Eibensang

Tyr

Sie lachten in Asgard, als ich die Hand verlor. Doch ich war’s, der Wort hielt: Dem Fenrir hab ich’s gegeben, dem Monsterwolf, den wir nicht töten wollten, um heilige Hallen nicht zu besudeln. Ich hielt ihm die Hand in den Rachen, als die Kollegen ihn fesselten mit Gleipnir, dem zaubergewirkten Zwergenband: unzerreißbar. So schnappte er zu, der betrogene Hund, und mit krachendem Kiefer nahm mir das Untier die Rechte.

Mögt ihr auch darüber lachen, ihr Menschensöhne und -töchter? Das Lachen mag euch im Hals stecken bleiben, wie es uns dereinst steckenbleibt / damals steckenblieb zur Ragnarök, unserem endlichen Schicksal. Seht, so hält ein Ase sein Wort – und koste es ihn seine rechte Hand.

Das ist der Grund, warum ihr bei mir schwören sollt, wenn es euch wirklich ernst ist. Das ist auch der Grund, warum ihr mich rufen sollt an heiligen Richterstätten, wo ihr tagt und die Belange eurer Gemeinschaft gemeinsam beredet, bedenkt und entscheidet im Kreis des Thing. Ich wache über Gerechtigkeit und die Konsequenzen aus Worten und Taten.

Kriege zu führen wie früher, das vermag und mag ich nicht länger – mag Gungnir, der Speer meines einäugigen Nachfolgers, hier bessere Ernte halten – doch unterschätzt mir nicht meine Linke. Ich bin alt und erfahren, und das Recht ist mit mir. Jeder Feind erbebt, wenn ich winke.

Eine Rune so spitz und so gerad wie ein Pfeil: Zielgenau ist mein Streben. Mit klarem Ziel und eindeutiger Tat: Damit könnt ihr mich ehren. Aufrecht und kühn, treu zu dem was ihr sagt: So sollt ihr Gerechtigkeit mehren.

Ein Hund mag einem mitunter die Rechte nehmen können, aber niemals die Ehre. Ich hielt mein Wort auch dem übelsten der Hunde: Denk daran, Mensch, wenn du schwören solltest – mit meinem Namen im Munde.

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