Eibensang

Das Ältere Futhark

ist das älteste historische Runensystem. Es besteht aus 24 Runen, die in drei Achterreihen aufgeteilt sind. Archäologischen Funden zufolge war das Ältere Futhark von ca. 200 bis ca. 600 n.Chr. in Gebrauch (man fand bis heute etwa 350 historische Zeugnisse dieses Systems: vor allem im skandinavischen Raum). Vermutlich wurde es aus ertruskischen und phönizischen Alphabeten abgeleitet – die genaue Herkunft verliert sich jedoch im Dunkeln.

Die überwiegende Mehrheit historischer Runenfunde – insgesamt ca. 6.000 – sind Hinterlassenschaften der (erst im 9. Jh. aufgetauchten) Wikinger, die ein auf 16 Zeichen verkürztes System verwendeten, das sog. Jüngere Futhark. Neben diesem sind noch weitere historische Variationen bekannt, wie das Friesische und das (aus über 33 Zeichen bestehende) Angelsächsische Futhark.

Die vorchristlich-„heidnischen“ Stämme, die wir heute zu den altgermanischen rechnen, zählen zu den schriftlosen Kulturen, da sie keinerlei gezielte Aufzeichnungen über ihr Leben und Schaffen hinterließen. Das Ritzen von Runen war wenigen Eingeweihten, sog. Érilar, vorbehalten – die Hinterlassenschaften (auf Brakteaten, Waffen, Gerätschaften, Knochen und Steinen) sind entsprechend dürftig und rätselhaft.

Auch die viel späteren Gedenksteine der Wikinger berichten meist nur sehr begrenzt und lückenhaft über Einzelereignisse (Schiffsunglücke o.ä.). Noch spätere Runeninschriften sind dann häufig schon christlich! Mit dem Aufkommen der lateinischen Schrift (vor allem durch Mönche) geriet das Ritzen von Runen rasch in Bedeutungslosigkeit.

Über esoterische Hintergründe des Älteren Futhark ist nichts Gesichertes bekannt. Die magische Verwendung von Runen in altgermanischen Kulturen ist strittig, darf aber immerhin als wahrscheinlich oder wenigstens möglich angesehen werden: einwandfrei beweisbar ist sie nicht.

Die Deutungen, Zusammenhänge und vielfachen Bezüge, die ich heute den Runen (speziell des von mir favorisierten Älteren Futharks) attestiere und beimesse, sind im Wesentlichen meine eigenen. Zwar greife ich dies nicht aus der Luft – mein Hauptgradmesser ist germanisches Denken in germanischen Werten (also das, was ich dafür halten darf) – aber natürlich hat mich auch die eine oder andere moderne esoterische Auslegung beeinflusst.

Was mich – in diesem Sinne – am Älteren Futhark fasziniert, sind die Zusammenhänge und die sich vielfältig daraus ergebenden Deutungsbezüge. Gerade das Ältere Futhark erscheint mir als 24facher Schlüssel zu einem kosmologischen System, das ich – einfacher und pragmatischer ausgedrückt – auch als Wertmaßstab für ein harmonisches Zusammenleben einer überschaubaren Menschengemeinschaft bezeichnen könnte: eines so genannten „Stammes“ (der, um es hier nochmal extra zu erwähnen, gerade bei altgermanischen Kulturen keineswegs über biologische Abstammung definiert wurde: Diesbezügliche Behauptungen historischer „Germanen“ darf man nachweislich als lediglich „spirituelle“ Auffassung deuten!).

Das (erst nach einer „Pause“ von mindestens einem Jahrhundert aufgekommene) Jüngere Futhark weist diese innere Harmonie nicht mehr auf. Es erscheint mir eher als eine Art (mehr oder minder magischer) „Werkzeugkasten“ für vagabundierende Heimatlose – was diejenigen Spätgermanen, die der damals bekannten Welt als „Wikinger“ auffielen, oft auch waren. (Natürlich sind auch die Wikinger nicht allein über ihre Seefahrer-Banden kulturell definierbar – aber dieser Exkurs führte hier jetzt wirklich zu weit.)

Die folgenden Beiträge enthalten eine kurze Vorstellung des Älteren Futhark in meiner persönlichen magischen Deutung, aufgeteilt in die Achterreihen von Freyrs Ætt als die Acht der Bauern (auch: Acht der Schöpfung), Hels Ætt als initiatorische Acht der Zauberer, sowie Tyrs Ætt als Acht der Krieger (im Sinne von „Acht des Tuns“).

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