eibensang

Lyrisches Solo 2001/2002
Pressestimmen
Eigener Kommentar:
Von meinen abendfüllenden Performance-Programmen war “eibensang” mit etwa einer Stunde Aufführungszeit das mit Abstand kürzeste - und wahrscheinlich auch das ästhetisch anspruchsvollste. Ich spielte es dann doch weit weniger oft als vorgehabt: Zum einen, weil meine laufenden Schauspielengagements damals wenig Zeit und Raum ließen für freie Solisten-Tingelei - zum andern aber auch, weil der technische Aufwand für “eibensang” doch beträchtlich ausfiel (was die Show ziemlich teuer machte). Anders als meine früheren Soloprogramme (den “Diener der Ekstase” ausgenommen) war die Darbietung von einer speziellen Beleuchtung abhängig, die sich nicht überall installieren ließ. Statt einer einzigen Technikerin (Andrea Ehrhardt, die zuständig war für Licht, Ton und Maske) hätte ich genaugenommen zwei oder drei gebraucht - was in der Praxis nicht finanzierbar war.
Zudem benötigte die - in Co-Regie mit Gaga ausgearbeitete - Inszenierung echte “Theateratmosphäre”: womit so Kleinigkeiten gemeint sind wie völlige Verdunkelungsmöglichkeit, vor allem aber auch eine von externen “Störgeräuschen” freie Umgebung. Damit entfielen Kneipen und gewöhnliche Clubs als mögliche Spielstätten, von Freiluft-Events ganz zu schweigen.
Natürlich landete ich doch hie und da - in Norddeutschland z.B. - in irgendwelchen Festival-Zelten, wo lautstarker Regen auf die Dachplane trommelte, während an den Seitenwänden der Wind riss - und die Stromversorgung via Aggregat mehrfach ausfiel: was der Licht-Computer mit Neustart auf Null quittierte und meine arme Technikerin an den Rand schweißtreibender Verzweiflung brachte… Das Publikum nahm´s freundlich und gelassen - mir aber tat´s leid um die leiseren und feineren Momente, die bei sowas natürlich halb untergingen.
Etliche Fans vermissten die ungestüme Wildheit früherer Soloprogramme (insbesondere “Diener der Ekstase”), doch das Konzept mit seinen vielen leisen Zwischentönen führte auch zu Publikumsreaktionen mir ungewohnter Feinnervigkeit. (Für einen Performer, der seine frühesten “Lesungen” überfallartig in Discos abgehalten hatte: die Verse stakkato durch ein Megafon bellend, war das eine schöne Abwechslungserfahrung!
)
Für mich hatte es außerdem einen gewissen befreienden Charakter, meinen alten Text Thors Wiederkehr (den ich in Vorjahren zumeist in verzotteltem Barbaren-Outfit zu jener Musik vorgetragen hatte, die auf meiner ersten CD “Im Schein der Silbersichel” zu hören ist) ohne jede Untermalung als leicht exaltierten Flüstertext zu intonieren: in einem langen schwarzen Rock auf einem Barhocker thronend, mit einer Zigarettenspitze in der Hand…
(Und, nein, meine lieben neuheidnischen Freunde: Das war keineswegs “Travestie” - das nennt man “Stil”. In kultivierten Kreisen zumindest… Der alte Siðhöttr weiß, was ich meine…
)