Duke Meyer

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Raunen Runen Rechten Rat?

Eine bitterböse Frage, und ein langes Vorwort: aber beides erscheint mir beim "Reizthema Runen" ebenso bitter notwendig!

Vorab ein Wort zu Runenbüchern: Die Runen unabhängig von Asatrú zu betrachten oder zu behandeln, ist m.E. in etwa so sinnvoll wie eine umfassende und akribische Erörterung über das linke Vorderrad eines PKWs (vor allem, wenn – um im Vergleich zu bleiben – sämtliche Gebrauchsanweisungen immerzu nur und ausschließlich "die Vorderräder" behandeln – von dem oft beliebigen Stuß, der selbst dabei noch verzapft wird, ganz zu schweigen).


Orakel

Viele Menschen sehen in Runen nur ein weiteres "Orakelsystem" – und wie jedes in sich geschlossene magische System "funktioniert" natürlich auch dieses (oder jenes: z.B. Münzenwerfen – Kopf oder Zahl – ist auch so ein System. Funktioniert!) Für mich sind die Runen viel mehr (zum Orakeln benutze ich sie fast nie)...
Natürlich kann man sie so verwenden. Man mag auch einen Kugelschreiber oder eine Bambusflöte dazu verwenden, sich am Po zu kratzen. (Will sagen: es muß nicht schaden – nur gibt´s für den erzielten Zweck vielleicht bessere Werkzeuge.) Nicht nur wegen der – vergleichsweise harschen oder drastischen – Art der Runen, zu "antworten", empfehle ich Orakelfreunden eher, zum Tarot, Pendel (oder zu besagter Münze, falls zur Hand:-) zu greifen – Runen entstammen germanischer Kultur, und "reagieren" entsprechend "rücksichtslos": Und mißverständlich: Die pragmatisch-konsequente Denkweise, die ich als germanisch empfinde, unterscheidet sich erheblich von der, die wir in dieser Zeit und Welt alle sozusagen mit der Muttermilch (oder deren Surrogatsäften) aufgesogen haben. Wer nicht (z.B. als Asatrú) mit germanischen Wertekategorien vertraut ist, dem sind Mißverständnisse bei der Runenwurf-"Deutung" vorprogrammiert (auch harmlose – wie die beim Orakeln weithin unbekannte oder übersehene Konsequenz daraus, daß die Germanen einen Zukunftsbegriff in unserem linearen Sinne gar nicht kannten).
Es sind sehr eigenwillige Götter, die hinter den Runen stehen – und, glaubt mir: Es ist eben nicht "alles eins" oder "alles gleich", was sich an göttlicher Kraft hinter dem Sichtbaren tummelt. Eine Kriegsgöttin z.B. ist keine liebe Fee, und der Rat beider zu ein- und derselben Sache wird erheblich differieren. Woher aber weißt du, wen du fragst? Und wer dir grad antwortet? KENNST du die Runen? Bist du im Bunde – oder vertraut – mit den Kräften hinter ihnen? Also: Greife lieber zum Tarot. (Was ich ganz friedlich, aber ernst all jenen rate, die gerne mal orakeln, sich aber mit germanischen Gottheiten und germanischer Kultur nicht inniger und langfristig befassen mögen.:-)


Populäre Irrwege

Vor den verbreitetsten will ich hier ausdrücklich warnen: in erster Linie vor dem gerade heute wieder populären sog. "18er", auch "Armanen-Futhork" genannten System, das keine germanische Wurzel hat, sondern anfangs des 20. Jh. von Guido "von" List, einem selbstgeadelten Nazivordenker, "offenbarungsartig" erdacht wurde. List dichtete schlicht und ergreifend jedem der 18 überlieferten Runenrätsel-Versen aus der Edda eine ihm beliebende Rune an, wozu er das Jüngere Futhark (die Runenreihe der historischen Wikinger) entsprechend fledderte und zum "Futhork" zerbog (es geht hier nicht um Buchstaben, sondern Inhalte). Dieses "18er Futhork" ist dank blauäugiger Esoterik heute das verbreitetste – die meisten Abschreiber, Nachplapperer und Nachbeter von List und dessen ideologischen Erben ignorieren dabei geflissentlich, daß genau dieses 18er-Konstrukt, das heute in so vielen stillschwelgenden Esobüchlein als Orakelset-Spielchen samt Entspannungsyoga angepriesen wird, zum esoterischen Fundus jener Volksverräter und organisierten Massenmörder gehörte, die (und deren ebenfalls geistlose und kulturfeindliche Erben) uns bis heute die (nicht nur esobärmliche, sondern nach wie vor unverkennbar nach Zyklon B stinkende) Mär vom "arischen Blut" und der "reinen nordischen Rasse" als germanisch andrehen wollen. (Die germanische Göttin Hlin brenne ihnen die Swastika so rum und so rum auf die bloßen Arschbacken!)

