Eibensang

Duke Meyers Vortrag „Als die Sau noch Göttin war“

Ehrenrettung der alten Germanen
Ein fränkischer Künstler räumt mit den Klischee-Vorstellungen der Nationalsozialisten auf
„Die Germanen hätten Hitler nicht bejubelt, sondern umgebracht.“ Dieses Fazit stammt von einem der schillerndsten fränkischen Künstler, Duke Meyer. Sein Vortrag „Als die Sau noch Göttin war -Einblicke in die Kultur der Germanen“ im Fürther Teehaus „Cha-Do“ war eine Gegenüberstellung des Germanentums mit dem, was seit der Nazi-Zeit dafür gehalten wird.

Mit Trinkhorn und Jagdmesser am Ledergürtel in Leinenhemd und Lederhose sieht Meyer ein bißchen aus wie aus einer anderen Zeit -doch halt, weltfremd ist er sicher nicht. Neben dem Messer hängt noch ein Mobiltelefon, und das Manuskript wurde am Computer getippt.

Der Schauspieler Meyer beschäftigt sich seit etwa acht Jahren mit Naturreligionen. Das Interesse für die germanische Kultur war zunächst von Berührungsängsten geprägt. „Germanentum und Sieg-Heil-Rufe gelten heute als die gleiche braune Soße“, so der Künstler. Und genau das ist es, was Meyer auf die Palme bringt.

Mit der Geschichte und Kultur der Germanen setzt sich seit Kriegsende kaum jemand wirklich auseinander. „Dieses Thema ist kein Thema“, sagt Duke Meyer und warnt im selben Atemzug: „Wir lassen uns unsere Vorgeschichte von Völkermördern diktieren.“

Hitler, Himmler und Konsorten. Das angeblich so unbezwingbare, kampfeswillige und nibelungentreue Volk der Germanen hatte es ihnen angetan. Daß die Germanen kriegerisch waren, sei der einzige Punkt, in dem sich die Faschisten nicht geirrt hätten, sagt Meyer und lächelt ein wenig. Ansonsten entsprach dieses „deutsche Urvolk“ dem reinrassigen Bild ebenso wenig wie die Naziführer selbst ihren arischen Idealen.

Klischees wie die der wilden Wikinger mit ihren Hörnerhelmen gehören in die Abteilung Märchen. Die berühmte Schlacht im Teutoburger Wald war einer der seltenen Glückstreffer. Ansonsten kannten die Germanen weder hoch entwickelte Schmiede- oder Kampfeskunst und schon gar keine Disziplin auf dem Schlachtfeld.

Nationalstolz oder rassisches Selbstverständnis a la „Wir Germanen“? Fehlanzeige! Wie auch, denn die Germanen gab es nie, so Meyer. Es gab Langobarden, Goten, Vandalen und eine Vielzahl anderer Stämme, die aus indo-europäischen Einwanderern entstanden sind. Und dies war im wahrsten Sinne des Wortes eine bunte Mischung.

Denn während die Nazis reinrassige Ideale hochhielten, wäre dies für so manchen Stamm der sichere Untergang gewesen. „Reinrassigkeit wäre für die Germanen so absurd gewesen wie ein aufwärts fließender Fluß“, scherzt Meyer.

Die germanischen Stämme beseitigten ihre eroberten Völker nicht, sondern nahmen sie auf, vermischten sich mit ihnen, unterwanderten sie. „Angst vor Fremden war den Germanen fremd“, so Meyer.

Daß die Nazis die Geschichte der Germanen auf den Kopf gestellt haben, wird am Hakenkreuz besonders sichtbar. Die „Swastika“, das germanische Sonnenkreuz, Symbol für das Leben, wird bei Hitler umgedreht und als Zeichen des Terrors, Krieges und des Völkermordes mißbraucht.

Und trotzdem, heute noch bedienen sich Neo-Nazis germanischer Symbolik. Der Thor-Hammer, den Meyer als Anhänger an seiner Halskette trägt, ist in Berlin ein Zeichen für Rechtsradikale. Mörder rechter Gesinnung beziehen sich auf Odin, und braune Schlägertrupps benennen sich nach dem Sturmgott Wotan.

Duke Meyer
, der in der vielfarbigen Welt der germanischen Götter, übrigens keine Allmächtigen, sondern Vorbilder mit Ecken und Kanten, eine neue Heimat gefunden hat, warnt in seinem Vortrag: „Wer den Sturm ruft, kriegt Wotan.“ Und das mußten schon die alten Nazis spüren.

Der Rabenclan
Zusammen mit dem Arbeitskreis für Heiden in Deutschland, dem „Rabenclan“, betreibt Meyer seine Aufklärungsarbeit. Bei seiner Forschung muß er jedes Buch dreimal umdrehen. Nicht nur weil das Geld oft knapp und die Bücher teuer sind, sondern auch aufgrund der oft erst auf den zweiten Blick zweifelhaften und rechten Autoren. Dennoch, Duke Meyer wühlt sich weiter durch den „Scherbenhaufen“, der von der germanischen Kultur übrig geblieben ist, und bleibt begeistert von den Sitten und Bräuchen der alten Germanen.

Bei loderndem Ofenfeuer und duftendem Tee konnte Meyer die Zuhörer im „Cha-Do“ in seinen Bann ziehen. Seinen Vortrag wird er am 18. Februar wiederholen. Mitte März können ihn seine Fans dann in seinem Solo-Programm „Diener der Ekstase“ bewundern.

Fürther Nachrichten vom 25.01.2000

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