Eibensang

August 2007

Sengsonnenmürbe Serpentinen… auf und ab und rauf und runter, Steilhangkurven, staubig und schmal. Hohe Klippen, tiefe Buchten: zahllos fast wie die Wellen selbst… Das Meer türkisblau, warm und still (nur in der Brandung spielerisch). Nixe und Nöck sind da entstiegen, Funken hat’s gesprüht und Wasser auch, im ausgelassenen Liebesreigen.

Und mitten im allerschönsten Sommerloch haben die Singvøgel ihren flüsterleisen Auftritt beim „Bell, Book & Candle“-Festival in Klagenfurt: stromlos rocken am Lagerfeuer; ein batteriebetriebenes 2-Watt-Verstärkerchen läßt E-Bass-Riffs immerhin erahnen – auch wenn die Rockgitarre wie aus der Dose klingt (und zwar einer besonders kleinen). Aber Super-Stimmung: Nach spätestens zwei Stunden ist nur noch „Wunschkonzert“. Und manche Fans, die singen nicht nur die Refrains, sondern ganze Strophen mit! Ein Fest.

Nochmal tief abgetaucht danach, mit Noraias und McLyrs schönster Tochter, obwohl die keine Tunnel mag (denn Berge durchbohrt man nicht): ins weltälteste Salzbergwerk, und in der Eisriesen unterirdische Paläste… Im alten Keltenland herumgestreift, wo die Seen eisblau sind und rings ums Tal die Riesen schlafen: jene grau-schroff bewaldeten, die hoch sich türmen und nebelschwitzend am Wolkenhimmel lecken. Weißbepudert ihre Nasenspitzen, doch wie machtvoll ihr Gebein: die Landschaft groß. Der Mensch ist klein. „Heast es nit?“ Nein, Hubert. Ich hör es nicht, „wie die Zeit vergeht“. Mir ist, als hätt‘ ich alle der Welt. Aber das liegt am Frieden. (Und für den will ich kämpfen!)

Ach… Die „Skyline“ von Wien, die grandiose Weite der Donauufer oberhalb der „Copa Kagrana“: wo die begradigte Neue Donau ihre Lichterketten und buntbevölkerten Hängebrücken mediterran inspirierter Cocktail-Wuseligkeit widmet – wenige beherzte Schritte weiter aber die Alte Donau ihre stillen Wasser, ihre knorrig bebaumten Ufer und ihre frechen Enten hat – diese Landschaft und Gegend ist mir zu einer herzklopfenden Freude geworden.

Das liegt natürlich weniger am Preis-Leistungs-Verhältnis vom Billa, den nostalgisch anmutenden Öffnungszeiten der Trafiks oder gar dem spröden Uncharme dortiger 60er-Jahre-Mietskasernen, die ihre mechanischen Schließmuskeln dem tütenbepackten, konsumwilligen Endverbraucher grundsätzlich entgegenstemmen (denn in jener Ära wurden Häuser ganz offensichtlich nicht für Menschen gebaut, sondern gegen sie…). Nönö – so sieht das nur von außen aus. Inwendig stieg ich durch Welten, flog den Drachen, tanzte den Triumph der Träumer, ließ mich umarmen von den Schenkeln der Donau, der alten wie der neuen, grüßte die Krähen auf luftigem Balkon, blieb selber der alte und werde doch ein neuer: mit jedem abermaligen Empfang im Wasserschloß. Bumm-bumm… geht das Herz. Und so weben die Großen (Götter) ihr Werk: unbeeindruckt von unseren kleinlichen, angstumflorten Grenzen. Nennt mir bessere Götter! Ich sterbe jederzeit gern für die meinen. Aber stellt euch vor, dafür erst zu leben!

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