Woraus die Warnung besteht? Wer mit einem magischen System arbeitet, führt dessen Quellen auf diesem Wege Energie zu. Das gilt auch für das LISTige "Runensystem" der ehemaligen Mordfabrik Deutschland. List selbst lesend zur Kenntnis zu nehmen (und entsprechende Schmöker dann ihrer vornehmsten Aufgabe, nämlich dem Begradigen arg schiefstehender Großmöbel, zuzuführen), mag ja noch einfach anmuten. Das Problem ist jedoch, daß (wie bei Lebensmitteln) nicht überall "Gift" draufsteht, wo durchaus eins drin ist. Da im Eso-Bereich offenbar seit Generationen ein Depp vom andern abschreibt und Quellenangaben so unüblich sind wie auch nur der Versuch sachlich-kritischer Recherche, verbreiten sich dort vor allem Dummheiten am besten.

Typisches Beispiel ist das mittlerweile in fast jedem Runenbuch propagierte "Runenstellen" oder "Runenyoga" (das Nachstellen von Runenformen mit Körper oder Geste). Diese Turnerei hat null germanische Wurzeln (auch wenn der populäre – mittlerweile übrigens zum okkulten Hiimmler-Beschwörer heruntergekommene – Autor Edred Thorsson alias Stephen Flowers in seinen anerkannten vormaligen Standardwerken den Schmarren mit altnordischen Termini wie "Stadha" und "Stödhur" beflötet, was mich lange irreführte), sondern sind ausschließliches Konstrukt rassistischer Nationalisten (meist aus dem späten 19. und frühen 20. Jh.), die ihre Leibesertüchtigungen mit mythologisch-magischem Gepränge aufzupeppen suchten. Wer will sich in solcherlei "Tradition" stellen?

Das Runenlesen ist im günstigen Fall wirkungslos und schlimmstenfalls vergleichbar mit der Wirkung von Starkstromanschlüssen. Wer ahnungs- und heillos damit herumfuhrwerkt, endet u.U. wie Hitler und Himmler (nur bei weitem weniger prominent). Für Uneingeweihte: Hitler & Himmler waren die Jungs, die mit der Fackel in der Hand nachgucken gingen, ob die germanische Mythologie nicht einen für ihre Propagandamaschinerie tauglichen Motor abgebe (der Tank war voll).


Historischer Mißbrauch – und seine Folgen

Ich erinnere:

Sämtliche "Sieg Heil"- und "Endsieg"-Beschwörungen endeten (eben nicht: als "Zusammenbruch", wie oft mystifiziert, sondern schlicht) in bedingungsloser Kapitulation der deutschen Diktatur und all ihrer vermeintlichen Werte.

Hinter "Lebensborn" stand Diskriminierung, Ausgrenzung und systematische Vernichtung von ganzen Bevölkerungsteilen (was, nebenbei bemerkt, so ziemlich das ungermanischste ist, was man sich vorstellen kann).

"Kraft durch Freude" zielte auf Schwäche durch Gehorsam.
(Disziplin und Drill waren gleichfalls noch nie germanische, höchstens preußische "Tugenden".)

Auch und gerade die "Hitlerjugend" – die die Tiwaz-Rune als "ihr" Symbol nahm (Tiwaz steht für zielgerichtetes Tun) erzog junge Menschen systematisch zur Obrigkeitshörig- und Verantwortungslosigkeit.
("...Ich kann doch nichts dafür, es war nur ein Befehl...")

Aus "Ahnenerbe" wurde Geschichtsvergessenheit.

Die "Schutzstaffel" war ein (nicht rasse-, sondern nur lupenreiner) Terrororden.

Das vorgebliche "Volk ohne Raum" wurde – nach der Umwandlung des (ursprünglich sehr wohl vorhandenen) Raums zur "verbrannten Erde" – ein (teils un-, teils nur ver-schämter) Menschenhaufen ohne inneren Halt: noch die Nachgeborenen in x-ter Generation eine zutiefst verstörte Rasselbande sehnsüchtiger Streberschüler nächstbeliebiger Trends. solang die nur möglichst exotisch sind...

