Eibensang

Was macht die Ziege mit dem Bock


Aus dem Soloalbum eibensang (2002)
Singvøgel Live Version angucken: Arena Wien 2006

Was ist so hypnotisch
Was bringt hoch
Was tut gut
Was ist die Sucht und die Wucht
Was ist wichtig?

Was macht Spaß
Was ist das
Für eine monotone Kraft
Was bringt den Arsch in Bewegung
Was ist richtig?

Nicht die Melodie
Nicht die Harmonie
Nicht der Text
Nicht das Lied
Nicht die Show
Nur der Rhythmus

Was gehört noch dazu
Immerzu dazu
Ohne was geht die Tür nicht zu?
Genauer gesagt: auf
Aber das reimt sich grad nicht drauf

Also hör zu!
Was gehört nun dazu
Unabdingbar dazu
Immerzu dazu
Zum Takt des Tages
Zur Neige der Nacht
Was ist die Macht?

Was bewegt das Blut
Was macht die Hölle heiß
Den Himmel blau
Die Augen groß
Das Leben gut
Was macht aus dummen Fressen
Frohe Mienen?

Was gehört dazu
Was hält die Hoffnung auf den Schienen
Was ist die Droge, der wir dienen
Was lässt die Männer prahlen
Mit Heldentaten oder Lügen?

Was hängt den Himmel
Auch den grauen trüben
Voller Violinen?
Was lässt die Weiber strahlen
Wie ungespritzte Apfelsinen?

Was ist der Zauber im Saft der Leidenschaft
Was wollen alle kriegen
Was lässt sich niemals nicht besiegen
Was ist die Macht
Was ist die Kraft
Der wir erliegen?

Gib mir ein L
Gib mir ein I
Und wenn du schreiben kannst, ein E
Das runde ab mit einem B
Und was kommt dann
Du weißt es: E

Also los, leg los, heb ab, gib Galopp
Komm her, sag mir
Was macht die Ziege mit dem Bock…

Ich weiß genau, warum ich diesen Vergleich wähle
Und von Viechern anstatt von Bienchen und Blümchen rede
Denn der Mensch ist ein Vieh
Das nie weiß, wie ihm geschieht
Wenn er geboren wird
Wenn er gestorben wird
Oder wenn er sich verliebt

Dann sind Prinzipien, auf die man vorher schwört
Plötzlich ihr verdammtes Papier nicht mehr wert
Denn du willst nach da, aber gehst nach dort
Und wo immer du stehst, du wünschst dich fort

Und die Flamme, die brennt und frisst und nagt
Und was bis gestern galt
Wird bis auf Weiteres vertagt
Ja, die Krise im Hirn wird vom Hirn vertagt

Und es funktioniert nicht über Telefon
Dich erfasst die Urform der Kommunikation
Die primäre Primatenform der Konversation
„direct access“ bis zum Exzess
Der Aug-in-Aug- und Haut-an-Haut-Kontakt
Und egal, welche Kultur dich verpackt:
Unter allen Kleidern bleibst du immer nackt

Und du weißt, was geschieht
Wenn dein Herz tollschockt
Und zerreißt
Du schmeißt den Verstand über Bord
Und dein Wunsch hat Macht
Und dein Mund kein Wort

Und dein Herz singt die Hymne
Die den Schmerz übertönt
Und deinen glasigen Blick bis zur Blödheit schönt

Also stimm mit ein
Lass dich ein auf die Pein der süßen Verheißung
Du bist nicht allein…

Dein Ich will ein Du
Find‘ vorher keine Ruh‘
Unglücklich wird, wer’s findet
Besser dran ist, wer’s noch sucht

Also los, leg los, heb ab, gib Galopp
Komm her, sag mir
Was macht die Ziege mit dem Bock…

Was macht die Katze mit dem Kater?
Was macht Frau Greifin mit dem Adler?
Was macht Herr Erpel mit der Ente?
Was macht die Göttin mit dem Gott?

Was treibt die Sau zum nächsten Eber?
Was hätt‘ so gut wie gerne jeder?
Was bringt den Himmel heim zur Erde?
Was macht die Kröte mit dem Frosch?

Weswegen sing ich von Ekstase?
Was bringt die Blumen in die Vase?
Weswegen kommt der Osterhase?
Was macht die Ziege mit dem Bock!

Was macht die Dame da mit Vater?
Was bringt Zweibeiner ins Theater?
Was macht der hübsche Kerl bei meiner Süßen?
Was macht die Ziege mit dem Bock!

Was hält die Industrie am Laufen?
Was funktioniert auch ohne sie?
Was lässt sich trotz allem nicht kaufen?
Was ist, was es ist (frei nach Erich Fried)
Und was es immer blieb?

Also leg los, heb ab
Und sei unbesorgt
Ob du’s ergreifst, begreifst oder versäumst
Das was du brauchst
Von was du träumst
Das macht die Göttin mit dem Gott

Und dass du’s selber auch tun darfst
Ob sanft, ob hart, ob süß, ob scharf
Das zeigen Ziege dir und Bock
Oder Ziege mit Ziege und Bock mit Bock
Das geht genauso
Macht alles Bock

Nur, dass wir uns hier nicht missverstinken:
Mit Sex allein will ich hier gar nicht winken
Die Lust ist nur der Seele Fenster
Natürlich geht’s nicht ohne Leib
Denn ohne den wären wir Gespenster

Kurzlebiges Geschenk der Schöpfung
Auch immer wieder Grund zur Feier

Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit
Sie hörten die Singvøgel
Ins Klavier blies Karan
Gerockt von Sven Scholz
Moduliert von Duke Meyer

Beschließen möchten wir dieses kleine Referat
Mit unserem ganz persönlichen kategorischen Imperativ:
Sing! Vögel!

Also los, leg los!

Musik & Text © Duke Meyer 2002

CD „eibensang“
(Mai 2002)

Singvøgel

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