Eibensang

Wo brennt’s

Engelszungen zwischen Feuer und Vorurteil

Performance mit Kastura (als Nero)
zur Vernissage Marenda zum Thema Nero
Kulturladen Röthenbach Nürnberg 1994
Rolle: Neros Engel / Neros Fetisch

„Wo brennt’s“ war die vielleicht spektakulärste Performance, die ich zu einer Vernissage des Fotografen Heiko Marenda inszenierte. Sein obsessives Thema Nero inspirierte mich, dem (in mancher Hinsicht zu Unrecht übel beleumdeten) römischen Kaiser eine Art „bittende Fürsprache“ zu widmen. So begann ich meine Rede als „Neros Engel“ -wandelte diese Rolle aber im Laufe der Aufführung in die jenes talismanischen Fetischs, der Neros einziger spiritueller Halt gewesen sein soll -und mit dem er zuweilen Zwiesprache hielt.

Meine ursprüngliche Idee, die „Engelsrede“ auf einer Flugzeug-Gangway zu halten, ließ sich aus organisatorischen Gründen leider nicht durchführen. Ersatzweise wurde mir ein etwa 5-6 Meter hohes Gerüst aufgebaut. Die Aufführung fand -zu Neros Geburtstag am 15. Dezember -im Freien statt: Bei 15 Grad minus stand ich gut 20 Minuten lang auf jenem Gerüst, barfuß und nur mit einem weißen Nachthemdchen bekleidet (vom Friseur hatte ich mir extra „Engelslocken“ machen lassen).

Auch die Zuschauer ertrugen einiges: Wir -meine Showpartnerin Kastura und ich -hatten ein gut viertelstündiges Darstellungsintro vorbereitet (um dem Publikum Gelegenheit zu geben, sich ruhig und allmählich zu versammeln. Allerdings hatten wir nicht mit derartigen Minusgraden gerechnet -und auch nicht, dass das Publikum wegen einer Vorrede der Veranstalter bereits vollständig versammelt war!). Das Intro war auch nicht kürzbar: Gnadenlos lief das Playback zu unseren „szenischen Loops“: Untermalt von assoziativen Musikthemen und Geräuschen (Filmmusik, Arena-Fanfaren, Herzschläge, Flugzeug- und Autolärm, Zitate Neros u.a.) saß ich -das Engelshemdchen noch unter einem Gestapo-Ledermantel verborgen und von einem aus Zeitungspapier gefalteten Napoleonshut gekrönt -mit Kastura in Landsknechtmanier beim „Kartenspiel“ herum.

Während ich dann auf dem Gerüst die „Fürsprache“ als Neros Engel / Neros Fetisch hielt, agierte unten Kastura als Nero him- bzw. herself: u.a. mit einer überdimensionierten Leier.
Zum Höhepunkt des Ganzen sollte ich vom Gerüst herabsteigen, um drei große Objekte mit einer Fackel in Brand zu setzen -die sog. „Brenntennen“: etwa je vier Meter hohe papierumwickelte Gerüste, die eine assoziative Mischung aus Antennen und stilisierten Weihnachtsbäumen darstellten und sinnbildlich als „brennendes Rom“ fungieren sollten.

Zwar gelang es mir, die präparierte Objekte zu entzünden… Doch die vordem als Tanz eingeübte Choreographie dazu reduzierte sich in der Praxis auf mühsames Staksen: Nach der 20minütigen Rede auf dem Gerüst war ich vollkommen steifgefroren und konnte mich kaum bewegen.

Der Text ist mir (nicht zuletzt dank Kasturas brillanter Mitarbeit an der Inszenierung) als eines meiner besten Prosastücke überhaupt in Erinnerung geblieben -aber leider nur dort: Sowohl Script als auch Videomitschnitt gingen mir (aufgrund privater Beziehungsturbulenzen sowie Rechnerwechsel im Anschluss) verloren…

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