Eibensang

Auf eigener Baustelle

Puh – soeben (Ende Jänner 2017) alle Fotos dieser Webseite neu verlinkt (weil Ipernity, wo ich seit je alle Bilder lagerte, den Betrieb einstellt)… und dabei mal wieder bemerkt, dass auch das Leben, meines zumindest, eine Baustelle ist. Ich kann ja keine monotone Arbeit tun, ohne mir ein paar höher fliegende Gedanken zu machen – bin ja Mensch (oder gebe mir zumindest Mühe, dieser lustigen Primatensorte anzugehören… klappt auch so einigermaßen. Meistens).

Die altbackene Aufmachung dieser Seite verzeiht mir bitte weiterhin… Kenntnisse und Zeit reichen mir nicht aus, hier mal was Knuffigeres hinzubasteln – ich nutze meine Homepage vor allem als Archiv für gezielte Verlinkungen, zum Beispiel wenn ich nach Konditionen für Seminare gefragt werde oder wenn jemand einen bestimmten Text von mir haben will.

Eine Menge Texte enthalten nach wie vor Zeichenfehler – nachdem die Seite mal „zerschossen“ war, wurden manche Details bei der Wiederherstellung nicht korrekt autokonvertiert. Inhaltlich sah ich zudem etlichen Texten soeben ihr Alter an – zwar glaube ich nicht, dass ich in irgendeinem hier wirklichen Quatsch erzähle, aber vieles würde ich inzwischen doch anders schildern und beschreiben. Spätestens in meinem Alter sammelt sich halt viel Vergangenheit an… und ich habe wenig Lust, die mir verbleibende Zeit mit mehr Büroarbeit zu verbringen, als sein muss. Ha! Als ich Mitte Zwanzig war, glaubte ich mich nur genau und wahrhaftig genug ausdrücken zu müssen, um „verstanden“ zu werden – nun ja, es beflügelte immerhin meine Formulierungswut… und bis vor kurzer Zeit meinte ich noch, dass es mir grundsätzlich gelänge, einigermaßen „Zeitloses“ zu verfassen. Aber selbst, wenn ich meine künstlerisch intendierten Texte in aller Regel nicht an Ereignissen des jeweiligen Zeitgeschehens aufhänge, überleben sich viele doch letztlich einfach stilistisch. Ich bin mal so frei, dies meiner eigenen Entwicklung gutzuschreiben. In die ich ja schon einiges investiere: seit bald einem Vierteljahrhundert (huh, wie das klingt! Aber es ist wahr).

Nehmt daher die ästhetische Fragwürdigkeit und etwaige inhaltliche und stilistische Defizite dieser Webpräsenz als Begleiterscheinungen eines glücklichen, wilden und aufregenden Lebens! Ich tanze lieber zwischen Kunst und Liebe beziehungsweise mit beiden unter dem Segen meiner Großen, als mich beständig um eindrucksheischende Repräsentation meiner Persona zu bemühen. Bin Rampensau genug – aber von der alten Schule, die das erlebte Ereignis seiner beschönigenden Abbildung vorzieht. Und ich lebe wirklich so, wie ich will. Es war ein weiter Weg. Ich ehre jede geflossene Träne und trage all meine Narben (naja, fast alle) mit Stolz und Hingabe.

Zur Zeit funxioniert hier kein einziger Musiklink – aber klang eh alles nicht so doll. Nicht so richtig fickgut. Die Songs, die sich auch in meiner Abwesenheit, also via Konserve, vorspielen lassen, muss ich noch aufnehmen! Kauft meine gedruckte Lebensphilosophie, die ich als „Runenbuch“ tarnte (Das Lied der Eibe), oder bucht mich live! Kommenden Mond, im Febi, mache ich wieder eine Songskizze nach der anderen, bei FAWM (february album writing month), jenem weltweiten Spiel just for fun, aus dem wir Singvøgel seit Jahren unser weiter wachsendes Repertoire kreieren. Es ist ein spannender Prozess für mich geworden. In einem der vergangenen Jahre ging es mir darum, einen kenntlichen Gitarrenstil zu entwickeln – wohin ich immer noch unterwegs bin, aber jener Februar-Output war eine wichtige Station… Im Febi darauf wollte ich mal wissen, was ich überhaupt mit meiner Stimme anstellen kann – das weiß ich jetzt. Dieses Jahr lasse ich mich komplett überraschen von dem, was die Großen mir eingeben und zulassen mögen… Bin gut ausgerüstet und hoffe, von jeder Grenze frei zu sein… „If you find a rule – break it“, empfahl der Filmkomponist Hans Zimmer kürzlich in einem Kurzvideo – ich nehme mir gern Erfahrungen großer Künstler zu Herzen, besonders, wenn die sowieso etwas ganz anderes machen als ich. Fiel schon irgendjemandem auf, dass ich seit je unheimlich viel von Chuck Berry, Pete Townshend und (die Liste muss unvollständig bleiben: nenne hier nur die Bekanntesten) sogar von den Rolling Stones klaue oder „abkupfere“? Nein, denn ich übertrage jeden Einfall, der mich erschüttert und begeistert, in meine eigene Sprache und Verhältnisse. Ich kopiere nichts und niemanden – ich könnte das gar nicht. Selbst wenn ich etwas direkt nachahme, wird es etwas mir Eigenes. Und außerdem hab ich selber auch noch ein paar Einfälle… einige der besten waren eigentlich Unfälle. Auch hier drängt sich mir wieder der Vergleich zum Leben auf. 🙂

