Eibensang

Ásatrú

Was ist Ásatrú?

Persönlich: meine Lebensauffassung.

Wortwörtlich: die Treue der Götter -wie die Treue zu den Göttern. Gemeint sind die nordischen. (Der Begriff kommt aus Island, 20. Jh.)

Gesellschaftlich: ist Ásatrú ein umkämpftes Konfliktfeld!

Noch immer werden germanische Mythologie und Symbolik von Ariosophen, anderen Rassisten, Nationalisten oder solchem Gelichter Nahestehenden für ideologische Rechtfertigungen allerlei menschenfeindlicher Umtriebe und deren Propaganda missbraucht.

Seit Mitte der 90er Jahre zeichnen sich jedoch hoffnungsvollere Tendenzen ab. Die menschrechtlich orientierten Anhänger/innen germanischer Kultur nehmen zu; schaffen in zunehmend bunter Vielfalt neuen Freiraum für Interpretationen und Kult(ur)formen germanischer Lebensart und Spiritualität.

Für weite Teile der Öffentlichkeit freilich gilt immer noch das verzerrte Germanenbild, das die alten Nazis hinterließen: auch wenn das mit der historischen Realität altgermanischer Kulturen meist wenig zu tun hat -und wirklich germanischen Werten sogar in diametraler Unvereinbarkeit zuwiderläuft.

In der deutschen Neuheiden-Szene tummeln sich -zu ungezählten Mehr- wie auch Minderheiten -Personen, Grüppchen und Gruppen aller drei genannten Auffassungsvarianten. Die Übergänge zwischen den zum Teil krass widersprüchlichen Haltungen sind fließend und selbst für Milieukenner nicht immer überschaubar.

Die Nornirs Ætt, eine kleine, aber internationale germanische Kulturgemeinschaft im deutschsprachigen Raum, hat sich zur Aufgabe gemacht, die gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch zu beobachten und innerhalb wie außerhalb der Neuheiden-Szene aufklärerisch zu wirken.

Statt pseudo-nostalgischer Verklärung der „alten Germanen“ schafft die Nornirs Ætt ein nüchternes (neuheidnischen Nostalgikern meist zu nüchternes) Beispiel für zeitgemäße Verschmelzungen moderner Lebensführung mit altgermanischen Werten: auf der unabdingbaren Grundlage der Menschenrechte ebenso wie unter Bezug auf gesicherte Erkenntnisse seriös wissenschaftlicher Germanenforschung.

Dementsprechend – ums etwas alltagsnäher auszudrücken – juckt mich weniger, was für Hemden die Wikinger trugen (sie trugen keine, Anm. d. Verf. 😉 ) als vielmehr, in welchen Kategorien vorchristliche „Germanen“ dachten und wie sie handelten.

Überträgt man das auf heutige Zeiten und Anforderungen, fällt so manche moderne Denk-Eingleisigkeit überhaupt erstmal auf. Davon ist „sittenchristliches Denken“ (das unbewusste Verharren in christlichen Denkmustern: auch als dieser Religion selbst Fernstehender oder sich Entfernender) noch nicht überwunden: Das geht nur mit jahrelanger Übung. Typisches Beispiel: Vermeintliche (!) Entscheidungszwänge á la „entweder-oder“ kritisch hinterfragen – und ggf. durch „sowohl-als-auch“-Optionen zu ersetzen. Oder auch: ersatzloses Streichen von „Gut-Böse“-Kategorien.

Bei der Nornirs Ætt haben wir in jahrelanger Arbeit so manches vermeintlich Selbstverständliche durch Besseres ersetzt. Beispiele:

Abschaffung (auch verdeckter) hierarchischer Strukturen durch beharrliche Einübung von Konsensdemokratie: Statt charismatischen Wortführern hinterherzulaufen, erarbeiten wir gemeinsame Entscheidungen, die jede und jeder der Gemeinschaft beherzt mittragen und mitvertreten kann. Gleichzeitig vermeiden wir damit das Entstehen unzufriedener Minderheiten (die ein ständiges Problem hierarchisch organisierter Demokratien darstellen).

Höherbewertung gesprochenen Wortes vor Geschriebenem (das Regelwerk dient dem sozialen Miteinander – nicht umgekehrt). Wichtiger also als das, was „geschrieben steht“ – das ist eh bloß die Merk-Notiz des gemeinschaftlich Beschlossenen -, ist das, was damit gemeint ist.

Statt Suche nach „Schuld“ oder „Schuldigen“ – das gemeinsame Herausarbeiten von Lösungen. (Klingt simpler als es ist – aber ist wirksamer, als man ahnt!)

Frei von der Not, antike Äußerlichkeiten nachzuahmen (Gewänder, Gepränge, Getue), eröffnen sich mit der Zeit im Denken und Fühlen ungeahnte Welten. Es müssen nicht unbedingt die (vermutlich nur von Edda-Autor Snorri Sturluson erfundenen) angeblichen „neun Welten“ der nordischen Mythologie sein. 😉

In spiritueller Hinsicht ist so wie so nicht das Festhalten an bestimmten Glaubensvorstellungen „typisch germanisch“ -sondern deren stetiger Wandel.
Zumindest bei den „alten Germanen“ war das so!

5 Reaktionen zu “Ásatrú”

  1. irka

    hab das jetzt erst gefunden (hab derzeit kaum Zeit fürs Netz)…klingt spannend und dynamisch, also lebensnah… jetzt bleibt nur noch die Frage: wen mit meinen Fragen löchern???

  2. Duke

    Mich, wenn sonst nix Brauchbares zur Hand. 😉

  3. Heyriel

    //Überträgt man das auf heutige Zeiten und Anforderungen, fällt so manche moderne Denk-Eingleisigkeit überhaupt erstmal auf.// -Wo kann ich unterschreiben? 😀
    Da ich dem Christentum in meinem Leben nie nahstand, hab ich eigentlich immer geglaub realtiv frei von seinen Denkmusternt zu sein -bis ich vor 2 Wochen über die Edda stolperte und begann mich über die versch. Gepflogenheiten/Ansichten der Asatru oÄ schlau zu machen. Jetzt merk ich erst wie tief das ganze ‚entweder-oder‘ und ‚gut-böse‘ in einem drinsteckt -was um ehrlich zu sein ziehmlich gruselig ist. oo

  4. Weraltnezza

    ich find dich vol toll, hab dein vidoe gesehn auf youtube

  5. sabine

    im moment schaue ich ein bissche hinterher wer die leute sind, die lieder schreiben, von denen manche mich ansprechen. ich befürchte ein bisschen zu stalken. mir gefallen hier die worte darüber wie man gemeinschaft verstehen kann. mir gefallen sie auch deswegen, weil es schwerfallen kann, eigene zu finden, die klar sind. etwas zu benennen was man selbst erstmal nur verschwommen sieht und manchmal noch nicht mal das und nur so ein sehnen spürt oder ein unbehagen. will sagen, ich verhedder mich gerne und das ich gut finde das menschen sich anderen mitteilen. ungefähr so. vielen dank!

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