Die "Herrenmenschen" waren nichts als übles Gesindel gewesen: Verräter ihres eigenen Volkes wie Landes (und ihrer Ahnen noch dazu)!

Die als "Untermenschen" Versklavten, Gequälten und Ermordeten aber (samt denen, die noch rechtzeitig fliehen konnten bzw. mußten) hatten zum besten kulturellen Potential der deutschen Bevölkerung gehört – ein amputationsartiger Aderlaß, von dem sich dieses Land bis heute nicht erholt hat.
(Vom "Land der Dichter und Denker" zu dem der "Richter und Henker" – und auch heute schwärmen viele lieber vom Henken als daß sie denken oder gar ihre Gedanken verdichten.)

"Germanisch" war an all dem nur eins gewesen: der (im Maß ihres Mißbrauchs gnadenlose) Rückschwung vergewaltigter Mythologien und verbogener magischer Symbole und Mystifizierungen in ihr jeweils ziemlich genaues Gegenteil. Die Deutschen des 20. Jh. riefen Geister, von denen (und von deren Dynamik) sie sowenig Ahnung hatten und haben wollten wie der heutige durchschnittliche "Ausländerraus"-Gröhler von Kant oder Rilke. Die von der damaligen Killermaschine Deutschland bis zum Exzeß beschworenen Kräfte stärkten nicht, wie erhofft, vermeintliche deutsche Identität, sondern brannten gnadenlos aus, was dort noch vorhanden gewesen war. Die Wunde raucht noch.

Und sie eitert und schwärt nach – auch und gerade mit dem anschließend hastig herabgelassenen Ärmel des bürgerlichen Anstands, Wohlstands und Vergessenwollens darüber. Denn sie wurde zwar viel beschwätzt, aber nie behandelt. Inzwischen stinkt´s unter diesem (obendrein zunehmend abgewetzten) Ärmel, und kahlköpfige Kinder entseelter Bosheit entsteigen ihm: mit abermals deutschtümelnden Parolen (sie haben ja sonst nichts: vor allem keine Ahnung von diesem Land und seiner Geschichte), englischen Stiefeln und amerikanischen Baseball-Schlägern, womit sie aber allerdings gar nicht spielen wollen. Zumindest nicht Baseball.

Ich gebe zu: Ich verstehe hierzulande jene friedlichen und nur an "ihrer" (!) Religion interessierten selbsternannten "Heiden" nicht, die sich einerseits so gern auf jahrhunderte- bis "jahrtausendealte" Überlieferungen und "Traditionen" besinnen wollen – sich aber mit einer derart jungen Erblast, die noch vor rund 60 Jahren ungehemmt durch ganz Europa tobte, so gar nicht auseinandersetzen wollen – als ob beim Überqueren der Straße nur diejenigen Autos zu beachten wären, die man selber kaufen würde oder für schmuck hält. Was noch ein äußerst sanfter Vergleich ist.

Solchen Teletubbie-Esoterikern empfehle ich als Orientierungshilfe hier wärmstens das "Gummibärchen-Orakel" (ich habe es selbst mal probiert und war sehr zufrieden!).

Runen sind eine Macht anderen Kalibers. Der Umgang mit ihnen erfordert Verantwortungsbereitschaft, Vorsicht und Respekt. So wie bei Starkstromanschlüssen halt. Mehr noch: Geschichtswissen – oder wenigstens fachliche Recherche – ist von unbedingtem Vorteil. Nichts für Weltflüchtler? Genau!

Zu meiner persönlichen und subjektiven Auslegung des Älteren Futharks führt kein schwerer Weg: bitte die Maus ergreifen und durch ihr Bewegen auf der Unterlage den Pfeil am Bildschirm hochwandern lassen, bis er in der Auswahlrubrik dieser Seite auf dem gelben Wort "Runen" (gleich unter dem Wort "Schweinepriester":-) zu stehen kommt. Dort hat man die u.a. die Wahl, entweder zu warten, bis der Rechner (oder man selbst) vor Altersschwäche abkackt – oder mit einem beherzten Doppelklick eine neue Seite zu laden!

Thor zum Gruß:-)

Fjölnir Eibensang Goði
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