Eibensang

„Mann und Frau“

Komödie nach Graf Aleksander Fredro
th 04 muf
Theatersommer Fränkische Schweiz & Warschau 1997
Rolle: Graf Waclaw
Pressestimmen
Regie: Jan Burdinski
Musik: Rolf Böhm
Weitere Mitwirkende: Sabine Weber, Iris Meier, Andreas Stock, Bettina Ostermeyer u.a.

„Mann und Frau“ war eine der erfolgreichsten Produktionen der Wanderbühne TFS -dass sie über die Premierensaison nicht hinauskam, lag am zunehmenden Zerwürfnis zwischen Ensemble und Regisseur. Ich selber trauerte dem Stück auch nicht nach, da mir die ständigen Stilbrüche im Text sowohl auf der Zunge als auch in den Ohren weh taten.
Das Script war zu einem frankenstein-artigen Sprachbastard geraten: Ursprünglich hatte ich im Auftrag der Regie der (aus dem polnischen Original sprachlich sehr langweilig übersetzten) Handlung ein komplett neues Sprachgewand verpasst, das – analog zur Inszenierung – sehr neuzeitlich und comic-artig daherkam. Davon strich der Regisseur rund ein Drittel – und ersetzte die Neufassung teils durch die langweilige Ur-Übersetzung, teils durch eigene Sätze (die wiederum einen anderen Sprachstil aufwiesen): Die Endfassung wies beinah mehr Nahtstellen auf als Stoff.

An der Spielhandlung allein konnte der Erfolg auch nicht liegen: Über zwei Stunden lang Gequassel zweier Paare, die sich gegenseitig über kreuz betrügen, genauer gesagt: solches eher vorhaben als denn ausführen… Da das Gequatsche aber ständig irgendwie über Beziehungen, Ehe, Affären und überhaupt Zwischenmenschliches ging – vor allem aber mindestens alle sechs Minuten ein pfiffiger Schlager von Rolf Böhm gesungen wurde – wurde das Stück ein Publikumsrenner. Böhms Kompositionen waren überaus eingängig – und sämtliche Darsteller waren professionelle Sänger.
Das (neben den sehr originellen Kostümen von Heike Endreß) ebenfalls hervorragende Bühnenbild fiel teilweise dem bald notorischen Gezicke von uns Schauspielern zum Opfer: Nach zwei oder drei Aufführungen weigerten wir uns, die aufwendige Rückwand (ein wunderschönes Gestell aus Bambusrohren und segelartigen Gehängen) aufzustellen. Das hatte nichts mit dem Gestell zu tun, sondern war pure Bockigkeit gegen den Regisseur: der sich uns Schauspielern schon damit unbeliebt gemacht hatte, dass er den Rocksaum einer Darstellerin in der Nacht vor der Premiere (!) heimlich (!) verlängern ließ, da ihn die Furcht umtrieb, die (ohnehin attraktive) Schauspielerin könne „zu sexy“ darin wirken…

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