Eibensang

„Orpheus – Im Bann der Weidenbarke“

Schauspiel von Duke Meyer mit Vision Earth Project u.a.
Weidentempel Auerstedt / Weimar 1999
Rolle: Eros
Regie: Sandrino Sandinista
Weitere Mitwirkende: Sabine Weber u.a.

Textscript

Eigener Kommentar:

Ich muss gestehen, dass ich den Text deshalb durchgehend reimte, damit er sich schneller auswendig lernen ließ (was terminbedingt vonnöten war) – und da ich zu jener Zeit parallel eh den „Jedermann“ spielte, scheute ich mich nicht, ebenfalls mit Knittelversen aufzuwarten: Wenn ein von Hofmannsthal das durfte, sollte mir das mal einer ankreiden wollen!
Im Geigentiel überhäufte man mich mit Lob; einige Zuschauer fühlten sich gar „an Ovid“ erinnert: das Gehörte für eine textliche Übertragung des antiken Originals haltend… (Ich selbst habe aber die berühmten Ovid-Verse nie gelesen.)
Meine Motivation war lediglich, auch solchen Zuschauern, die noch nie eine griechische Sage gehört haben mochten, das Orpheus-Thema näherzubringen -und nachvollziehbar zu machen. Außerdem standen für die – vom Vision Earth Project eher als Musikperformance konzipierte – Inszenierung theatralische Mittel nur sehr begrenzt zur Verfügung. Auf Deutsch: Wir hatten zwar Musiker, Tänzerinnen und Statisten in Hülle und Fülle – aber nur zwei Schauspieler: meine Kollegin Sabine als (vornehmlich singenden) Orpheus sowie mich selbst in der Rolle des Eros.

Auf den zugegebenen höchst albernen Titel „Im Bann der Weidenbarke“ verfiel ich aus zwei Gründen: Zum einen wollte ich jeglichen Dünkel vermeiden (der der Behandlung antiken Stoffs allzuleicht innewohnt) – und genau deshalb gefiel es mir außerordentlich, eine antike Tragödie zu benennen, als handele es sich um den trivialsten Groschenroman seit dem letztwöchigen. Zum anderen fand das Spektakel in der Tat an einem der wunderlichsten und zauberhaftesten Spielorte statt, die ich je erblickte und betrat: dem Weidentempel bei Weimar. An der Spielstätte waren kreisförmig Weiden angepflanzt worden, die man zu einer ziemlich großen Kuppel gebogen hatte – durch die nächtens der Schein des vollen Mondes fallen konnte. Die Technik-Regie war – völlig unsichtbar – im „Hauptstamm“, im Zentrum des kuppelförmigen lebenden Gerüstes untergebracht, an dem noch oder schon teilweise Blätter grünten… Es gab Sitzplätze für an die 600 Personen. Die jeweils zu Vollmond stattfindenden Veranstaltungen waren denn auch regelmäßig ausverkauft. Eine war unsere besagte Orpheus-Inszenierung.

Die Not, mit nur zwei Schauspielern eine doch komplexe Dramatik wie die der Orpheussage spannend aufschimmern zu lassen, auch und gerade für Leute, die mit der griechischen Mythologie wenig oder gar nicht vertraut sein mochten, führte zu mancherlei trickreichen Einfällen. Einer der hübschesten war, den Saxofonisten der Begleitband als „Pluton“ auftreten zu lassen: Der Gott des Hades „sprach“ in Form eines Saxofon-Solos – an mir als Eros lag es dann, den „Sound des Hades“ in verständliche Worte zu „übersetzen“. So gelang – zum großen Vergnügen der Zuschauer – eine szenische Gegenüberstellung Orpheus -Pluton, ohne irgendwoher einen zusätzlichen Schauspieler aus dem Hut hexen zu müssen. Die Rolle der Eurydike wiederum wurde durchgehend und ausschließlich getanzt.

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