphysik, innerlich zerreisst.
    Den billigen und bequemen Ausweg, einfach zu sagen: Es ist alles nur in meinem Kopf, alles eingebildet, alles Projektion – oder schlicht Wahnsinn – und dann die blaue Kapsel eines reduktionistischen Weltbildes zu schlucken, den habe ich mir vor Jahren selbst verbaut.

    Egal, so, wie Du es machtst, machts Du es schon richtig, Duke!

    MartinM

  3. Sabine

    Also ich würde auch gerne ein Kochbuch kaufen, da ich die Rezepte hier auf dieser Seite lecker und für mich so schön einfach zubereitbar finde. Das mit dem „einfach“ meine ich absolut wertschätzend. Da würde ich auch gerne was zurückgeben. (Gut) Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Grundlegener geht´s für mich fast nicht.

  4. novemberkaninchen

    Ja, Duke, ein Kochbuch. Mit Bildern und allem schnickschnack 🙂 Was muss ich tun, dass du dir das ernsthaft überlegst? Also ich meine im Rahmen meiner Möglichkeiten.

  5. Dee

    @ Duke,
    wahrhaftig und richtig so!

    @ Martin
    Deine Gemälde haben den Wert, den Du ihnen bemisst. Kunst ist definitiv nicht mit marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu bewerten (alleine diese Formulierung ist hier schon völlig fehl am Platz, leider fällt mir grad keine bessere ein :-s). Sicher ist ein Verhandeln legitim, aber Dein Verhalten war absolut richtig! Wer Deine Kunst nicht zu schätzen weiß, sie nicht genug wertSCHÄTZT um Dein Limit zu respektieren, hat sie nicht verstanden, oder ganz einfach nicht verdient! Grade was Kunst betrifft finde ich es wichtig, dass der Künstler sich selbst treu bleibt, bevor er seine Kunst verdiscounted. Schätze Dich selbst, das ist der Anfang. Respekt und totales Verständnis für Deine Entscheidung!

    Dee

  6. MartinM

    @Dee:
    „Deine Gemälde haben den Wert, den Du ihnen bemisst.“

    Ein problematischer Ansatz. Erst einmal ist Kunsthandwerk – und aus meiner Sicht ist Malen, Zeichnen, Komponieren, Musizieren, Schreiben usw. grundsätzlich das selbe wie jedes andere Handwerk auch, d. h. es gibt kein mystische Qualität, die ein Gemälde von einem Schrank unterscheiden würde. Keine Tischlerin baut einen Schrank zur „Selbstverwirklichung“ und niemand fände es in Ordnung, wenn Tischler vielleicht (mit Glück) Ruhm und Ehre gewännen, aber seht oft nicht von ihrer Hände Arbeit leben könnten.
    (Duke schrieb da mal eine tolle Satire: „Rockband sucht den Catering-Star“, in der er einfach mal jene verschrobene Maßstäbe, die an Musiker (=Kreativhandwerker) angelegt werden, auf ein „normales“ Handwerk angewendet hatte.)

    Daher ist mein Ansatz, der Verkaufspreis eines Gemälde so zu kalkullieren, wie ein selbständiger Möbeltischler einen einzelgefertigten Schrank kalkulieren würde, völlig folgerichtig. Als „Kulturschaffender“ unterliegt man, wie auch die Kunstwerke, ganz selbstverständlich den ökonomischen Bedingungen. Und die sind hier und heute, wenn wir noch Glück haben, marktwirtschaftlich. (Kapitalismus geht übrigens auch ohne Marktwirtschaft, und die, die die „Märkte“ ideologisch überhöhen, sind nicht immer die, die sich wirklich um funktionierende Märkte scheren.)

    Das zweite Problem: der Wert, dem ich meinem Schaffen beilege. Der hängt extrem von meinen Launen und Befindlichkeiten ab. Bei reinen „Hobbysachen“, also solchen, bei denen es weder einen Auftrag gibt, noch die realistische Aussicht, sie zu Geld zu machen, geht dieser subjektive Wert regelmäßig gegen Null. Es geht mir, wenn ich Amateur (=“Liebhaber“) bin, ums „Machen“ – das fertige Produkt ist unter Umständen nichts wert. Ein Bild, dass ich zum Vergnügen malte, oder auch ein Roman, den ich auch Spaß an der Feude schrieb, hat den „Preis“ Null!
    Einmal, es ist schon lange her, da wollte mir jemand eine selbst gezeichnete Graphik, die ich nicht verkaufen wollte, abkaufen.
    Ich habe sie vor seinen Augen in kleine Fetzen gerissen.
    „Nicht zu verkaufen“ heißt „nicht zu verkaufen“!

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