Was das Zeitgeschehen betrifft, so habe ich spontan nichts dazu zu sagen – nichts, was ich nicht schon seit gefühlten Ewigkeiten deklamiert hätte. Trump, AfD, Rassismus, Kriege und deutsche Dilemmen (Dilemmi, Dilemmata?)? Kann nicht behaupten, davon unberührt, ungeschockt (ob der Wirkung) und unbeeindruckt zu bleiben. Aber meine Überraschung hält sich in Grenzen. Ist nicht so, dass ich irgendetwas vorauszusehen – oder auch nur zu ahnen – imstande wäre. Dafür bin ich zu weltfremd, sicher auch zu sehr von eigenen Dringlichkeiten besessen und getrieben. Aber ich kämpfe immer gegen dieselben Aspekte – und für und mit denjenigen, die sich mir als die richtigen erwiesen. Ich mach kein neues Fass auf, bloß weil sich die da draußen mal umziehen oder ein neues Fähnchen umhängen. In der Beziehung bin ich wirklich gealtert – im Sinne von gestärkt. Könnt ihr euch das vorstellen? Ha… So manche überschnappende Neuigkeit, die herausgeplärrt wird, als seien ein rotierendes Rad oder der nächste dräuende Weltuntergang (je nach Anschauung) das ganz heiße Ding, verschwindet, mehr oder minder an- oder unangenehme Gefühle auslösend, zunächst mal in meinen Halsfalten (um nichtsdestotrotz von dem großen Menschenorgan oberhalb meines Halses bearbeitet zu werden… Ich meine das Hirn. Und dann erst die Stimme, die ihm Ausdruck zu verleihen bestrebt sein sollte. Und nicht umgekehrt, wie es mal wieder Mode zu sein scheint). Jou: Ich wär auch lieber jung geblieben – von der Erscheinung her. Aber so lange mich noch großartige Frauen lieben (und ich hab ja die dem trägen Zeitgeist nach wie vor auffallend vorauseilende Marotte, zu jeder, die mich liebt und die ich irgendwie ebenfalls schätze, ein persönliches Verhältnis aufzubauen, ha – und zu pflegen!), kann ich meiner Leiblichkeit die Ansehnlichkeit ihres Lebensalters verzeihen…

Das ganz heiße Schlusswort unterbleibt diesmal hier – ich hab einfach zuviel vor. Noch vor wenigen Jährchen betrank ich mich an solch lauen Abenden derartig mit Rotwein, dass mir irgendwas Heißes hochkam – aber dafür bin ich gerade einfach zu gut drauf. Soll heißen: Ich betreibe das Management der eigenen Existenz momentan aussichtsreicher als einst. Muss an zu vieles nicht nur denken, sondern es tatsächlich unter relativer Kontrolle – nennen wir es Einfluss (denn ich bin alles andere als ein Kontrollfreak) – behalten: so, wie ein Wagenlenker „sein“ Pferdegespann. Ich rufe die (als) animalisch empfunden Kräfte, die mich gleichermaßen ziehen und treiben, bei Namen (ich gebe ihnen neue, wo ich keine vorfinde oder mir die tradierten nicht genügen oder passen) und achte aufs Gleichgewicht und die Balance der Raserei, der ich mich ausgesetzt fühle – teils habe ich sie gewählt, teils stieß und stößt sie mir zu. Ist egal: hinkriegen muss ich’s. Voller Liebe. Die ist meine größte Göttin. Polyamor, wie ich bin (was einer meiner erfolgreichsten, wenngleich längsten Wege war und ist), treib ich’s, wenn sie mal anderweitig unterwegs ist, auch gern mit ihrer kleinen Schwester, der Hoffnung. Die stirbt nicht nur zuletzt, sie erscheint mir zusätzlich als aller Möglichkeiten Anfang. Und ist das heißeste Versprechen. Ich hab einen Song im Kopf: übers Küssen. Noch Fragen? Ja. Ich auch.

Eine Reaktion zu “Auf eigener Baustelle”

  1. Rüdiger Zitterfinger

    Jo, alter Knabe. Schöne Worte, alleine das Button „Gefällt mir“ vermisse ich hier. Da ich dich, als ehemaliger Weggefährte, auf meiner HP verlinkte, schau ich hier ab und an mal rein. Song übers küssen find ich gut. Musik hält jung, leider nur im Kopf ;-).
    Weiter so!
    Bis die Tage
    Zitterfinger

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